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Mittwoch, 02. November 2016 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Musikalische Ökumene

Vorletztes Konzert beim Reger-Orgelzyklus im Dom zu Speyer – Martin Welzel mit höchst reizvollem Programm in klanglich ausgefeilten Wiedergaben

Von Karl Georg Berg

 

Einen Tag und ein Jahr vor dem auch musikalisch relevanten Jubiläum 500 Jahre Reformation startete gleichsam auch die Speyerer Dommusik in das Gedenkjahr, war doch Max Regers Choralfantasie „Ein feste Burg“ das Hauptwerk im Programm des Münchner Konzertorganisten Martin Welzel an der großen Orgel im Dom. Der international renommierte Virtuose bot ein höchst reizvolles Programm in klanglich ausgefeilten Wiedergaben.

 

Der Oberpfälzer Reger war katholisch, schrieb aber sehr viel Musik unter sozusagen protestantischen Vorzeichen und steht damit für eine musikalische Ökumene von vor über 100 Jahren. Gerade seine Choralfantasien, die ja mit Recht im Blickpunkt des Speyerer Orgelzyklus im Reger-Jahr zu dessen 100. Todestag stehen, gehören neben Bachs Choralkantaten und Orgelvorspielen sowie einigen Werken Mendelssohn Bartholdys zu den wichtigsten Werken über den von Luther begründeten protestantischen Kirchenchoral.

Sinnigerweise ist die Fantasie zu Luthers Choral „Ein feste Burg“ op. 27 der Erstling der Reihe und eines der ersten gewichtigen Werke des Komponisten überhaupt. Welzel spielte es in sicherer Disposition, klanglich vielgestaltig, ruhig im Zeitmaß und konsequent im Aufbau. Sehr differenziert war in seiner Deutung das Verhältnis von Choral-Cantus-Firmus und den figurativen Stimmen gestaltet.

Im weiteren Verlauf seines klugen und hochinteressanten Programms spielte Welzel noch andere Stücke zu Kirchenliedern, freilich solche des 20. Jahrhunderts, bei denen der englische Choral und die amerikanische Bearbeitung hierzulande eher wenig bekannt sind. Das gilt für das elegische Lamento von George Baker über ein Lied von Herbert Howells oder Gerre Hancocks „Prelude and Fugue on Union Seminary“. In beiden Fällen gelangen dem Organisten überaus eindrückliche Wiedergaben, die der Musik an formaler Durchdringung, Aura und klanglicher Profilierung nichts schuldig blieben.

Nicht choralbezogen, aber selbstverständlich eng verbunden mit Reger als ein ultimatives Vorbild polyphoner Kunst ist das sechsstimmige Ricercar aus Bachs „Musikalischem Opfer“. Welzel spielte eine Orgelversion von Jean Guillou, die als grandiose dynamische Steigerung angelegt ist und deren packende Wirkung der Interpret voll auskostete.

Einen anderen dynamischen Verlauf hat Frank Bridges Adagio in E-Dur, das leise beginnt, dann an Ton zunimmt, um wieder zart auszuklingen. Welzel faszinierte bei diesem wundervollen Stück durch die ausdrucksvolle innere Bewegung und den Klangzauber seines Orgelspiels. Zum 25. Todestag von Jean Langlais spielte Welzel „Thème et Variations“ aus der „Hommage à Frescobaldi“ als schillerndes Farbenspiel, ehe er in der virtuosen Toccata von Simon Preston noch einmal die Möglichkeiten der Domorgel und seine eigene Virtuosität mit großer Überzeugungskraft optimal einsetzte. Viel Beifall für eine Stunde eindrucksvoller Orgelkunst.

Die berühmteste der Choralfantasien Regers, die zu „Wachet auf“, beschließt den Zyklus am 19. November, dann spielt Dominique Sauer.

 

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