Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnrad-DM in Dudenhofen: Dachdeckerbetrieb Gümbel aus Mechtersheim leidet noch immer

Nicht ganz ungefährlich: Bahnradsport in der Badewanne des RV 08 Dudenhofen.
Nicht ganz ungefährlich: Bahnradsport in der Badewanne des RV 08 Dudenhofen.

Ein dreiviertel Jahr ist er her, der schwere Unfall in Dudenhofen. Einen Familienbetrieb trifft er hart. Und immer wieder fallen die gleichen, schweren Vorwürfe.

Auch die Dachdeckermeister Ulrich Gümbel (72) und sein Sohn Johannes (34) aus Mechtersheim leiden ein dreiviertel Jahr nach dem schweren Keirin-Unfall, als bei der deutschen Bahnmeisterschaft in Dudenhofen zwei Fahrer in die Zuschauermenge flogen, unter den Nachwirkungen. Aus kleiner Familienbetrieb tun sich dabei besondere Schwierigkeiten auf, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählten.

Die Gümbels und Johannes’ Freundin Zoe nahmen damals eine Einladung eines Sponsors des RV 08 Dudenhofen für die deutsche Meisterschaft am Freitag an. Auf den Geschmack gekommen, brach das Trio am unsäglichen Unglückssonntag noch mal zur Radrennbahn auf und postierten sich in der ominösen Schlusskurve mit Blick aufs Ziel.

Schwere Verletzungen

„Wir haben es nicht kommen sehen“, sagte Johannes Gümbel über den Hergang. „Die Fahrer müssen sich irgendwie verkeilt haben“, mutmaßt sein Vater, der schon woanders hinguckte: „Wir wissen es nicht.“ Der Sohn spielt ein Video ab, das die Szene zeigt. „Ich habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Bewusstlos war ich nicht“, berichtet sein Papa.

Schlag ist gut: Ein Krankenwagen transportierte ihn in eine Gesichtschirurgie nach Ludwigshafen – Brüche an Nase, Oberkiefer, Jochbein, über dem Auge. Die Ärzte operierten am Dienstag und entließen den Patienten freitags. Das Pärchen kam mit im Vincentius-Krankenhaus Speyer behandelten Prellungen und Schürfwunden besser davon und schnell wieder heim.

In Thoraxklinik

Montags musste der Dachdeckerbetrieb weitergehen, und bald stellten sich bei Johannes Gümbel Schwierigkeiten ein: „Ich habe einen Knubbel“, beschreibt er einen Knorpelbruch und tastet sich in der Redaktion in der Heydenreichstraße oberhalb der Brust ab: „Ich habe Probleme und kann meinen Job praktisch nicht mehr machen. Ich kann nicht zu hundert Prozent so arbeiten, wie ich eigentlich wollte.“ Ziehen oder Schieben von Material verursache Schmerzen. 60, 70 Prozent seien möglich.

Um sich rechtzeitig gegen Spätfolgen abzusichern und seine Anstrengungen zu dokumentieren, begann ein Ärztemarathon: Röntgen, CT, MRT, Orthopädie, Thoraxklinik Heidelberg. Schon unmittelbar nach der Kollision unterstützte er seine beiden ukrainischen Helfer so gut es ging, übernahm Transporte, widmete sich Büroarbeit, während der Ältere noch ausfiel. „Damit verdienen wir aber kein Geld. Wir sind draußen“, verdeutlichte Ulrich Gümbel. Demnächst kommt ein Geselle. Aber das Handwerk klagt über Personalmangel.

Erheblicher Umsatzverlust

Die Firma erfüllte dennoch Aufträge. Andere verzögerten sich. Eine Dachsanierung in Römerberg ging, Schweißen bei einer Flachdachabdichtung auch, Arbeiten an einer Rinne mit Aufschub: „Die Kunden hatten Einsicht.“ Der Senior ergänzt: „Sie waren sehr rücksichtsvoll. Zimmerleute und Spengler boten Hilfe an.“ Trotz allem: Sie schätzen den Umsatzverlust auf 10.000 bis 12.000 Euro. Hinzu kam schlechtes Wetter.

Die Gümbels versuchen mit einem Anwalt über ihre Versicherung an Schadensersatz, Betriebsausfall- und Schmerzensgeld zu kommen. Es floss auch Geld, das die Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten auffing. Ansonsten nichts, stattdessen angeforderter Papierkram über Bilanz, Gewinn, Steuererklärung, Anzahl der Beschäftigten. Der Senior: „Sie wollen immer was anderes. Man drückt sich, wo man kann.“

Kritik an German Cycling

Enttäuscht zeigen sich die beiden, wie auch die Geschädigte Petra See aus Heiligenstein, über die Behandlung durch German Cycling: „Keine Entschuldigung, kein Anruf“, so Johannes Gümbel, der in Hanhofen wohnt. Sein Vater: „Für andere Dinge sei auch Geld da. Das ist ein unverschämtes Benehmen.“

Auch für Ulrich Gümbel geht’s am 21. April noch mal in die Klinik. Sein rechts Auge tränt: „Das Metall in meinem Gesicht soll entfernt werden.“ Er hofft, nach zwei Tagen wieder nach Hause zurückzukehren. Was größere finanzielle Erleichterung betrifft, zitiert er seinen Anwalt, der von drei bis vier Jahren ausgeht, klappt eine der beiden sich mit den Unterlagen füllenden Mappen zu. Und doch läuft er der Betrieb: Unmittelbar nach Ostern gut 100 Kilometer – einfach – nach Bechhofen in die Südwestpfalz.

Nachdenkliche Mienen: Ulrich (links) und Johannes Gümbel.
Nachdenkliche Mienen: Ulrich (links) und Johannes Gümbel.
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