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Freitag, 11. Januar 2019 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Aus der Seele spielen

Der weltberühmte Klezmer-Klarinettist Giora Feidman mit seinem Sextett in der Dreifaltigkeitskirche

Von Monika Neustädter

„Musik ist die Sprache aller Menschen und verbindet sie“, sagt Giora Feidman. In diesem Geist spielte er in Speyer, wo er regelmäßig konzertiert. Im Hintergrund der Perkussionist Murat Coscun.

„Musik ist die Sprache aller Menschen und verbindet sie“, sagt Giora Feidman. In diesem Geist spielte er in Speyer, wo er regelmäßig konzertiert. Im Hintergrund der Perkussionist Murat Coscun. ( Foto: Lenz)

Am Mittwochabend war der weltberühmte Klarinettist Giora Feidman wieder zu Gast in Speyer und sorgte in der sehr gut besuchten Dreifaltigkeitskirche für überschwängliche Begeisterung mit einzigartiger Klezmer-Musik. Unter dem Titel „Klezmer for Peace“ präsentierte das Giora Feidman Sextett Musik in bisher nicht gehörtem Gewand und dabei viele Eigenkompositionen seiner Bandmitglieder.

Der Maestro hat vielfach ausgezeichnete Musiker auf seiner Suche nach neuen musikalischen Möglichkeiten gefunden, die mehrere Kulturen und Religionen aus dem Nahen Osten musikalisch zum Ausdruck bringen.

So baut Feidman Brücken zwischen Völkern, besonders zwischen Juden und Muslimen. Seine Musik ist daher fast orientalisch, reich ornamentiert und geprägt von einem frei improvisiertem Stil mit lebhaften Rhythmen. Es ist eine Mischung aus arabischen und türkischen Motiven, jüdischer Klezmer-Musik, spanischen, israelischen und palästinensischen Einflüssen.

Dabei entstehen neue Projekte aus inneren spirituellen Bedürfnissen. „Musik ist die Sprache aller Menschen und verbindet sie“, so Giora Feidman.

Mucksmäuschenstill war es in der Kirche, als aus dem hinteren Teil ganz leise Klarinettentöne fast „gehaucht“ wurden und Feidman majestätisch erhaben den Mittelgang in Richtung Altar nach vorne beschritt. Ergreifend, feierlich und Gänsehaut erzeugend war das (eine Besucherin sagte in der Pause, sie habe spontan vor Rührung geweint). Als Feidman die Band erreichte, begann das Programm mit einem „Gespräch“ mit dem Saxofon, gespielt von Andre Tsirlin, der sich – inspiriert von Feidman – entschlossen hatte, den unentdeckten Klang seines Instruments in die jüdische Musik zu integrieren.

Als Solist spielte er in bekannten Orchestern in Jerusalem, St. Petersburg und Wien. Verheiratet ist er mit der Harfenistin und Enkelin von Feidman, Hila Ofek, die bereits internationale Preise erhalten hat und fest im Sextett ihres Opas eingebunden ist.

Ebenso Murat Coscun, ein renommierter Perkussionist und künstlerischer Leiter des Freiburger Rahmentrommel-Festivals „Tamburi Mundi“.

Orientalische Attribute bringt Muhittin Kemal Temel mit seiner türkischen Zither (Kanun) ein. Er ist Dozent an der Orientalischen Musikakademie Mannheim. Gürkan Balkan, Oud und Gitarre, ist unumstritten einer der wenigen Oud-Spieler Europas, der Innovationen musikalisch ausgereift auf diesem Instrument umsetzen und es mit ornamentreichen Melodiefiguren und Klangbildern zum „Singen“ bringen kann.

Ob in Soli oder im Zusammenspiel der Musiker, ihre Darbietungen sind faszinierend, sie erscheinen neu entdeckt, voller optimistischer Hoffnung und blühender Stimmung. Diese sechs Künstler lassen ihre Instrumente aus der Seele sprechen, geben fröhliche ausgelassene, traurige und feierliche Emotionen wieder. Mit „Standing Ovations“ und nicht enden wollendem Applaus, endete dieser musikalische Hochgenuss.

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