Altrip / Waldsee
Beliebter Radweg am Deich: In diesen Sommerwochen wird er gesperrt
Grund für die Sperrung ist, dass der sogenannte Bermenweg saniert und leicht erhöht wird, informiert Robert Keller, Diplom-Ingenieur bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, zu der die Deichmeisterei gehört. Nach seinen Angaben ist das notwendig, weil Richtlinien einen stärkeren Aufbau des Bermenwegs erfordern, damit dessen Standfestigkeit gewährleistet ist, wenn der Weg mit schweren Fahrzeugen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk zur Deichverteidigung befahren werden müsste.
Der Abschnitt des Rheinhauptdeichs, an dem der Bermenweg entlangführt, ist einer der wenigen, der noch nicht für ein extremes Hochwasser ertüchtigt ist. Grund ist das seit mehr als 20 Jahren andauernde, durch Klagen verzögerte Planungsverfahren für den umstrittenen Polder Altrip. Solange es den Hochwasserrückhalteraum nicht gibt und die Sicherheitsreserve von 80 Zentimetern am Deich fehlt, müsste das Schutzbauwerk bei einem extremen Hochwasser womöglich mit Sandsäcken erhöht werden. Für diese Deichverteidigung standen Freiwillige Feuerwehr und SGD bereits im Austausch. Im Herbst 2022 fand diesbezüglich auch eine große Hochwasserschutz-Übung in der Verbandsgemeinde Rheinauen statt, bei der unter anderem die Erhöhung des Deichs mit Sandsäcken geprobt wurde.
Bauzeit: Voraussichtlich sechs bis acht Wochen
Die Sanierung des Bermenwegs soll laut Keller am 1. August beginnen. Es wird mit einer Bauzeit von sechs bis acht Wochen gerechnet, während der der Weg gesperrt sein müsse. Eine Umleitung für Radfahrer werde eingerichtet und rechtzeitig vor dem Baustart kommuniziert. Die Arbeiten fallen in eine Jahreszeit, in der wetterbedingt besonders viele Menschen den Weg nutzen. Der SGD-Mitarbeiter erläutert, dass ein anderer Zeitraum für die Bauarbeiten aus naturschutzrechtlichen Vorgaben jedoch nicht infrage komme. Weil an dem Weg geschützte Pflanzen wachsen, müsse im Mai und Juni Saatgut entnommen werden, das nach den Arbeiten im Herbst wieder eingesät werden müsse.
Die Deichmeisterei plant außerdem, bei Altrip Trampelpfade über den Deich zu beseitigen und Stellen zu pflastern. Außerdem arbeitet die Landesbehörde nach Angaben von Abteilungsleiter Manfred Schanzenbächer am Ergänzungsbeschluss für den Polderbau zwischen Altrip und Waldsee. Dabei gehe es unter anderem um Fluchtwege und naturschutzfachliche Fragen. Der Hochwasserrückhalteraum soll bei einem großen Rheinhochwasser Tausende Menschen schützen – nicht nur in Altrip, sondern weiter flussabwärts am Strom in den Städten Mannheim, Ludwigshafen und Worms. Das Land sieht das Hochwasserschutzprojekt in einer so dicht besiedelten Region wie der Metropolregion Rhein-Neckar als unerlässlich an. Menschen aus Altrip und eine Bürgerinitiative befürchten dagegen, dass sich die Druckwassersituation im Ort bei einer Polderflutung weiter verschärfen würde und eine Flucht aus dem Ort über die beiden Kreisstraßen nicht gewährleistet wäre.




