Saarland
Stress und Blackout beim „Perfekten Dinner“: Warum Fernsehteam vom Saarland überrascht ist
Wie gut, dass es die Vox-Sendung „Das perfekte Dinner“ seit genau 20 Jahren gibt. Denn der Sendung, die jede Woche in einer anderen Stadt in Deutschland dreht, gehen langsam aber sicher die bekannten Städte aus. So hat man sich beim Fernsehsender eben gedacht: Ins Saarland könnte man doch auch mal. Und das Fernsehteam hat erkannt: Ins Saarland kommen, das lohnt sich. Denn es ist nicht nur für Maggi, Lyoner und Schwenken bekannt, sondern auch für die lustigen, lebensfrohen und offenen Menschen. Das kann jeder sehen, denn die Sendung wird in dieser Woche ausgestrahlt.
Als das Kamerateam in Saarbrücken ankommt, ist es gleich überrascht. Anders als sonst kennen sich die Kandidaten untereinander nicht. Das geht auch Kandidat Manuel Gratz so. „Ich bin grad erstaunt, dass wir uns nicht kennen, weil das Saarland ja so kleen ist. Jeder kennt jeden.“ „Das Saarland ist ein bisschen großes Dorf“, findet auch Timo Stockhorst. Nach der Bewertung der Kandidaten untereinander – von denen jeder an einem anderen Tag kocht – steht dann am Freitag auch fest, wer das „perfekte Dinner“ gekocht und gewonnen hat.
„Ich wollte immer schon mitmachen“
Timo Stockhorst aus Saarbrücken ist der erste Kandidat. Der 35-Jährige, der sich in der Saar-SPD engagiert und wissenschaftlicher Referent beim Landtag ist, zitiert gleich eine saarländische Weisheit: „Hauptsach gudd gess.“ Um 9.09 Uhr, wie es vom Sender eingeblendet wird, klingelt das Kamerateam an seiner Tür und wird in die Küche geführt, die der Sprecher zum „Tatort heute“ erklärt.
Er schlägt sich wacker – trotz Nudelteig-Problemen und seiner Nervosität. Er war froh, als es endlich losging, erzählt er. „Aber ich denke, das gehört dazu.“ Warum tut man sich das eigentlich an? Die Fernsehkameras, der Zeitdruck, dazu noch seine Wohnung und Kochkünste im Fernsehen zu zeigen? „Ich wollte immer schon beim ’Perfekten Dinner’ mitmachen. Ich finde das Format extrem cool, spannend. Man lernt neue Leute kennen, man erlebt was“, schwärmt er. Er mag auch die Herausforderung „und bei anderen mal zu zeigen, was man so kann“. Sein Entschluss stand fest. Gleich am nächsten Tag habe er sich dann beworben.
Bis zu zwölf Stunden dauert ein Drehtag
Was man im Fernsehen sieht, ist nur ein kleiner Teil des Drehtags. Die Sendung dauert eine Stunde – gedreht wird bei den Teilnehmern aber oft bis zu zwölf Stunden; manchmal dauert es auch nicht ganz so lange. Es müssen Interviews geführt werden, Schnittbilder gemacht, und das Ganze wird oftmals aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Dabei sind die meisten Menschen erstmal nervös, wie Diana aus Saarlouis verrät. „Kamera hat man nicht jeden Tag.“
Während der Aufzeichnung hagelt es am ersten Tag Regentropfen, und aus manchem Mund auch saarländische Ausrufe. „Oh leck!“ sagt etwa Manuel Gratz aus Schwalbach bei Saarlouis. Eine Erklärung schiebt er gleich hinterher: „’Oh leck’ ist so wie: ’Das gibt’s doch jetzt net’.“
Er wollte schon immer in die Politik
Timo Stockhorst hat den Tisch mit goldenem Besteck eingedeckt. „Ich steh auf Schmuck und bin eitel. Vielleicht zu eitel“, gibt Stockhorst zu, der bald mit seiner Frau Nadine ein Kind erwartet. Als Kind wollte er beim Radfahren auch nie einen Helm tragen – das habe seine Frisur verwüstet.
In die Politik wollte er „immer schon. Sachen zu richten und zu helfen – das ist das, warum ich in der Politik bin“, erzählt er. Zurück zum Kochen: Die Gäste wünschen sich von ihm was Außergewöhnliches, Persisch oder syrisch. Stattdessen gibt’s das Motto Italien – samt Salat mit Kürbis, Birne, Rucola und Chili-Mango-Teigtaschen als Vorspeise, Cannelloni und Rind mit Parmesan als Hauptgang, und eine abgewandelte Tiramisu-Variante mit Birnen, aber ohne Espresso als Dessert mit Spekulatius. Während des Kochens steht er unter Stress, sagt er – und das merkt man auch. „Die Zeit hängt mir im Nacken, deswegen werde ich aufgeregter.“
Pornstar Martini mit Crémant aus dem Saarland
Was er im Rückblick nicht erwartet hat – der enorme Zeitdruck. Obwohl er schon vormittags mit dem Kochen anfing, sei ihm die Zeit weggelaufen. „Ich komm in meinem Kopf nicht mit den Schritten zurecht“, sagt er – und sieht aus, als stünde er nahe vorm Blackout.
Als die Gäste da sind, hat sich die Lage wieder entspannt. In den Aperitif, den „Pornstar Martini“, gibt er Crémant aus dem Saarland. Weil seine Hauptspeise kalt ist, ist er erstmal niedergeschlagen. Die erste Sendung der Saar-Woche geht, weil sich niemand der Kandidaten vorher kannte, mit der Erkenntnis zu Ende: „Das Saarland ist doch größer als gedacht.“
Die Sendung
Die Sendung „Das perfekte Dinner“ kann man auf Vox jeden Tag ab 19 Uhr sehen, oder bei RTL plus im Stream.