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Dienstag, 18. Dezember 2018 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Dem Zucker entsagen

Satirische Weihnachten mit dem Kabarett Die Buschtrommel im Zimmertheater in Speyer

Von Antonia Kurz

Das Kabarett „Die Buschtrommel“ im Zimmertheater: Andreas Breiing und Britta von Anklang feiern satirische Weihnachten.

Das Kabarett „Die Buschtrommel“ im Zimmertheater: Andreas Breiing und Britta von Anklang feiern satirische Weihnachten. ( Foto: Lenz)

„Gott, der sandte seinen Sohn noch nackt und arm und ohne Smartphone“ – das Kabarettduo „Die Buschtrommel“ aus Münster ließ nichts anbrennen, um den Zuschauern am Samstag und Sonntag im Zimmertheater in Speyer eine satirische Weihnacht zu bescheren. Das war in den meisten Fällen sehr, sehr lustig.

Auch der Himmel leidet unter dem Klimawandel. Ständig müssen Engel Ela und Engel Daniel den Fein- und Brautkohlestaub wegputzen.

Aber los geht der zweistündige Abend mit einer sehr frechen Performance des Jesuskindes, das nur Milch bekommt, obwohl es seit 2018 Jahren laktoseintolerant ist.

Britta von Anklang und Andreas Breiing feiern ein böses Weihnachten. Manchmal stehen sie zu zweit auf der Bühne, dann wieder einzeln, um ihre Szenen zu spielen. Dabei kommt es zu einem Rundumschlag von der Tagespolitik bis zu Szenen einer Familienfeier. Politisch korrekt geht es da nicht zu: „Negerkuss darf man nicht mehr sagen. Das heißt jetzt Negerknutscher.“ Engel Daniel ist „seit über acht Stunden komplett vegan“, wie er stolz verkündet. Salz gab es auch nicht. Dann dreht er durch und verlangt eine Bifi vom Publikum. „Darf ich deinen Schweiß ablecken?“, fragt er verzweifelt einen Mann im Publikum.

Es geht kreuz und quer. Amazon hat im Himmel zwischendurch die Kontrolle übernommen. Breiing mimt einen Mafiaboss, der am Telefon Menschen dazu bringt, Dinge zu bestellen: „Noch kannst du Weihnachten mit deiner gesamten Familie feiern.“ Ein Rentier beschwert sich über unterbezahlte Ryanair-Piloten und DHL-Mitarbeiter, mit denen es beim Geschenkeaustragen im Weltall und Himmel kollidiert. „Putin hat einen Wunschzettel geschickt“, sagt Britta von Anklang, „wenn man ihm nicht bestätigt, dass er ein lupenreiner Demokrat ist, führt er Russisch überall als Amtssprache ein.“ Die beste Szene aber ist, als Breiing einen US-amerikanischer Prediger spielt, der das Publikum dazu bringen möchte, „dem Zucker abzuschwören“. Er fuchtelt dabei mit einem Weihnachtsmann aus Schokolade herum und warnt vor Bäckereifachverkäuferinnen und Kaffeekränzchen. „Lacht nicht“, droht er.

Es wird gesungen, mit und ohne Zuschauer, zum Beispiel über die „kilobringende Weihnachtszeit“. Doch gute Vorsätze werden auch sofort wieder gebrochen, als die Künstler Plätzchen und Kekse verteilen.

Nur einmal gehen die „Buschtrommel“ zu weit, wenn sie Hitler wiederauferstehen lassen, der dann wegen einer Resozialisierungstherapie wieder im Himmel ist.

Lustig wird es wieder, als sich Kabarettist Breiing als Opa Zitzewitz am Weihnachtsabend betrinkt und schließlich so besoffen ist, dass er das Bier anstatt ins Glas von einer Flasche in die andere schüttet.

Und was wäre ein Kabarett ohne einen Abschlusswitz? „Wenn euch das Programm gefallen hat, empfehlt uns weiter. Wenn nicht, mein Nase ist Uschi Glas“, verabschiedet sich die Künstlerin.

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