Speyer „Über Rückgang der Artenvielfalt besorgt“
Ja. Ich habe den Mitgliedsantrag einer Jungimkerin bearbeitet, die Tagesordnung für unsere nächste Vorstandssitzung vorbereitet und auf unserem Vereinsgelände nach den Bienenvölkern gesehen. Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen? Nachdem ich zusammen mit meiner Frau auf dem Lehrbienenstand des Vereins im Dudenhofener Wald die Grundlagen der Imkerei erlernt hatte, war es mir klar, dass ich im Imkerverein nicht nur nutzniesendes Mitglied sein wollte, sondern mich auch bei praktischen und organisatorischen Aufgaben einbringen wollte. Was fällt für das Amt an – welche Aufgaben, welcher Zeitaufwand? Viel Administratives und praktische Mitwirkung bei der Betreuung der Bienenvölker am Lehrbienenstand. Das sind drei Stunden die Woche, ungleich über das Jahr verteilt. Haben Sie ein besonderes Talent dafür, das gewisse Etwas? Das müssen Sie andere fragen. In welchen Momenten geht Ihnen das Herz auf? Im Frühjahr, wenn ich zum ersten Mal sehe, dass die Bienen wieder aus ihren Stöcken herauskrabbeln und die ersten Flugversuche machen. Wenn ich bei Führungen am Lehrbienenstand oder bei den eigenen Bienenvölkern von den Teilnehmenden, oft Schulklassen oder Kindergartenkinder, höre, dass die Bienen ja so friedlich waren und überhaupt nicht gestochen haben. Wenn ich bei solchen Gelegenheiten, oder bei Infoständen oder unserem Imkerfest vom wunderbaren Leben der Honigbienen und ihren wilden Schwestern, den heimischen Wildbienen, erzählen darf. Unser nächstes Imkerfest ist übrigens am 16. September im Wald zwischen Dudenhofen und Hanhofen. Und wann platzt Ihnen der Kragen? So leicht platzt mir der Kragen nicht, ich habe eine große Kragenweite. Ich ärgere mich aber, wenn Leute den besorgniserregenden Rückgang der Artenvielfalt, besonders bei den Bestäuberinsekten, als ungesicherte Behauptungen oder „fake news“ abtun. Sie tun etwas für andere – wie kann man denn Ihnen helfen? Durch engagierte Berichterstattung zum Rückgang der Arten und zur Belastung der Bienenvölker durch Umweltgifte und durch Verarmung der Blühlandschaften. Durch Mitmachen im Verein und durch Spenden. Und bleibt an den Wochenenden auch Zeit für etwas anderes? Das schon. Im Herbst und Winter, wenn die Bienenvölker möglichst ungestört ruhen sollen, mehr als in der warmen Jahreszeit. Und seit diesem April auf jeden Fall immer, wenn uns unser Enkelkind Rosa ruft. Zur Person Harald Hoffmann, 62, Professor für Anorganische Chemie an der Hochschule Mannheim, seit 2013 als Vorstandsmitglied im Imkerverein Speyer ehrenamtlich tätig. | Interview: Narin Ugrasaner