Speyer Bild von einem blauen MG stellt alte Frage neu

Gedanken sind frei und oft flüchtig: Manche Ereignisse geraten im Laufe eines langen Lebens in den Hintergrund. Die Erinnerung verblasst, bis ein kleiner Hinweis vergessen geglaubte Geschehnisse wieder ans Tageslicht befördert. So ist es Josef Grunwald beim Stöbern in längst verstaubten Kisten ergangen. Dabei ist dem Kölner mit Wahlheimat im Saarland das rund 50 Jahre alte Foto eines blauen „MG“ mit Speyerer Kennzeichen in die Hände gefallen – alle vier Räder steil nach oben gerichtet. „Plötzlich war alles wieder da, als sei es gestern passiert“, beschreibt er seine Zeitreise ins Jahr 1964: „An einem heißen Sommernachmittag bin ich wahrscheinlich zum Lebensretter geworden.“ „Im Wagen vor mir fährt ein junger Speyerer“: Dieses – leicht abgewandelte – Lied von Henry Valentino mag Grunwald vor sich hin gesungen haben, als er mit seiner damaligen Freundin auf dem Weg vom Urlaub im ehemaligen Jugoslawien zurück nach Köln war. Stundenlang sei ein Mann im blauen Sportwagen vor ihm her gefahren – „mit weit offenem Verdeck“, erzählt Grunwald von der Fahrt auf endlosen, staubigen, aufgeheizten Landstraßen in Richtung Österreich. Irgendwann habe er Rast gemacht und das Speyerer Auto aus den Augen verloren. Ein paar Stunden später habe er den MG etwa drei Meter neben einer Straßenböschung wieder entdeckt. „Aber da lag er auf dem Kopf.“ Sofort sei er aus seinem Auto ausgestiegen, erinnert sich Grunwald. Er habe die Straße gesperrt und Fahrer herankommender Pkw angehalten. Gemeinsam seien sie zur Unfallstelle geeilt. „Mit vereinten Kräften haben wir den Eingeklemmten unverletzt unter seinem MG hervorgeholt“, schildert Grunwald den Ablauf der Rettungsaktion. „Die Windschutzscheibe des MG war nicht mehr da“, erinnert er sich an den bedenklichen Zustand des schnittigen Speyerer Sportwagens. „Ich habe den Mann nach seinem Befinden gefragt, ein paar Fotos geschossen, bin wieder in mein Auto gestiegen und weiter Richtung Köln gefahren“, beschreibt der spontane Retter die weiteren Entwicklungen am Straßenrand. Ob der Unfallwagen noch fahrtüchtig gewesen sei und wie der wie er auch vor einem halben Jahrhundert etwa 25-Jährige zurück in die Domstadt gekommen sei, weiß Grunwald nicht. „Ich musste weiter zur Arbeit in meiner Domstadt“, erklärt er. Wer der Speyerer war, den er im fernen Jugoslawien wieder auf die Beine gestellt hat, hat Grunwald nie erfahren. Weder das Speyerer Einwohnermeldeamt noch die Pkw-Zulassungsstelle hätten ihm weiterhelfen können, sagt er. Zu gerne würde er jedoch erfahren, wie es dem Mann weiter ergangen ist und ihm die Fotos von damals zeigen, erklärt er seinen Hilferuf an die RHEINPFALZ. Jeden Hinweis auf den Fahrer des MG mit Speyerer Kennzeichen leiten wir an den Kölner im Saarland weiter. (kya)