Speyer Allergien: Die Pollensaison startet

Viele Betroffene: Wenn die ersten Pflanzen blühen, wird die Pollenallergie zum Thema.
Viele Betroffene: Wenn die ersten Pflanzen blühen, wird die Pollenallergie zum Thema.

Mehr als 15 Prozent der Bundesbürger gelten nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes als Pollenallergiker. Seit einigen Tagen liegt in der Vorderpfalz der Blütenstaub von Haselsträuchern und Erlenbäumen in der Luft. Die milden Temperaturen machen’s möglich: Wenn die Nase läuft, muss es sich deshalb nicht um eine Erkältung handeln, betonen Ärzte.

Der Schnupfen ist wässrig, die Augen sind gerötet, der Hals kratzt und es kommt zu Niesattacken. Wer diese typischen Symptome einer Pollenallergie bei sich feststellt und nichts von einer möglichen Überreaktion gegen Blütenstaub weiß, der sollte einen Facharzt für ein Beratungsgespräch und gegebenenfalls einen Allergietest aufsuchen. Dazu rät Dr. Joachim Krekel, Hautarzt und Allergologe in einer Gemeinschaftspraxis im Speyerer Cura-Center.

„Jeder meint doch, er sei nicht allergisch"

Eine steigende Anzahl an Patienten mit einer Pollenallergie haben Krekel und seine Kollegen in den vergangenen Jahren behandelt. Der erfahrene Allergologe geht dennoch von einer „hohen Dunkelziffer“ Betroffener aus. „Viele Leute denken, dass sie bloß erkältet sind, wenn sie einen Schnupfen und Halsschmerzen haben. Jeder meint doch, er sei nicht allergisch“, schildert Krekel einen aus seiner Sicht weit verbreiteten Irrglauben. Dabei könne eine unbehandelte Pollenallergie große gesundheitliche Probleme mit sich bringen, warnt der Facharzt. „Wenn man wegen einer Allergie entzündete Schleimhäute hat, ist man anfälliger für eine Infektion mit Viren, aber auch mit Bakterien“, verdeutlicht Krekel. Bei häufigen Atemwegsinfekten oder beim Auftreten allergietypischer Symptome sollte allein schon deshalb ein Allergietest beim Facharzt gemacht werden, appelliert er an Betroffene. Dafür gibt es den sogenannten Prick-Test. Bei diesem werden potenziell allergieauslösende Stoffe auf die Haut getropft und wird durch den Tropfen in das Gewebe hineingestochen. Eine Überreaktion des Immunsystems zeigt sich dann schon nach wenigen Minuten durch eine Hautrötung.

Experte rät zur genauen Beobachtung der Symptome

Ein Beratungsgespräch und ein zu den Symptomen passender Prick-Test sind auch für Dr. Hartmut Kröhl die ersten Schritte, wenn ein Patient mit Verdacht auf eine Pollenallergie seine Praxis in der Johannesstraße aufsucht. Der Allergologe hat keine klare Tendenz bei der Anzahl Betroffener in den vergangenen Jahren festgestellt. „Die Beschwerden hängen stark von der Intensität des Pollenflugs ab“, weshalb er zur genauen Beobachtung der Symptome rät. Es können bei Beschwerden, die nicht sehr stark sind und nur einige Tage anhalten, auch Medikamente zur Linderung der Symptome wie Augentropfen und Nasensprays ausreichen, sagt Kröhl. Bei gravierenden Einschränkungen rate er jedoch zur „Hyposensibilisierung“. Dabei werden über längere Zeit geringe Mengen des Allergens unter die Patientenhaut gespritzt, um einen Gewöhnungseffekt zu erreichen. „Diese Therapie ist inzwischen sehr differenziert und führt in 60 bis 70 Prozent der Fälle zum Erfolg“, sagt er. Sehr selten seien jedoch auch Nebenwirkungen zu beobachten.

Bis hin zu akuter Atemnot

Die große Gefahr bei unbehandelten Pollenallergien sei langfristig die Entstehung einer Asthma-Erkrankung, betont Kröhl. Von der „Hyposensibilisierung“ ist auch sein Kollege Krekel überzeugt, bezeichnet sie aber anders: „Wir müssen den Etagenwechsel, also den Übergang einer Erkrankung von den oberen Atemwegen auf die Lunge, verhindern. Die spezifische Immuntherapie kann das leisten. Die Kosten dafür übernehmen die Kassen.“ Vereinzelt ist das Leiden so stark, dass Betroffene Hilfe in Krankenhäusern suchen. Während der Pollenflugsaison würden monatlich ein bis drei Patienten vorstellig, berichtet Susanne Liebold, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, für das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus. Bei akuten, starken Symptomen wie Atemnot und allergischem Asthma erfolge eine sofortige ärztliche Behandlung. „Patienten mit leichten bis mittleren Beschwerden übermitteln wir nach der ambulanten Erstversorgung zur Weiterbehandlung an die zuständigen Hausärzte und Allergologen, mit denen wir in sehr gutem Austausch stehen“, sagt Liebold. Bei schwerwiegenden Erkrankungen, insbesondere der Lunge, sei wieder die Klinik im Spiel.

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