Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bachs Oratorien zu Ostern und Himmelfahrt

Chrisammesse im Dom, bei der die heiligen Öle geweiht werden. In den Auferstehungsberichten der Evangelien und im Text des Oster
Chrisammesse im Dom, bei der die heiligen Öle geweiht werden. In den Auferstehungsberichten der Evangelien und im Text des Osteroratoriums von Bach ist auch von Salbung und Spezereien die Rede.

Das Osteroratorium „Kommt, eilt und laufet“ BWV 249 und das Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“ BWV 11 werden am 25. April im Dom erklingen.

Ein Passionsoratorium hat Johann Sebastian Bach nicht komponiert, das taten etwa seine Kollegen Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Mattheson oder Reinhard Keiser bei ihrer Vertonung des Textes „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ des Hamburger Ratsherren Barthold Heinrich Brockes. Bachs eigene Passionen sind oratorische Passionen, weil sie im Prinzip konsequent einem Evangelientext folgen. Bei Brockes werden die Bibeltexte vermischt. Aber natürlich hat Bach mit seinen Passionen, von denen ja die nach Johannes (gab es in dieser Passionszeit drei Mal in Speyer und einmal in Landau) und Matthäus erhalten sind, bedeutende, ja die bedeutendste Musik zur Passion komponiert.

Zu Weihnachten hat er bekanntlich das sechsteilige Weihnachtsoratorium verfasst, das erstmals 1734/35 an sechs Sonn- und Feiertagen rund um das Christfest in Leipzig aufgeführt wurde. In den 1730er-Jahren hatte er offensichtlich die Idee, zu großen Kirchenfesten Oratorien zu schreiben. Und so gibt es auch zu Ostern und zu Himmelfahrt ein Oratorium von ihm.

„Kommt, eilt und laufet“

In dieser Osterzeit gibt es in Speyer die Gelegenheit, beide Werke in einem Konzert zu erleben. Am Samstag, 25. April, 19.30 Uhr, erklingen sie im Dom. Solisten sind Jowoon Chung, Sopran, Lea Elisabeth Müller, Alt, Daniel Schreiber, Tenor, und Konstantin Paganetti, Bass. Es singt der Domchor Speyer, es spielt das Barockorchester L’ arpa festante. Domkapellmeister Markus Melchiori hat die Leitung.

Das Osteroratorium „Kommt, eilt und laufet“ BWV 249 von 1725 ist ein spezielles Stück, es basiert auf der Kantate „Entfliehet, verschwindet, entweichet ihr Sorgen (BWV 249a)“, einer „Schäferkantate“ zum Geburtstag von Christian von Sachsen-Weißenfels, für den Bach schon seine „Jagd-Kantate“ komponiert hatte.

Es gibt hier keinen Evangelisten und keinen Evangelientext, es wird nur angedeutet, dass die Frauen das leere Grab gefunden haben und ein Engel ihnen gesagt hat, dass Jesus auferstanden ist. Maria Jacobi (Sopran), Maria Magdalena (Alt), Petrus (Tenor) und Johannes (Bass) sind die Personen in diesem Oratorium, das mit einer festlichen Sinfonia mit Trompeten und Pauken beginnt und von bewegten Chören gerahmt wird. Der jubelnde Schlusschor greift im Text gleichsam zurück auf die „Es ist vollbracht“-Arie der Johannes-Passion, wo es heißt: „Der Held aus Juda siegt mit Macht.“ Im Osteroratorium singt der Chor: „Eröffnet, ihr Himmel, die prächtigen Bogen, Der Löwe von Juda kommt siegend gezogen!“ Und im Eröffnungschor des Himmelfahrtsoratoriums jubelt der Chor dann Gott in seinen himmlischen Reichen zu.

„Lobet Gott in seinen Reichen“

Von den drei Arien des Osteroratoriums sind zwei ausgesprochen pastoral, was bei Vorlage nicht verwundert. Die dritte ist eine Liebesarie der Maria Magdalena („Saget, saget mir geschwinde, Saget, wo ich Jesum finde, Welchen meine Seele liebt!“).

Im Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“ BWV 11 gibt es keine Personen, dafür wieder einen Evangelisten, der Bibeltext singt. Wenn man so will, ist die erste Arie für Alt das Gegenstück zur oben erwähnten Arie der Maria Magdalena. Denn diese könnte ja auch „Ach, bleibe doch, mein liebstes Leben, Ach, fliehe nicht so bald von mir!“ singen. Dieses Stück ist sehr berühmt, denn Bach hat es später zum Agnus Dei seiner h-moll-Messe gemacht.

Am Ende des Himmelfahrtsoratoriums wendet sich die gläubige Seele der Verheißung himmlischer Freuden zu. Die Sopranarie „Jesu, deine Gnadenblicke“ hat keinen Generalbass, die Musik hebt sich also von der Erde ab – und im überschwänglichen Schlusschoral mit Trompetenjubel heißt es: „Du Tag, wenn wirst du sein, Dass wir den Heiland grüßen, Dass wir den Heiland küssen? Komm, stelle dich doch ein!“

Info

Karten in der Dom-Info und bei Reservix. www.dommusik-speyer.de

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