Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Cantate Domino mit Ensemble Canto corde sonore

Das Alte-Musik-Ensemble Canto corde sonore im Dom.
Das Alte-Musik-Ensemble Canto corde sonore im Dom.

Bei Cantate Domino musizierte das Ensemble Canto corde sonore im Dom zu Speyer geistliche Werke des Frühbarocks.

Das Alte-Musik-Ensemble Canto corde sonore hat im Speyerer Dom in der Reihe Cantate Domino ein herausragendes Konzert mit Meisterwerken aus dem Frühbarock gegeben. Die Kernbesetzung von Canto corde sonore (deutsch: singende Klangsaiten) mit Doris Steffan-Wagner, Sopran, Martin Steffan, Tenor, sowie Rudolph Merkel, Theorbe und Erzlaute, hat sich für den Auftritt in Speyer mit Lisa Stöhr, Sopran, und Ulrike Klamp, Violone, verstärkt. „Es ist das erste Mal, dass wir fünf gemeinsam auftreten“, so Martin Steffan zur RHEINPFALZ. Außerdem haben sich die Musiker mehrere der „Vokalkonzerte aus der Frühbarockzeit“, so der Untertitel, für das Gastspiel im Dom unter dem Motto „Herr, wenn ich nur dich habe“ neu erarbeitet, fügt er hinzu.

Zu den Kleinodien, die eher selten zur Aufführung kommen, zählt Martin Steffan diese Werke von Michael Praetorius, unter anderen Kapellmeister am sächsischen Hof: „Jesus ist ein süßer Nam“, „Von edler Art“ und „Sie ist mir lieb, die werte Magd“. Das Alte-Musik-Ensemble aus dem Odenwald bringt sie in der zweiten Konzerthälfte zu Gehör.

Das Alte-Musik-Ensemble Canto corde sonore im Dom.
Das Alte-Musik-Ensemble Canto corde sonore im Dom.

Bei „Jesus ist ein süßer Nam“ tritt Doris Steffan-Wagner in der ersten Strophe als Gesangssolistin auf, während sie Martin Steffan in der folgenden Strophe mit der Blockflöte virtuos begleitet. In Strophe drei singen beide gemeinsam; dazu zupft Ulrike Klamp gekonnt die Saiten ihres Violone. In der vierten Strophe kommen alle fünf Musiker zum Einsatz bei der vertonten Anbetung der „heiligen Dreifaltigkeit“. Die Blockflöte erklingt übrigens auch noch bei „Sie ist mir lieb, die werte Magd“.

Canto corde sonore interpretiert nicht weniger als sechs Kompositionen von Heinrich Schütz, darunter „O lieber Herre Gott“ (SWV 287) und „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ (SWV 291), in denen das Motiv eines reinen Herzens eine zentrale Bedeutung für die Gemeinschaft mit Gott und Jesus Christus hat. Bei SWV 287 harmonieren die Sopranistinnen Lisa Stöhr und Doris Steffan-Wagner wunderbar miteinander.

Nach fünf überwiegend kurzen Kantaten Schützens, darunter das dem Konzert seinen Titel gebende „Herr, wenn ich nur dich habe“ (SWV 321), intoniert das Ensemble das umfangreiche Werk „O Jesu, nomen dulce“ (SWV 308). Dabei glänzt Martin Steffan, begleitet von Merkel an der Theorbe. Bei „O dulce nomen Jesus“ von Alessandro Grandi (1586-1630) hat Doris Steffan-Wagner unmittelbar davor mit ihrer glockenklaren Stimme brilliert.

Selten zu hörende Preziosen

Zu den eher selten zu hörenden Preziosen zählt Martin Steffan fünf Kantaten von Johann Hermann Schein, Thomaskantor von 1615/16 bis 1630. Der Zeitgenosse von Schütz stehe zu Unrecht in dessen Schatten. Zu den im Dom aufgeführten Werken gehört das schmerzensreiche „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ ebenso wie das freudvolle und von großer Dynamik geprägte „Wir gläuben all an einen Gott“. Bei zwei weiteren Kantaten Scheins, „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ und „Christe, der du bist Tag und Licht“, bittet der Gläubige um Hilfe dabei, den „rechten Weg“ oder den „Weg der Wahrheit“ zu finden.

Zwei Instrumentalstücke runden das auch so schon abwechslungsreiche Programm ab: „Canzone per basso solo“ von Girolamo Frescobaldi und „Preludio aus Sonata IX“ von Giovanni Zamboni. Bei Ersterem beeindrucken Ulrike Klamp, Violone, mit ihrer sensiblen Melodieführung und Rudolph Merkel, Theorbe, mit seiner fantasievollen Improvisation der Harmonien. Zum Abschluss kommen nochmal alle zum Einsatz bei Adam Gumpelzhaimers „Die Nacht ist kommen“. Minutenlanger Applaus.

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