Kirkel / Bliesgau
Saar-Landwirte vor großen Problemen: Bringt eine Schlachtgenossenschaft die Lösung?
Die Luft ist aufgeheizt, die Sonne brennt und sorgt in dem Lastwagen für bis zu 60 Grad. Die Rinder von Landwirt Roland Lambert, der seit 1995 den Bliesberger Hof in Kirkel-Limbach betreibt, müssen diese extremen Bedingungen oft noch vier, fünf Stunden lang ertragen. Eingepfercht mit anderen Tieren. Denn sie werden nach Perl gebracht, zum Schlachthof Sternberg. Aber nicht auf der direkten Route – Lamberts Rinder sind zusammen mit anderen, die vorher zum Beispiel von Landwirten in Brenschelbach, Webenheim oder Aßweiler eingesammelt werden.
Der große Lastwagen biete Platz für bis zu 25 Tiere. „Grade im Sommer, wenn es so heiß ist, durften die schon gar nicht mehr fahren, weil es in diesen Lkws zu heiß wird“, erklärt Lambert. „Das ist einfach verrückt.“ Nachdem die Tiere auf dem Schlachthof geschlachtet wurden, werden sie wieder zurücktransportiert. Allein der Hin- und Rücktransport kostet laut Lambert 207 Euro und macht die Hälfte der Gesamtkosten für eine Schlachtung aus.
Lösung: Schlachtgenossenschaft
Lambert findet: So kann es nicht weitergehen. Diese schlechten Bedingungen, die die Tiere ertragen müssen, dürfen nicht länger sein. Bisher ist das aber die Realität – aus Mangel an Alternativen. Denn der nächstgelegene Schlachthof ist eben der in Perl. Seit 2024 ist er mit anderen Saar-Landwirten im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Die könnte in Form einer sogenannten Schlachtgenossenschaft bald kommen. 15 bis 20 Saar-Landwirte, schätzt Lambert, wären da schon mit im Boot. Diese waren auch schon bei Besprechung dabei. „Idealerweise wären es so viele Betriebe wie möglich aus dem Saarpfalz-Kreis. Das waren auch die Bauern, die ihre Tiere nach Zweibrücken gefahren haben.“
Zum Schlachthof haben die Landwirte ihre Tiere überwiegend selbst hintransportiert. Das war von der Logistik her am besten, und die Tiere haben das Fahrzeug gekannt, sagt Lambert, seien also auch nicht so aufgeregt gewesen. Als der Zweibrücker Hof noch schlachtete, sei die Sache für die Tiere „nach maximal einer halben Stunde“ vorbei gewesen.
100.000 Euro müssen her
Die „Schlachtgenossenschaft“ würde den Landwirten neue Wege eröffnen. „Wir hätten die Möglichkeit, auf dem Geistkircher Hof zu schlachten.“ Die Tiere müssten dann auch nur etwa 17 Minuten transportiert werden – der Hof ist damit von Lamberts Betrieb aus kürzer zu erreichen als der ehemalige Schlachthof in Zweibrücken. Der Schlachtbetrieb auf dem Hof in St. Ingbert-Rohrbach wurde früher von der Familie Beck betrieben. Seit diese aus Altersgründen aufhörte, wird dort nicht mehr geschlachtet.
Um den Hof wieder flottzumachen, „müssten ungefähr 100.000 Euro investiert werden“, sagt Roland Lambert. EU-Richtlinien müssten eingehalten werden, das heißt: Der Hof müsste erstmal umgebaut werden. Denn wenn man eine Hausschlachtung macht – also das Fleisch nicht für den gewerblichen, sondern für den privaten Verbrauch nutzen möchte – „kann ich auf meinem Betrieb das Tier komplett schlachten“.
Pro Schlachtung 200 Euro sparen
Sobald man das Fleisch verkaufen will, „muss das Tier in einem EU-zertifizierten Schlachthaus geschlachtet werden“, erklärt Lambert. Die Reaktivierung des Geistkircher Hofs ist für ihn „die sinnvollste Lösung“. Dann könnten die Landwirte ihre Tiere selbst hintransportieren, die Tiere würden dann dort geschlachtet, ausgenommen und zerlegt. „Dieser Hin- und Hertransport (von Fremdtransportern) fällt ja dann schonmal weg“, sagt der Kirkeler Landwirt. 200 Euro könnte er damit einsparen.
Ein Viertel der Summe ist schon da, denn das sogenannte EU-Leader-Förderprogramm hat Anfang April 25.150 Euro bereitgestellt. Das Geld ist erstmal für ein Fahrzeug gedacht, das es ermöglicht, dass die Tiere direkt auf den Höfen – unter Aufsicht eines Tierarztes – geschlachtet werden könnten. Das Ganze nennt sich „teilmobile Schlachtung“.
Wunsch vom Landwirt: Mehr Interesse von Politik
Roland Lambert hält auf seinem Bliesberger Hof zurzeit rund 70 Tiere. Zwischen 20 und 30 Rinder werden pro Jahr geschlachtet, erzählt Lambert, der den Hof im Jahr 1995 von seinen Schwiegereltern übernahm. Die Bullen werden geschlachtet, wenn sie etwa zwei Jahre alt sind. Das Fleisch der Tiere bleibt in Familienhand, zumindest vorerst: Denn sein Bruder Klaus Lambert, der seit vier Jahrzehnten die Metzgerei in Homburg-Beeden betreibt, verarbeitet und verkauft das Fleisch dort.
Roland Lambert wünscht sich mehr Interesse von der Politik. „Weil es immer heißt: ’Tierwohl, kurze Wege, stressarme Transporte’, und so weiter. Das ist in diesem Fall im Moment noch nicht möglich“, bedauert er. Die Politik dürfe die Verantwortung, dass das in Zukunft funktioniert, nicht einfach auf die Landwirte abwälzen. Der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes Gerhard Mörsch sagt etwa: „Die Umsetzung liegt dann in den Händen der Akteure vor Ort. Gleichzeitig unterstützen wir diesen Prozess weiterhin.“
Bis die „Schlachtgenossenschaft“ gegründet werden könnte, kann es noch dauern. „Das geht sehr schleppend“, sagt Lambert. Vor zwei Jahren habe man sich auf dem Geistkircher Hof getroffen, auch der jetzige Landrat Frank John – damals noch der Kirkeler Bürgermeister – war dabei und unterstütze das Ganze. Eine Lösung Ende des Jahres wäre gut. „Wir brauchen einen Plan, wo wir sehen: Was muss gemacht werden?“ Das sei wichtig, um eine Genehmigung vom Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) zu bekommen.