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Donnerstag, 18. Oktober 2018 Drucken

Speyer

„Inklusion bleibt keine Illusion“

Interview: Verena Bentele gestern Gast bei Deutscher Rentenversicherung

Hat gestern bei der DRV gesprochen: Verena Bentele.

Hat gestern bei der DRV gesprochen: Verena Bentele. ( Foto: DRV/FREI)

Verena Bentele zählt zu den erfolgreichsten Wintersportlern der Welt. Die blind geborene Biathlon- und Skilangläuferin hat zwölf paralympische Goldmedaillen gewonnen, Berge bezwungen. Sie fährt Radrennen, ist mehrfache Weltmeisterin, politisch aktiv und seit Mai Präsidentin des Sozialverbandes VDK. Gestern hat die 36-Jährige in Speyer einen Vortrag bei der Inklusionsveranstaltung der Deutschen Rentenversicherung gehalten. Ellen Korelus-Bruder hat danach mit ihr gesprochen.

Frau Bentele, am Sonntag haben Sie am München-Marathon teilgenommen. Haben Sie sich inzwischen davon schon erholt?

Ja klar. Zumal ich mit drei Stunden, 59 Minuten mein Ziel erreicht habe, unter vier Stunden zu bleiben. Mein Begleiter hat mir sämtliche Wahlplakate vorgelesen. Das war informativ und eine gute Beschäftigung für den Kopf beim Laufen. Spaß, Durchhaltevermögen und Leidenschaft sind gute Voraussetzungen für Langstrecken.

 

Ist der Weg zur Inklusion auch ein Marathon?

Das schon. Aber für mich bleibt Inklusion keine Illusion. Als Sportlerin und Unterstützungsbedarf-Profi weiß ich, dass Ziele nur zusammen erreicht werden können. Im Sport und im Leben.

 

Eines Ihrer Bücher trägt den Titel „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“ Gilt das auch für Behindertenpolitik?

Natürlich sind Strukturen wichtig. Aber ohne Vertrauen wird es auch in der Politik schwierig, Hindernisse zu überwinden.

 

Haben Ihnen Ihre sportlichen Erfolge auch in Ihrer politischen Arbeit geholfen?

Ganz bestimmt. Ich bin es von klein auf gewohnt, Teil eines Teams zu sein. Ich weiß, wie es sich anfühlt, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Aber auch, dass es den nächsten Wettkampf geben wird. Unter neuen Bedingungen.

 

Welche Bedeutung haben Behindertenbeauftragte wie die beiden in Speyer für die Entwicklung von Städten und Gemeinden?

Es ist super, dass es inzwischen überall in Deutschland Behindertenbeauftragte gibt. Als Schnittstelle zwischen Politik und Gesellschaft erhalten sie mehr Einblick in Zukunftsplanungen und können auf Barrieren hinweisen, die in vielen Bereichen bestehen.

 

Wie sieht die Gesellschaft aus, die Sie sich wünschen ?

Für mich ist es wichtig, dass jeder – ob behindert oder nicht – akzeptiert und respektiert wird, dass jeder die richtige Unterstützung für sich erhält. Dafür müssen aber auch die Leistungsträger besser zusammenarbeiten. Das Gemeinsame sollte immer im Vordergrund stehen, nicht das Trennende.

Zur Person

Verena Bentele ist 1982 in Lindau am Bodensee zur Welt gekommen. Die Wahlmünchnerin gewann mit 16 Jahren ihre erste olympische Goldmedaille. Nach den Paralympics im Jahr 2010 in Kanada wurde sie mit dem „Bambi“ ausgezeichnet. 2011 hat sie ihr Studium der Literaturwissenschaften erfolgreich abgeschlossen. Seit 2012 betätigt sich Bentele politisch in der SPD. Von 2014 bis 2018 war sie die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, aktuell ist sie Präsidentin des Sozialverbands VDK. |kya

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