Speyer
Anlaufstelle bei seelischen Belastungen: „Seelenkompass“ in Speyer-West
Erstberatung, Weitervermittlung und „einfach da sein“ hat sich Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke für das Präventionsprojekt auf die Fahne geschrieben. Früh bei seelischen Belastungen zu reagieren, spare später viel Geld, ist er überzeugt. Auch bei der Eröffnung dabei waren die Kooperationspartner GBS, Gewo und das GKV-Bündnis für Gesundheit Rheinland-Pfalz. Sie setzen sich in Speyer-West gemeinsam für Prävention ein.
Das zunächst auf drei Jahre befristete Projekt wird vom GKV-Bündnis mit 124.000 Euro gefördert. Mitfinanziert wird das Angebot für Bewohner des Quartiers von Gewo und GBS. „Jeder dritte Deutsche leidet mindestens einmal im Leben an einer seelischen Krankheit“, sagte GBS-Vorstand Bernd Reif. Auch ein gutes Umfeld im Bereich Wohnen und Nachbarschaften sei dem seelischen Gleichgewicht zuträglich, erklärte er. Deshalb sei seinem Unternehmen daran gelegen, dass Gespräche und ein schönes Umfeld für mehr Lebensqualität und damit mehr Gesundheit sorgten. Für Gewo-Geschäftsführer Oliver Hanneder bedeutet gut zu wohnen auch ein gutes Leben – deshalb beteilige sich auch die städtische Wohnbau-Tochter am Projekt.
Offene Sprechstunde
Das Angebot ist schon vor der offiziellen Eröffnung an den Start gegangen. Seit Mitte März bietet Koordinatorin Lara Heß montags von 10 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde im Stadtteilbüro West auf dem Berliner Platz an. Mittwochs und donnerstags ist sie zudem von 12 bis 14 Uhr unter der Mobilnummer 0173 3721298 erreichbar. Angestellt ist Heß beim Pfalzklinikum. Ihr Büro hat sie bei der Baugenossenschaft in der Burgstraße.
„Kostenfrei, anonym und spontan können Menschen mit uns sprechen, sich beraten oder an bestehende Fachstellen weitervermitteln lassen“, beschreibt Projektleiterin Ulrike von Haxthausen die Aufgabe in Speyer. Gemeinsam mit ihrer Kollegin will sie seelische Belastungen früher erkennen und damit Therapiechancen verbessern. „Einsamkeit ist ein großes Thema“, hat Heß bereits in den ersten Wochen festgestellt. Der Gesprächsbedarf sei bei Frauen und Männern aller Altersschichten groß. Bei Bedarf besuche sie Anrufer auch direkt zu Hause, betonte die Koordinatorin, die Public Health studiert und bereits viel Erfahrung im Bereich Suchtberatung gesammelt hat.
Durch das Hilfesystem lotsen
Beim neuen Angebot führt sie Erstberatungen durch und verweist die Ratsuchenden je nach Thema und Bedarf an weitere Anlaufstellen. „Ich lotse die Menschen, die sich seelisch belastet fühlen, durch das Hilfesystem. Und falls kein entsprechendes Standard-Angebot existiert, schaue ich, welche anderen Möglichkeiten es gibt“, erklärt Heß.
Aus dem etwas sperrigen Arbeitstitel „Treffpunkt für Prävention, seelische Gesundheit und Selbstfürsorge Speyer-West“ haben die zahlreichen Besucher der Eröffnungsfeier in einer Beteiligungsaktion den neuen Projektnamen „Seelenkompass“ entwickelt – er soll den Weg zur seelischen Gesundheit ebnen.