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Montag, 17. Juni 2019 Drucken

Speyer

Helmut Kohls Grab: Bescheiden mit Denkmalcharakter

Von Ellen Korelus-Bruder

Gemeinsames Gedenken gestern am Grab von Alt-Kanzler Helmut Kohl: Maike Kohl-Richter (Mitte) mit (von links): OB Stefanie Seiler, Dekan Karl Jung, Ex-OB Werner Schineller, Gattin Roswitha, CDU-MdL Michael Wagner und CDU-Fraktionschef Axel Wilke.

Gemeinsames Gedenken gestern am Grab von Alt-Kanzler Helmut Kohl: Maike Kohl-Richter (Mitte) mit (von links): OB Stefanie Seiler, Dekan Karl Jung, Ex-OB Werner Schineller, Gattin Roswitha, CDU-MdL Michael Wagner und CDU-Fraktionschef Axel Wilke. ( Foto: Lenz)

Helmut Kohl ist am 16. Juni 2017 gestorben. Seine letzte Ruhestätte hat der CDU-Altbundeskanzler und erste Ehrenbürger Europas am Rand des Adenauerparks gefunden. Am Grab haben seiner am Sonntagvormittag seine Witwe Maike Kohl-Richter, Parteifreunde und Weggefährten gedacht. Drei Speyerer Oberbürgermeister waren dabei.

„In Liebe Deine Maike“: Kohl-Richter bringt rote Rosen zum Grab. Sie bittet die Umstehenden, ihr einen Moment der Ruhe zu gönnen. Aus der angrenzenden St.-Bernhard-Kirche wehen Orgelklänge herüber. „Ich liebe diesen Platz“, sagt Kohl-Richter der RHEINPFALZ. Stille, Vogelgezwitscher, Kirchenmusik und leise menschliche Stimmen ergäben für sie eine einzigartige Atmosphäre. „Sie ist stimmig für meinen Mann, von dem auch stets Frieden ausgegangen ist.“

Am zweiten Todestag Kohls wünscht sich seine Witwe, „dass alle Menschen hierher kommen und ihren Frieden mit meinem Mann machen.“ Sie vermisse ihn jeden Tag mehr, beschreibt Kohl-Richter ihre Gefühle „an diesem schweren Tag“.

Grab soll für die nächsten Jahre so bleiben

Jedes Detail des Kohl-Grabs hat Kohl-Richter ausgesucht und von örtlichen Handwerkern „mit gutem Gespür“ nach ihren Vorstellungen anfertigen lassen. Die Auswahl des pfälzischen Buntsandsteins habe sie im Haardter Steinbruch getroffen, berichtet sie von der langen Suche nach der perfekten Maserung des Materials, aus dem schon der Dom gebaut wurde. „Ich bin sehr glücklich, dass ich den Stein rechtzeitig gefunden habe“, sagt die Witwe. Das Material für das Grabkreuz stamme aus Kirschbaumholz, wie der Esstisch im Ludwigshafener Zuhause, erzählt Kohl-Richter. „Der Sockel ist aus einem deutsch-deutschen Grenzzaun gearbeitet, der auf dem katholischen Eichsfeld gestanden hat.“ Für die nächsten Jahre bleibe die Grabgestaltung wie sie heute ist, betont Kohl-Richter. „Ich warte ab, wie sich Stein, Park und Umgebung entwickeln.“

„Kein einziger Promi da.“ Eine Frau schaut sich enttäuscht um. Ein Mann behauptet, Alt-Bundespräsident Christian Wulff sei auf dem Weg nach Speyer. Außer ihm weiß niemand etwas davon.

Der Speyerer CDU-Landtagsabgeordnete Michael Wagner ist eingetroffen. Kohls Witwe rückt seine Krawatte zurecht, und begrüßt die CDU-Alt-Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Werner Schineller. Kränze des Bundespräsidenten, von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, der Stadt Frankfurt, deren Ehrenbürger Kohl war, und der Speyerer CDU sind drapiert. Kohl-Richter stellt ein vor der Umzäunung des Kohl-Grabs abgelegtes kleines Gerbera-Sträußchen und eine brennende Kerze dazu.

„Die Speyerer CDU hat ihren Kranz bewusst in Weiß gehalten“, betont Wagner und spielt damit auf die Hoffnung der Christen auf Auferstehung an. „Das Grab ist traumhaft schön geworden“, schwärmt er von der Gestaltung Kohl-Richters. Die zahlreich vertretenen CDU-Stadträte stimmen ihm zu.

Grabgestaltung eine Herausforderung

Die Herausforderung, ein bescheidenes Grab mit Denkmalcharakter zu kreieren, habe sie angenommen und wolle sie weiterentwickeln, erklärt Kohl-Richter. „Haben Sie keine Angst. Auch nicht vor mir“, regt sie die Umstehenden an, zum Gedenken näher an den üblicherweise verschlossenen Zaun heran zu treten, der zum Anlass geöffnet worden ist. Auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) zollt dem Verstorbenen Respekt.

Karl Jung, Dekan der Mannheimer Jesuitenkirche, betet gemeinsam mit den Besuchern das „Vaterunser“ und segnet die letzte Ruhestätte des „großen Staatsmannes“.

„Nehmen Sie etwas von der Liebe und dem Versöhnungsgedanken mit nach Hause. Das hat meinen Mann ausgemacht“, appelliert Kohls Witwe an die Umstehenden. In der Friedenskirche St.-Bernhard singen Gläubige zum Gottesdienst-Abschluss. Die Glocken läuten. 

 

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