Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Freitag, 14. Juni 2019 Drucken

Speyer

Aller Anfang ist schwer

Nachhaltiges Speyer (6 und Schluss): Die Gras-Einöde ist einer „kleinen Oase“ gewichen. Heimische Kräuter und Gehölze treiben aus. Der „Piko-Park“ der Gemeinnützigen Baugenossenschaft (GBS) im Burgfeld entwickelt sich zur grünen Insel für Tiere und Menschen. Ein gutes Beispiel zum Abschluss der RHEINPFALZ-Serie zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.

Von Christian Berger

Vogeltränke und Trockenmauer: Zum Wohl der Tierwelt sind sie beim April-Workshop entstanden.

Vogeltränke und Trockenmauer: Zum Wohl der Tierwelt sind sie beim April-Workshop entstanden. ( Foto: tbg)

Gemeinschaftsaufgabe: Im April haben Mieter bei der Anlage eines Kalkschotter-Hügels angepackt.

Gemeinschaftsaufgabe: Im April haben Mieter bei der Anlage eines Kalkschotter-Hügels angepackt. ( Archivfoto: Lenz)

In dem großen Innenhof, der von Gebäuden der GBS zwischen Georg-Kerschensteiner- und Ernst-Abbé-Straße gesäumt ist, entsteht langsam, aber sicher eine grüne Insel inmitten des zunehmend versiegelten Stadtgebiets. Der „Piko-Park“ ist ein Mieterprojekt, das der Wissenschaftsladen (Wila) und die GBS gemeinsam unterstützen. Karin Hille-Jacoby ist bei der GBS dafür zuständig. „Seit der Vorstellung des ,Piko-Parks’ im August vergangenen Jahres gab es insgesamt vier Workshops mit Mietern“, informiert sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nach der allgemeinen Information zum Auftakt des 100.000 Euro schweren Vorhabens ging es im September um die Gestaltung der circa 300 Quadratmeter umfassenden Fläche. „Mit ungefähr 30 Interessenten war die Resonanz bei den Anwohnern darauf so groß wie in keiner anderen Stadt mit diesem Projekt“, unterstreicht Hille-Jacoby.

In Bonn, Dortmund, Erfurt und Remscheid hat der Wila aus Bonn, der als Verein organisiert ist, weitere „Piko-Parks“ begründet. Als „Treffpunkt Vielfalt“ wird das Konzept auf der Wila-Webseite auch bezeichnet. „In Kooperation mit Wohnungsunternehmen entstehen Modellflächen und kleine, naturnah gestaltete Parkanlagen“, heißt es dort. Sie sollen einen Mehrwert für das soziale Miteinander, die Artenvielfalt und die Klimaanpassung bieten. 80.000 Euro steuert dafür das Bundesamt für Naturschutz bei, 20.000 Euro die GBS.

Wie Hille-Jacoby mitteilt, können vier Gesichtspunkte bei der Gestaltung einer solchen Fläche unterschiedlich große Rollen spielen: Naturerleben, Kreativität, Spiel und Erholung/Ruhe. Die rund 30 Interessenten aus 260 Wohneinheiten, die sich in den an den Park angrenzenden Gebäuden befinden, haben sich nach Auskunft der GBS-Projektbetreuerin für Schwerpunkte beim Naturerleben und bei Erholung/Ruhe entschieden. „Dazu gehört die Pflanzung von Beerensträuchern und von Obstbäumen wie Quitte und Feige“, so Hille-Jacoby.

Diese Gehölze und weitere Pflanzen sind beim vierten Workshop Anfang Mai gesetzt worden, berichtet die GBS-Mitarbeiterin. „Damals hat es kräftig geregnet“, sagt sie. Beim dritten Projekttermin Anfang April war es dagegen „sehr heiß“ – und das bei so schweißtreibenden Arbeiten wie dem Bau einer Trockenmauer, der Anlage eines Kalkschotterhügels und dem Mauern einer Vogeltränke. „Das war sehr anstrengend“, meint Hille-Jacoby mit Blick auf den Einsatz der Mieter und der beiden bei der GBS beschäftigten Gärtner. Eine Holztreppe, eine „Sonnenbank“ aus Holz und der Rahmen für ein Insektenhotel sind ebenfalls schon errichtet worden.

„Im Herbst gibt es einen Pflegeworkshop, über weitere Termine entscheiden die Kollegen beim Wila“, teilt Hille-Jacoby mit. Die Eröffnung des „Piko-Parks“ sei für kommendes Frühjahr vorgesehen. „Uns geht es darum, ein Bewusstsein für den Wert einer solchen Fläche zu schaffen“, sagt die GBS-Projektbetreuerin. Sie hofft, dass der Park von Müll und sonstigen schädlichen Einflüssen verschont bleibt. Bisher haben sich zwei Mieterinnen für die Bewässerung der frisch gepflanzten Gewächse gefunden. Zudem gebe es einige weitere Interessenten für künftige Mitarbeit.

„Wir sind die Ersten in der Stadt, die ein solches Projekt umsetzen“, betont Hille-Jacoby. Eine Ausweitung auf anderen Wohnanlagen der GBS sei bereits geplant. Die Baugenossenschaft steuere nicht allein 20.000 Euro zum „Piko-Park“ bei, sondern sie stelle auch die 300 Quadratmeter große Fläche, an die ein Kinderspielplatz angrenzt, dafür zur Verfügung. Die Fläche ist öffentlich zugänglich und soll in erster Linie als Treffpunkt für Mieter dienen. Der Pflegeaufwand sei relativ gering (siehe „Zur Sache“).

Speyer-Ticker