Kulturspiegel Bach und mehr
Es gab in Speyer schon zwei Aufführungen der Johannes-Passion von Bach in dieser Passionszeit mit der Dommusik in St. Bernhard – und am Palmsonntag, 29. März, um 18 Uhr gibt es mit Speyerer Kantorei in der Dreifaltigkeitskirche eine weitere (www.speyerer-kantorei.de). In der Landau erklingt mit der Landauer Kantorei am Karfreitag, 3. April, um 18 Uhr das Werk in der Stiftskirche ebenfalls (www.stiftskirchenmusik-landau.de).
Die „Große Passion“, die nach Matthäus, steht in Kürze in der Region in einer besonderen Aufführung an. Am 30. März (das ist dann ein Tag vor Bachs Geburtstag nach neuem gregorianischen Kalender) gibt es das Werk im Festspielhaus Baden-Baden bei den neu konzipierten Osterfestspielen (www.festspielhaus.de)
Mit dem Concertgebouw Orchester Amsterdam, das nun eines der beiden Residenzorchester des Festivals ist, spielt jener Klangkörper, der vor ein paar Jahren bei einem Ranking zum besten Orchester der Welt erklärt wurde. Es dirigiert dessen designierter Chef Klaus Mäkelä. Die Aufführungen der Passion in Amsterdam mit diesem Orchester am Palmsonntag haben eine lange Tradition. Nun gibt es diesmal erfreulicherweise das Gastspiel in Baden-Baden. Es liegt ein Amsterdamer Mitschnitt der Matthäus-Passion unter Willem Mengelberg vom Palmsonntag 1939 vor, der von einer Bach-Interpretation aus einer ganz anderen Welt kündet.
Bach aus Budapest
Wie phänomenal auch große Sinfonieorchester heute Bach in historischer Aufführungspraxis musizieren können, belegte just im Festspielhaus Baden-Baden Ende des vergangenen Jahres das Budapest Festival Orchestra bei den Winterfestspielen unter seinem Chefdirigenten Iván Fischer. Das Orchester spielte bei den Teilen 1 bis 3 und 6 konsequent auf alten Instrumenten - und das in allen Registern absolut virtuos. Allein die Perfektion und der Glanz, mit denen die Naturtrompeten gespielt wurden, waren ein Ereignis. Iván Fischer sorgte mit seinem Orchester und dem Collegium Vocale Gent für eine absolut mitreißende und sinnnliche Wiedergabe voller Frische und rhetorischer Brillanz. Sagenhaft war die Solistenbesetzung. Julia Lezhneva war eine strahlende Sopranistin. Sie singt am Montag auch bei der Amsterdamer Matthäus-Passion. Olivia Vermeulen war eine klangschöne Altistin und der „Karlsruher“ Hanno Müller-Brachmann ein beweglicher Bass. Allein, der nuancierte, hochkulvierte und überlegene Vortrag von Tenor Julian Prégardien war eine Sensation.
Das Erfreuliche: Am 19. Dezember um 18 Uhr dieses Jahres gibt es wieder das Weihnachtsoratorium (Teile im Festspielhaus Baden-Baden mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer. Diesmal singt das Vocalconsort Berlin. Julian Prégardien singt dann nicht Bach, sondern an den Tagen davor und danach im Festspielhaus den Tamino in Mozarts „Zauberflöte“.
Vor einigen Jahren hatte Iván Fischer mit dem Budapest Festival Orchestra eine bemerkenswerte Interpretation von Gustav Mahlers zweiter Sinfonie, der „Auferstehungssinfonie“ vorgestellt. Das Werk wurde schon vielfach in Baden-Baden gespielt, auch vor 13 Jahren bei den ersten Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle.
Im vergangenen November wurde es vom Tonhalle-Orchester Zürich unter seinem Chefdirigenten Paavo Järvi mit Mari Eriksmoen (war jüngst im Karlsruher „Tamerlano“ zu erleben), Sopran, Anna Lucia Richter, Mezzosopran, und der Zürcher Sing-Akademie im Festspielhaus aufgeführt. Paavo Järvi erarbeitet mit dem Orchester gerade einen Mahler-Zyklus. Dieser ist spektakulär. Es gab auch die Erste in Baden-Baden – und am 21. und 22. November dieses Jahres wird es die Sinfonien 5 und 6 an der Oos geben.
Die Zweite, die ja irgendwie doch ein ideales sinfonisches Stück für Ostern als Fest der Auferstehung ist, wurde von Paavo Järvi und seinem fulminant agierenden Apparat deshalb so unglaublich intensiv und ergreifend musiziert, weil sich der Dirigent konsequent auf die musikalischen Bewegungen des Werks einließ und insbesondere in der Dynamik und Tempodisposition jeden Zwang ablegte und in jedem Takt dem Charakter der Musik unbedingt auf der Spur war. Mahlers Musik wurde von ihm und seinen ersten Anhängern (dazu gehörte auch der oben erwähnte Mengelberg) nämlich wohl nicht mehr oder weniger streng im Takt gespielt, sondern sehr flexibel in den Zeitmaßen. Genau das machte nun auch Paavo Järvi – mit sagenhafter Wirkung.
Im Grunde agierte der estnische Dirigent klar und überblickend, aber eben nie plan und gleichmäßig, sondern jeden Augenblick mit individuellem Ausdruck ausformend. Man darf sehr auf seine Mahler-Konzerte im Herbst gespannt sein.
Die Fünfte von Mahler gibt es am 1. April um 18 Uhr aber nun erst einmal im Festspielhaus Baden-Baden mit dem Concertgebouw Orchestra unter Klaus Mäkelä.
Mahler lässt in dieser Sinfonie an einigen Stellen Choräle oder choralartige Musik erklingen – und fugierte Stellen gibt es auch. Er kannte natürlich Bach und hat sogar eine Suite aus Bach-Sätzen arrangiert. Auch bei Bruckner hat Bach seine Spuren hinterlassen. Dessen achte Sinfonie in c-moll wird am 2. April um 18 Uhr bei den Osterfestspielen in Baden-Baden mit dem Concertgebouw Orchestra unter Klaus Mäkelä erklingen.
Das andere Residenzorchester bei den „neuen“ Osterfestspielen ist das Mahler Chamber Orchestra, das auch schon mal in der Landauer Festhalle gespielt hat. Es spielt unter Joana Mallwitz am 28. und 31. März sowie 5. April in Wagner „Lohengrin“ - und am Karfreitag, 3. April, um 18 Uhr in Benjamin Britten bewegendem War Requiem. Ein Stück der Stunde des vor 50 Jahren gestorbenen englischen Komponisten.