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Dienstag, 19. November 2019 Drucken

Speyer

Speyerer „Brotpurist“ Sebastian Däuwel über seine Krebserkrankung: „Ich bin ein Kämpfertyp“

Von Patrick Seiler

Werbung für Benefizaktion: Sebastian Däuwel (hintere Reihe, Zweiter von links) und seine Kollegen mit den Mützen.

Werbung für Benefizaktion: Sebastian Däuwel (hintere Reihe, Zweiter von links) und seine Kollegen mit den Mützen. (Foto: Brotpuristen)

Sebastian Däuwel ist in Speyer als „Brotpurist“ bekannt geworden. Seit 2016 ist er als Quereinsteiger mit seiner Bäckerei für „ursprüngliches Brot“ durchgestartet – und dann der Schock: Der 36-Jährige ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Seinen Kampf dagegen verbindet er jetzt mit einer Benefizaktion.

„Das zieht dir erst mal den Boden unter den Füßen weg.“ Mit diesen Worten beschreibt Sebastian Däuwel seine Gefühle nach der Diagnose Mitte Juli. Zahlreiche Speyerer, die den jungen Mann als Geschäftsmann oder als Tennisspieler beim TC Schwarz-Weiß kennen, wundern sich nicht, wie schnell er danach in den positiven Modus gewechselt ist: „Ich bin ein Kämpfertyp, ich will mich nicht eingraben.“ Zwar musste er sich danach aus der Backstube relativ schnell zurückziehen, weil eine kräftezehrende Chemotherapie begann, aber für sein Unternehmen, das in den vergangenen Monaten weiter gewachsen ist, war er durchweg auch im Hintergrund aktiv.

„Es ist auch eine Ablenkung“, erläutert Däuwel seinen beruflichen Einsatz. Er weiß mit Freundin Tamara und den weiteren Mitarbeitern ein Team um sich, auf das er sich verlassen kann. 2016 war er aus einer Festanstellung als Betriebswirt das Risiko eingegangen, sich in einer neuen Branche selbstständig zu machen. Seitdem haben die „Brotpuristen“ eine beispiellose Entwicklung genommen, sind von zunächst zwei auf 15 Mitarbeiter gewachsen, vom Bahnhof in die Auestraße umgezogen, wo das Kundeninteresse ebenso wie bei den Stationen ihres „Brottrucks“ so groß ist, dass dringend zur Vorbestellung geraten wird.

Blick auf Wahrscheinlichkeiten

„Ich habe Riesenlust, wieder mitanzupacken und im nächsten Mai Tennis-Medenrunde zu spielen“, betont Däuwel. Seine Hoffnung ist die hohe Heilungschance von 90 Prozent, die es bei „Morbus Hodgkin“ gibt: „Ich bin ein Zahlenmensch“, sagt er mit nüchternem Blick auf Wahrscheinlichkeiten. Fünf von sechs geplanten Chemotherapie-Zyklen habe er hinter sich. Am Dienstag ging es für ihn wieder in die onkologische Schwerpunktpraxis in der Hilgardstraße. Zwei Tage davor hat er ein siebenminütiges Video online gestellt, in dem er über die Krankheit spricht. „Auch um Gerüchten entgegenzuwirken“, sagt er. „Außerdem stehen die Brotpuristen für Transparenz.“

Däuwel wäre nicht Däuwel, wenn er das nur im Eigeninteresse machen würde. „Ich will mich nicht zu sehr in den Vordergrund rücken“, betont der 36-Jährige. Aber zum einen könne er andere Betroffene ermutigen, zum anderen könne er helfen. Im Schwerpunkt seines Videos steht daher eine Benefizaktion: Die Brotpuristen verkaufen – vom Chef wegen des Chemo-bedingten Haarausfalls derzeit besonders geliebte – Baseball-Käppis mit dem Firmenaufdruck für 25 Euro, von denen die über den Einstandspreis hinausgehenden 10 Euro an die Deutsche Krebshilfe gespendet werden.

Die Speyerer Zuber-Stickerei habe ihn dabei unterstützt, auch andere Firmen hätten Interesse, so Däuwel. „Daraus könnte sich eine Speyerer Spendenaktion gegen Krebs entwickeln.“ Als Nächstes werde ein Sparschwein im Geschäft aufgestellt – das habe einer der ersten Mutmacher in Reaktion auf seinen Video-Post empfohlen. Dass eine niedersächsische Holzofen-Bäckerei zehn Mützen bestellt habe, sei nur ein Beispiel für den vielen Zuspruch.

Freude auf den Gründerpreis

Ein großer Tag für Sebastian Däuwel und sein Team soll der kommende Dienstag sein. Dann fahren sie alle zusammen in die Landeshauptstadt Mainz, wo die Brotpuristen unter die besten Drei beim rheinland-pfälzischen Gründerpreis „Pioniergeist“ gekommen sind. Vielleicht gibt es dort für sie sogar den mit 15.000 Euro dotierten ersten Preis. Fast hätte der Geschäftsführer die Teilnahme an der Ehrung verpasst, denn es stand wieder einmal eine Chemotherapie-Woche im Kalender. Kämpfer Däuwel ist seinem Arzt Dr. Lars Scheuer nicht nur dafür dankbar, dass er die Behandlung verschoben hat, sondern auch dafür, mit welchen Worten er es getan hat: „Damit ich nach Mainz fahren und mir diesen Preis holen kann.“ |pse

 

Kontakt

Die Mützen für den guten Zweck können im Onlineshop shop.diebrotpuristen.de bestellt werden. Möglich sind Postversand oder Abholung bei den Brotpuristen, Auestraße 31. Infos auch unter www.charitycap.de. Das Video gibt es auf der Facebook-Seite der Brotpuristen.

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