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Donnerstag, 02. April 2015 Drucken

Speyer Land

Go Trabi, go

Martin Heinz repariert Trabanten und andere Autos aus dem Osten – Er mag das Fahrgefühl des DDR-Autos

Von Reinhold Horländer

 

Das erste Auto von Martin Heinz war ein Trabant, Baujahr 1989, für 1000 Euro. Irgendwann gab er ihn in andere Hände, fuhr Mercedes, Audi, Lada, Cadillac, Opel, einen Golf, Ford Pick-up. Dann kaufte er „seinen Trabi“ nach drei Jahren zurück. Er fährt ihn heute noch.

 

 

Mittlerweile hat Martin Heinz in seinem Hof in Harthausen 17 Trabis stehen. Mit seiner Verlobten Anne Thilo zog der 23-Jährige vor zwei Jahren von Mannheim nach Harthausen und eröffnete Anfang Dezember 2013 in der Speyerer Straße eine Kfz-Werkstatt und gründete die Firma IFA-Service Heinz mit dem Schwerpunkt „Ost-Autos“.

Aufgewachsen ist Martin Heinz in Germersheim, ging dort aufs Gymnasium. Mit der Ausbildung zum Lokführer verwirklichte er sich einen Jugendtraum. Mittlerweile arbeitet Heinz beim Sicherheitsdienst der BASF und betreibt die Auto-Werkstatt im Nebenerwerb. In Harthausen landete er zufällig, als er zur Umsetzung der Idee vom eigenen Betrieb ein entsprechendes Grundstück, Haus mit Scheune und einen Hof suchte.

Warum ausgerechnet Trabi? Heinz zuckt mit der Schulter, weiß keine Erklärung, nennt es „Fügung“: „Ich hatte bis dahin keinen gesehen, bin in keinem gesessen, hatte zu der Marke keinen Bezug.“ An das erste Auto kam er über einen Bekannten, der einen Bekannten ...

Die Eltern hatten ihm mit 16 einen Golf schenken wollen. Bereut hat er den „Tausch“ nicht: „Es war toll, spaßig, ich fuhr mit einem Dauergrinsen durch die Gegend.“ Auch weil der Trabi niemanden kalt lasse und bei anderen Leuten und anderen Verkehrsteilnehmern positive Emotionen wecke. Heinz: „Man wird beachtet, sie hupen, winken, sprechen mich auf den Wagen an.“

Im Mercedes, Audi und anderen Wagen vermisst er das „Fahrgefühl“: „Man bekommt keine Rückmeldung, zum Beispiel zur Bodenbeschaffenheit der Straße, Geschwindigkeit, wie und woher der Wind weht.“ Dinge, die im Trabant „sehr deutlich zu merken sind“.

IFA (Industrieverband Fahrzeugbau der DDR) stehe nicht nur für die Restauration und Reparatur von Trabanten, Wartburgs, Ladas, Skodas („die alten“), Simson-Motorrädern, Wohnwagen und Anhängern. Heinz: „Es ist ein allgemeiner Kfz-Service für Kunden aller Fahrzeuge, ob Traktor oder Jaguar.“ Umgekehrt würden Ost-Autos mit ihrer simplen Technik („die man zur Fehlersuche nicht einfach an den Elektronik-Computer anschließen kann“) von den meisten Werkstätten nicht angenommen, berichtet er.

Wichtig sei ihm die „Kundenbindung zum fairen, bezahlbaren Preis“, sagt Heinz. Den Kfz-Meisterbrief hat Heinz nicht. Würde der zur Abnahme seiner Arbeit benötigt, arbeite er mit einem Betrieb in Germersheim zusammen, bei Unfallautos mit Gutachtern und Anwälten, sagt er: „Ich berate und unterstütze den Kunden bei der gesamten Abwicklung.“ Heinz kauft Autos an und verkauft sie. Da er seines Wissens der einzige in der Gegend ist, der sich auf den Trabant spezialisierte, kämen die Anfragen aus der gesamten Region, Worms, Mannheim, Neustadt, Landau: „Es spricht sich herum.“

Der Trabi soll noch lange sein Standbein bleiben. Deshalb schafft er an Ersatzteilen ran, „was es gibt“. Verschleißanfällige Teile würden noch in Ungarn produziert. Nur „in minderer Qualität“. Heinz vermietet die Trabis auch: „Bei Hochzeiten, Junggesellenabschieden, nur mal so für einen Tag.“ Und ein in Schifferstadt ansässiger Partner steuere Miet-Oldtimer sämtlicher Couleur bei.

 

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