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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Speyer

Brände und Bagatellen

Die Feuerwehr Speyer wurde 2018 zu fast 800 Einsätzen gerufen – ein neuer Rekord. Verantwortliche sehen strukturelle und gesetzliche Ursachen für den Anstieg, lediglich im Kerngebiet Feuerbekämpfung sind die Zahlen rückläufig.

Von Nils Henke

Brandmelder verhindert Schlimmeres: Feuerwehreinsatz in der Paulstraße.

Brandmelder verhindert Schlimmeres: Feuerwehreinsatz in der Paulstraße. ( Foto: Lenz)

Zu 799 Einsätzen musste die Feuerwehr der Stadt Speyer im vergangenen Jahr ausrücken. Im Jahr 2017 waren es 690 Einsätze gewesen. Dies teilten Stadtfeuerwehrinspekteur Michael Hopp und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) am Mittwoch bei der Präsentation der Einsatzstatistik 2018 mit.

„Wir befinden uns bei der Feuerwehr Speyer in einem Generationenwechsel“, sagte Hopp. Auf 110 Freiwillige kämen zur Zeit 33 hauptamtliche Einsatzkräfte, Anfang April soll sich deren Anzahl auf 40 erhöhen. Im Feuerwehrbedarfsplan war 2014 beschlossen worden, dass die Feuerwehr Speyer ihr Schutzziel künftig mit einer Mischung aus haupt- und ehrenamtlichen Kräften erreichen soll. Die festen Kräfte sollen den „Grundstock bei zeitkritischen Einsätzen bilden“ und ihre ehrenamtlichen Kollegen entlasten. Dazu gehört auch die Wartung und Pflege der Fahrzeuge und Geräte. Zudem könnten sie Leistungen für andere städtische Dienststellen erbringen, etwa Schulungen oder die Wartung von Feuerlöschern.

Die Umstrukturierung spiegelt sich laut Hopp auch in der Einsatzstatistik wider. Wurde die Feuerwehr 2017 noch zu 292 technischen Hilfeleistung gerufen, hat sich die Anzahl derartiger Einsätze 2018 auf 408 erhöht. In diesen Bereich fallen die Bergung von Personen und Tieren in Notlagen, komplizierte Patiententransporte oder die Räumung von Gefahrstoffen. Den Anstieg erklärt der Stadtfeuerwehrinspekteur durch die Tatsache, dass die Feuerwehr nun verstärkt auch als Dienstleister der Stadt auftritt, also Einsätze übernimmt, für die keine Alarmierung ehrenamtlicher Feuerwehrleute notwendig sei.

Auch die Anzahl der Fehlalarme habe sich im vergangenen Jahr von 181 auf 208 Einsätze erhöht. Dies hat laut Hopp sowohl strukturelle als auch gesetzliche Ursachen. So habe Ende Mai 2018 die Integrierte Leitstelle Ludwigshafen den Betrieb aufgenommen. Seitdem gehen alle Notrufe dort ein und werden „weitgehend unreflektiert“ an die Feuerwehr Speyer weitergegeben, was „offensichtlich zu einer Zunahme von Bagatelleinsätzen und Fehlalarmen in gutem Glauben geführt hat“, wie es im Jahresbericht heißt.

Der Löwenanteil der Fehlalarme geht laut dem Bericht auf automatische Meldeanlagen zurück, die in 117 Objekten im Stadtgebiet in Betrieb seien. Solche Anlagen bestünden in Speyer aus bis zu 40.000 einzelnen Brandmeldern, daher führe auch eine geringe Fehlerquote zu regelmäßigen Fehlalarmen. Laut Hopp sei die Feuerwehr trotzdem „hochzufrieden mit den gesetzlichen Vorschriften“. So konnten 2018 durch die Anlagen sechs Brände frühzeitig erkannt und größerer Schaden verhindert werden.

Bei der Umstellung auf das Mischsystem beim Personal sei Fingerspitzengefühl gefragt, erklärt Hopp. „Ein Feuerwehrmann will immer gewinnen. Er möchte eine Gefahr bekämpfen und Menschenleben retten.“ Der Eindruck, die freiwilligen Helfer seien nur „zweite Gewinner“, sei daher unbedingt zu vermeiden. „Wir bleiben eine freiwillige Feuerwehr, die durch hauptamtliche Kräfte verstärkt wird“, stellten sowohl Hopp als auch Oberbürgermeisterin Seiler mehrfach klar.

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