Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Speyer

Speyerer Brückengeschichten: Kurze Fahrt und lange Wartezeiten

Von Robert Wolf

Ausnahmsweise mal mit überschaubarer Fracht: die Schnellfähre Pfalz zwischen Speyer und dem badischen Rheinufer. (Foto: „Speyer – anno dazumal“, Speyerer Volksbank, 1979)

„Sie ist einmalig auf der ganzen Rheinstrecke.“ So berichtete die RHEINPFALZ über die Autoschnellfähre „Pfalz“. Sie folgte 1950 auf die kleinere „Zonenkattel“. Beide waren im wahrsten Wortsinn dafür zuständig, die Jahre nach Sprengung der ersten festen Rheinüberquerung 1945 zu überbrücken. Die Sperrung der Nachfolgerin Salierbrücke ist Anlass für einen Blick in die Geschichte.

Älteren Speyerern ist sie noch in Erinnerung, die Autoschnellfähre „Pfalz“, die die pfälzische Seite mit dem Badener Land verband. Schon für viele damalige Rentner war der Platz an der Fähre der schönste weit und breit. Es waren mitunter Massen, die zusahen, wie sich der Verkehr auf der Straße staute und sich dann stoßweise über den Rheinstrom ergoss. Nicht wenige gönnten sich für zehn Pfennige eine kurze Rheinfahrt, machten einen Abstecher ins Badische. In sechseinhalb Jahren pausierte die Fähre übrigens nur an 29 Tagen. Wegen Nebel, Hochwasser und wegen Treibeis, das damals gar nicht so selten war.

Die „Pfalz“ war auf die kleineren Modelle „Katharina“ („Zonenkattel“) und „Karl Theodor“ gefolgt, die ab August und Dezember 1948 wieder für eine reguläre Verbindung über den Rhein gesorgt hatten, jedoch zu klein geworden waren. Die Leistungsbilanz der „Pfalz“ lässt erahnen, warum: Sie beförderte insgesamt 2.000.612 Fußgänger, 1.468.209 Radfahrer, 447.429 Motorradfahrer, 1.032.454 Personenwagen, 328.242 Lastwagen, 59.772 Omnibusse und 1580 Fuhrwerke.

Fähre im Sommer täglich 20 Stunden im Einsatz

Dass die Fähre „Pfalz“ diese Mengen verkraftete, war nicht zuletzt das Verdienst der Besatzung, die ihren 20-Stunden-Tag in drei Schichten absolvierte: der Fährführer, der Kassierer, ein Matrose, ein Maschinist, ein Nachtwächter und an beiden Ufern je fünf Schrankenwärter. Bei Wind und Wetter waren diese Männer auf dem Posten – im Sommer täglich 20, im Winterhalbjahr bis zu 18 Stunden. Eine Fahrt über die 225 Meter dauerte eineinhalb bis zwei Minuten. Die beiden Deutz-Dieselmotoren schluckten täglich rund 300 Liter Kraftstoff.

Rekorde gab es auch. Bei den Renntagen auf dem Hockenheimring und während der Pfingsttage 1956. Doch dank des eingespielten Personals gab es keine Zwischenfälle. Für die Verkehrsregelung an Land sorgte übrigens die Wasserschutzpolizei Mannheim. Mehr als 12.000 Kraftfahrzeuge, 5000 Fußgänger und 6300 Radfahrer wurden an jeweils einem Feiertag über den Rhein befördert. Besonders auffallend waren, so hieß es in einer Pressemitteilung, die aus dem Saarland angereisten Motorradfahrer. Auf badischer Seite gab es am Pfingstmontag stundenlange Wartezeiten.

"Schnellste Fahrt auf dem gesamten Rheinstrom"

Der Stapellauf der Fähre fand im Werfthafen von Oberwinter statt. Mit dabei waren unter anderem Speyers Oberbürgermeister Paulus Skopp und eine Delegation aus Speyerer Bürgern. Die „Pfalz“ war rheinauf, rheinab das erste Schiff ohne Ruder und Schraube. Jedoch: Der Wunsch des Werftvertreters, dass die Fähre so alt werden möge wie der Dom, löste bei den Speyerern einen Schrecken aus. Eine feste Rheinbrücke wäre allen lieber gewesen, „als die schnellste Fähre auf dem ganzen Rheinstrom“. Am 12. Februar 1950, 15 Uhr, legte sie bei Rheinkilometer 400 in Speyer an – begrüßt von Schülern, die mit rot-weißen Fähnchen winkten und dafür mit Brezeln belohnt wurden.

Die „Pfalz“ kostete 132 000 D-Mark. Hinzu kam rund eine halbe Million Mark für die Schaffung der Zufahrtsrampen. Die Omnibusse im Linienverkehr Speyer-Heidelberg hatten unbedingtes Vorfahrtsrecht. Andere Benutzer, die es ebenfalls eilig hatten, reagierten mitunter ungehalten. Am 19. November 1956 übergab Bundesverkehrsminister Christoph Seebohm die neue Rheinbrücke dem Verkehr. Damit erübrigte sich die Fähre. Am 27. März 1957 stand in der RHEINPFALZ, dass die „Pfalz“ nach Rees verkauft wurde. Das Fährschiff setzte dort als „Stadt Rees“ zwischen Duisburg und den Niederlanden über den dort 370 Meter breiten Strom. Zeitweise am Steuer: der bereits in Speyer bewährte Schiffsführer Sebastian Brech.

Speyer-Ticker