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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Speyer

Angestoßen, gedreht, verheddert

Mehr als 100.000 Euro beträgt der Schaden nach einem Schiffsunfall auf dem Rhein in der Nacht auf Mittwoch auf Höhe des „Alten Hammers“: Ein Tankmotorschiff ist dort in zwei Kreuzfahrt-Anleger gekracht und hat einen davon zerstört. Ein zweites Schiff hat den Havaristen touchiert. Verletzte oder einen Schadstoff-Austritt gab es laut Polizei nicht.

Von P. Seiler und J. Huber

Laut Polizei „mit dem backbordseitigen Heck hängen geblieben“: Im grauen Bereich ist der Schaden am Schiff erkennbar.

Laut Polizei „mit dem backbordseitigen Heck hängen geblieben“: Im grauen Bereich ist der Schaden am Schiff erkennbar. ( Foto: Lenz)

Die „Theodela-C“ eilt zu Hilfe: Das havarierte Schiff wird in den Werfthafen geschleppt.

Die „Theodela-C“ eilt zu Hilfe: Das havarierte Schiff wird in den Werfthafen geschleppt. ( Foto: Lenz)

Schrott: Steiger der Stadt.

Schrott: Steiger der Stadt. ( Foto: Juni)

100.000 Euro Schaden am total zerstörten städtischen Steiger, 8000 Euro am zweiten Steiger einer Reederei, 10.000 Euro am verursachenden Tankschiff „Eiltank 9“ – diese Bilanz zog die Germersheimer Wasserschutzpolizei gestern Nachmittag. Ihre Ermittlungen werden heute fortgesetzt. Um 23.45 Uhr am Dienstag hat sich der Unfall ereignet, kurz nach Mitternacht lief der Großeinsatz an. Trotz Sicherung der Unglücksstelle konnte nicht verhindert werden, dass gegen 2.30 Uhr ein weiterer Tanker den in den Rhein ragenden Bug des Havaristen schrammte und leicht beschädigt wurde, so Kurt Mistler, Leiter der Wasserschutzpolizei. Besatzungsmitglieder wurden nicht verletzt.

„Es kam zu keiner Umweltschädigung durch Produktaustritt“, informierte Mistler. Zum Glück seien die Tanks des in Richtung Germersheim fahrenden Unglücksschiffs leer gewesen. Der 86 Meter lange Tanker sei zunächst an den Anleger der Viking-Reederei gestoßen und habe diesen an Land gedrückt. Beim folgenden Rückwärtsfahren sei er mit dem Heck in die Befestigungskette des unterhalb gelegenen Stadtwerke-Steigers geraten, habe sich um die eigene Achse gedreht und sei zuletzt an einem Poller hängen geblieben. Dort wurde er am Mittwoch losgeschnitten und gegen 10.35 Uhr von einem anderen Tankschiff in den Werfthafen geschleppt.

Zur Unglücksursache schreibt Mistler: „nautischer Fahrfehler“. Der Kapitän der „Eiltank 9“ habe von einem Ruderausfall berichtet, so die Ermittler. Bei einer Kontrolle auf der Werft habe die Ruderanlage wieder funktioniert, so Kai Burkart von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion, die wie auch die Feuerwehr ebenfalls im Einsatz war. Dem Havaristen, der laut Internetseite „marinetraffic.com“ um 23.10 Uhr in Rheinau abgelegt hatte, sei bis zur Reparatur ein vorläufiges Weiterfahrverbot erteilt worden. Ein Sachverständiger war gestern auf dem Schiff.

Zwei der drei Kreuzfahrt-Anleger am „Alten Hammer“ blieben beschädigt zurück. Am Viking-Steiger waren schon am späten Vormittag Mitarbeiter der Betreiberfirma vor Ort, die mit der Reparatur begannen. Die Stadtwerke sicherten ihren Steiger und klärten ab, dass er heute entfernt wird. Ab 7.30 Uhr sei deshalb ein Kran zugange, gegen 10 Uhr werde er aus dem Wasser gehoben, so Sprecherin Angela Sachweh. Er sei nicht mehr zu retten, eine Fachfirma in Andernach müsse einen Ersatz anfertigen. Das werde mehrere Wochen dauern, falle jedoch in dieser Jahreszeit mit wenig Kreuzfahrt-Tourismus kaum ins Gewicht. Unfälle dieser Art hatte es an dem Steiger immer wieder gegeben, zuletzt mit einem langen Ausfall 2016. Seither ist er nachts besser beleuchtet.

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