Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bachs Johannes-Passion mit der Speyerer Kantorei

Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei und der Churpfälzischen Hofkapelle.
Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei und der Churpfälzischen Hofkapelle.

Bemerkenswerte Wiedergabe der Johannes-Passion von Bach mit Speyerer Kantorei und Churpfälzischer Hofkapelle unter Robert Sattelberger in der Dreifaltigkeitskirche.

Dass die Speyerer Kantorei nach der – Gottlob - überwundenen Corona-Flaute als vielzähliger und belastbarer Klangkörper wieder erstarkt ist, feierte das Publikum am Palmsonntag in der dicht gefüllten Dreifaltigkeitskirche zu Recht mit stürmischem Applaus. Mit der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach hatte Bezirkskantor KMD Robert Sattelberger eine berühmte Passionsmusiken aufs Pult gelegt. Und man würde diese Aufführung herzlich gerne weiterempfehlen, wenn sie noch mal zu haben wäre.

Sarah Newman
Sarah Newman

Mit der Wahl des Orchesters, der Churpfälzischen Hofcapelle, die auf historischem Instrumentarium und im fabelhaften Continuo zusätzlich durch eine Langhalslaute ergänzt spielte, war die Lesart der Aufführung bereits vorgeben. Es war das mit seinem schlanken, lichten, in hohem Maße wendigen Klangprofil ebenso wie mit einer fabelhaften Solisten-Riege prunkende Ensemble aus Streichern, Holzbläsern und Taste, das die Weichen stellte für eine in hohem Maße authentische Wiedergabe des Bach’schen Gipfelwerks.

Simone Pepping
Simone Pepping

Auf solchem Fundament ließ sich für die Kantorei komfortabel agieren. Robert Sattelberger hatte die Männerstimmen kompakt mittig platziert, flankiert von Sopranen und Altistinnen. Das erleichterte die Kommunikation und stützte vor allem die insgesamt tadellose Intonation. Und der Mann am Pult, der den ganzen Verlauf über mit großem Körpereinsatz gebieterisch einforderte, was Text und Geschehen an Gestaltungsmomenten nahelegten, hatte seine imposante Chorgemeinschaft nicht nur notentechnisch penibel vorbereitet, sondern auch ganz offensichtlich das Gespür für textimmanente Zusammenhänge geschärft.

Jonas Boy
Jonas Boy

Das zeigte sich vor allem in den aufgepeitschten, dabei pointiert deklamierten Turba-Chören, deren Prägnanz da am eindrücklichsten war, wo der Augenkontakt zum Dirigentenpult hundertprozentig stimmte. Dann erfolgte der Zugriff punktgenau („Wäre dieser nicht ein Übeltäter“), das Konvolut hatte Biss und dramatische Schärfe. In den Rahmensätzen wiederum, dem Eingangschor mit seinen (gut bewältigten) Spitzentönen und Koloraturgirlanden, und dem „Ruht wohl“ am Ende prunkte die Kantorei mit rauschhaftem Wohlklang und wunderbar gerundeter Abstimmung der Register – vom sauber intonierenden Sopran bis zu den sonoren Bässen. Auch Sattelbergers Gestaltung der Choräle folgte man gerne – sie bewegte sich stets wachsam am kommentierenden Text entlang, deutete mittels Tempo, Dynamik und Pointierung das Geschehen behutsam, ohne aber zu überfrachten.

Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei.
Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei.

In der Solistenriege hatte Jonas Boy als Evangelist und auch Arien-Tenor den gewichtigsten Part zu bewältigen. Es führte mit geläufiger Eloquenz, unangestrengt, mit narrativer Klarheit und emotionaler Verbindlichkeit („… weinete bitterlich“, „… geißelte ihn“) durch den dramatischen Fluss. Und er bewältigte die Petrus-Arien im ersten Teil und die heikle „Regenbogen“-Arie, die er ganz entspannt und eher zurückgenommen präsentierte, mit tenoraler Leuchtkraft und Bravour.

Speyerer Kantorei
Speyerer Kantorei

Mit Florian Dengler (Jesus) und Manfred Bittner (Pilatus) korrespondierten in den dramatisch aufgeladenen Dialogen zwei kraftvolle Bass-Bariton-Stimmen miteinander. Es war kaum der sanfte 30-jährige Schmerzensmann, den Dengler da mit mächtigem Volumen eher als souveränen, fast schon überheblichen Charakter vorführte. Was beim Evangelisten Johannes durchaus so angelegt ist. Aber etwas weniger Pathos hätte es schon sein dürfen. Die drei Bass-Arien waren bei Manfred Bittner allerbestens aufgehoben, eine schöner, wohlgestalteter vorgetragen als die andere, mit „hörbar“ tiefem, reflektierenden Blick auf das Geschehen.

Sarah Newman
Sarah Newman

Die amerikanische Sopranistin Sarah Newman wartete mit schlankem, rundum leicht und mühelos geführtem, gleichwohl charaktervoll gerundetem Stimmgold auf. Frisch und tänzerisch korrespondierte die Eingangsarie mit der fantastischen Soloflöte, und – von Flöte und Oboe wiederum kongenial sekundiert - entfaltete Newman den klagenden Schmerz der „Zerfließe“-Arie mit betörendem Schmelz, sehr feinen Nuancen und tiefer Innerlichkeit.

Simone Pepping
Simone Pepping

Auch die beiden Alt-Arien sind emotionale Haltepunkte. Simone Pepping gestaltete sie mit ihrer warmen, samtig timbrierten, auch in der Höhe weichen und frei von Schärfen das Ohr umschmeichelnden Stimme eindrucksvoll aus. Ihr „Es ist vollbracht“ geriet zu einem der berührendsten Höhepunkte des Konzerts. Last not least ein dickes Lob für den Soliloquenten Hosung Kang, der aus dem Chor heraus dem Diener selbstbewusst tenorales Profil verlieh.

Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei und der Churpfälzischen Hofkapelle.
Robert Sattelberger am Pult der Speyerer Kantorei und der Churpfälzischen Hofkapelle.

Dies war 302 Jahre nach der Uraufführung eine rundum bemerkenswerte, sich nachhaltig im Gedächtnis verankernde Johannes-Passion.

Jonas Boy
Jonas Boy
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