Speyer / Rom RHEINPFALZ Plus Artikel Bernhard Adamys neues Buch über Wilhelm Molitor

Bernhard Adamy
Bernhard Adamy

Der Germanist und Historiker Bernhard Adamy hat seine dritte Veröffentlichung über den Speyerer Dichter und Domkapitular Wilhelm Molitor (1819-1880) vorgelegt.

Nach einer Ausgabe der „Domlieder“ und einer grundlegenden Biografie geht es nun um Molitors Briefe und Essays aus Rom im Umfeld des ersten Vatikanischen Konzils 1869/70.

Rom um 1870: Pius IX., das Oberhaupt der „streitbaren Kirche“, ein charismatischer Papst von Dominanz und Prominenz, hat ein Konzil einberufen, auf dem der Episkopat der Weltkirche die katholische Glaubenslehre, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat und die Dogmatisierung der sogenannten Unfehlbarkeit des Papstes im Lehramt definieren soll. Während langwierige Diskussionen ablaufen, geht der Kirchenstaat verloren: Die Truppen des jungen Königreichs Italien entreißen dem letzten Papst-König dessen verbliebenen Rest. In einem dramatischen Kampf um Rom geht das Patrimonium Petri unter. Das Konzil, abgebrochen und vertagt, wird nie wieder aufgenommen, hinterlässt aber kirchengeschichtlich unübersehbare Spuren.

Der Speyerer Domkapitular und Dichter Wilhelm Molitor, Vorbereiter und Berater beim Konzil, beobachtet die aufgewühlte Szene täglich wechselnder Ereignisse und Entwicklungen aus der Perspektive des ultramontanen Geistlichen und Pius-Verehrers. Er ist zugleich auch ein belesener, feingeistiger Essayist, der sich dem Zauber Italiens und der Roma aeterna der Päpste nicht entziehen kann. Zwischen 1870 und 1876 entstehen seine Briefe aus Rom, sein biografisches Pius-Porträt und seine literarischen Skizzen zu Rom, die nun erstmals wiederveröffentlicht und kommentiert werden.

Kultur- und kirchengeschichtlicher Kontext

Ein umfangreiches essayistisches Nachwort von Adamy stellt sie in eine kultur- und kirchengeschichtlichen Zusammenhang.

Der Herausgeber erklärt unter dem Titel „,Herr von Syllabus’ in Rom. Wilhelm Molitors literarische Apologie des ultramontanen Katholizismus“ in ausgesprochen differenzierter und kenntnisreicher Weise den Hintergrund der Texte von Molitor und entwirft weit darüber hinaus gehend bei aller notwendigen Konzentration doch ein anschauliches Bild der damaligen Situation in der Weltkirche und dem vom Kirchenkampf geprägten deutschen Kaiserreich.

Bilder aus den Textvorlagen und ein gewichtiger, informativer und nützlicher Apparat ergänzen den Band.

Detail aus dem Cover.
Detail aus dem Cover.

Bernhard Adamy wurde 2013 bei der Lektüre eines Buches über die Schraudolph-Fresken im Dom auf Molitor und dessen „Domlieder“ aufmerksam. Er begann sich näher mit dem in Vergessenheit geratenen Speyrer Domkapitular und seinem Werk zu beschäftigen. Molitor war nur Theologe und Priester, sondern auch Schriftsteller, Dichter, Zeitungsherausgeber (darunter einer Kirchenzeitung namens „Die Rheinpfalz“, die mit unserer Zeitung freilich nichts zu tun hat) und sogar als Abgeordneter im bayerischen Landtag.

2017 gab Adamy die Domlieder in einer kommentierten Neuausgabe heraus, deren zuvor letzte Auflage 1926 erschienen war. 2020 folgte dann von Bernhard Adamy der umfängliche, über 500 Seiten umfassende Band „Wilhelm Molitor. Die Schöne Seele der streitbaren Kirche“ in der Reihe der Schriften des Diözesan-Archivs Speyer.

Adamy ist es ein Anliegen, das Andenken Wilhelm Molitors zu bewahren. Als einer wichtigen historischen und literarischen Person einer Zeit im Bistum Speyer. Diesem Zweck dient auch seine neue, ansprechende und lehrreiche Publikation.

Lesezeichen

Bernhard Adamy (Hrsg.), Wilhelm Molitor. Der Papst, das Konzil und die Ewige Stadt. Briefe und Essays aus Rom.
308 Seiten mit 21 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, fester Einband.
ISBN 978-3-95505-585-1. 29,80 Euro.

x