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Freitag, 09. Dezember 2016 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Der Stoff, aus dem die Rätsel sind

Auf Purrmanns Spuren (1): Künstlerin Mona Ardeleanu aus Stuttgart will mit surrealen Objekten zur freien Interpretation anregen

Von Claudia Stamatelatos

 

Gefältelt, gerafft, gespannt – verschlungen, verschnürt, verdreht: Aus Stoff, Pelz und Haar formt Mona Ardeleanu vieldeutige Fantasieobjekte. Doch Ardeleanu ist keine Bildhauerin, sondern Malerin. Sie steht im Finale um den Speyerer Hans-Purrmann-Förderpreis für Bildende Kunst 2017.

 

In ihren Studienjahren in Stuttgart, Wien und München bei Alexander Roob, Daniel Richter und Karin Kneffel kam die 1984 in Lörrach geborene und in Stuttgart lebende Künstlerin vom Comic- und Graffitizeichnen über wild komponierte Riesenbilder auf altmeisterlich gemalte, surreale Stoffobjekte. Insekten, Kokons, Körperteile, Frauenköpfe, Nester oder Blüten: Ardeleanus rätselhafte Konstruktionen stiften zu vielfältigen Assoziationen an.

Auch die Bildtitel lassen gedanklichen Spielraum zu: Sie bezeichnen entweder die Qualität der abgebildeten Materialien („Fold“, „Drape“) oder sind als sprachliche Analogie zur bildlichen Kreativität zu verstehen („Zirkler“, „Zwirbel“, „Dreidel“). Die Malerin, die es schätzt, dass sie ihr Motiv in einer unerschöpflichen Variationsvielfalt umformen und kombinieren kann, will den Betrachter zur freien Interpretation einladen. „Ich definiere nichts“, sagt sie. Sehr genau definiert sind dagegen die stofflichen Eigenschaften ihrer Objekte, die sie vor einem scheinbar unendlichen Raum schweben lässt. Glänzende Stoffe mit blumigen oder geometrischen Mustern, transparenter Tüll, Pelz- und Haarstrukturen sind illusionistisch gemalt und werden zu irrationalen Konstrukten gefaltet und geballt. Manchmal dehnen sich die Stoffe auch über die ganze Leinwand aus und bilden eine von Knicken und Falten durchzogene Landschaft, die der Glätte der Leinwand entgegenläuft und sich endlos auszudehnen scheint.

Ardeleanu arbeitet immer in Serien, denn die aufwendige Prozedur der Ölmalerei in dünnen Schichten erfordert Malpausen für das einzelne Bild. Die Arbeit an mehreren Bildern bewirkt aber auch eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen den parallel entstehenden Werken. Schon für das Anlegen der Hintergründe benötigt die Künstlerin oft Wochen. Nach intensiven Vorstudien mit Aquarellfarbe beginnt dann die eigentliche Erfindung der Motive auf der Leinwand.

 

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