Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Stadtzentrum für 500 Millionen: Jetzt steht fest, wer dort bald einzieht

Ein Ausschnitt aus der Planungsskizze des Bauprojekts. Der große Turm rechts soll der Eingang des neuen Stadtquartiers werden. D
Ein Ausschnitt aus der Planungsskizze des Bauprojekts. Der große Turm rechts soll der Eingang des neuen Stadtquartiers werden. Drumherum sollen Gewerbegebäude entstehen, im Herzen von »Coeur« Wohnungen. An der Grenze zum Stadtteil Beeden soll der geplante Supermarkt hinkommen.

Vor drei Jahren wurde ein neues Stadtquartier am alten DSD-Gelände angekündigt. Das Mega-Projekt soll Platz zum Wohnen und Arbeiten bieten. Jetzt steht fest, wer einzieht.

„Coeur“ („Herz“) – diese Bezeichnung geistert seit April 2023 in Homburg herum. Denn so heißt das neue Stadtquartier, das auf einer Fläche von etwa 25 Fußballfeldern – das sind rund 180.000 Quadratmeter – Wohnungen, Gewerbeflächen und Platz für Büros, Praxen, Dienstleistung und dergleichen bieten soll, wenn es einmal fertig ist. Ein bisschen geisterhaft sieht es auch noch auf dem Gelände des ehemaligen DSD-Areals nahe des Homburger Forums aus, wo sich Rathaus und Kreisverwaltung befinden. Ganz in der Nähe soll das neue Stadtzentrum entstehen.

Jetzt ist klar, welcher Mieter unter anderem ins „Coeur“ ziehen will: Ein rund 3300 Quadratmeter großer Wasgau-Markt soll dort sein Zuhause finden. 2260 Quadratmeter davon sind als Verkaufsfläche ausgewiesen. Insgesamt sind laut Bebauungsplan 8000 Quadratmeter fürs Grundstück vorgesehen.

Voraussetzung für Supermarkt: Wohnungen

Wie viele Mitarbeiter dort arbeiten könnten, steht noch nicht fest. Denn: Der Supermarkt soll erst dann kommen, wenn auch Wohnungen im Stadtquartier „Coeur“ entstehen. Diese haben die Planungen aber bisher vorgesehen – bis zu 500 Wohnungen sind geplant; so war es auch bei der Pressekonferenz vor drei Jahren bekanntgegeben worden. Es sieht also gut aus für den Lebensmittelmarkt.

Auch der Homburger Stadtrat hat in seiner Sitzung Ende März grünes Licht gegeben. Der Rat stimmte unter anderem für die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans für den Supermarkt; lediglich ein Fraktionsmitglied der Freien Wähler (FWG) hatte sich enthalten. Der Weg dafür ist also von Verwaltungsseite aus erst einmal frei. Der Bebauungsplan ist einer der Schritte auf dem Weg zur Baugenehmigung. Die Stadt möchte dieses Baurecht fürs gesamte Coeur-Gebiet im Lauf des Jahres schaffen. Dann könnte es mit dem Bau des Stadtzentrums losgehen.

Auch Kita im Coeur möglich

Zum Supermarkt soll man über die Beeder Straße – über eine neue Anbindung – kommen können. Neben dem Markt sieht man auf der Planskizze ein kleineres Gebäude mit der Beschriftung „Möglicher Standort für Kita“. Ob dort tatsächlich ein Kindergarten hinkommt, ist aber noch nicht beschlossen.

Zurück zum geplanten Supermarkt, der an der Grenze zum Homburger Stadtteil Beeden entstehen soll: Auch wenn sich das Stadtzentrum nahe der Innenstadt befindet, sind Innenstadt samt Fußgängerzone einerseits und das Coeur andererseits zwei verschiedene Areale. Daraus ergibt sich die Frage: Hält der geplante Wasgau-Markt vielleicht potenzielle Kunden aus der Innenstadt fern und zieht diese stattdessen zum Stadtzentrum?

Analyse gibt Entwarnung für die Innenstadt

Eine Analyse, die sich ebenfalls im Bebauungsplan findet, gibt Entwarnung: „Es sind keine negativen, städtebaulichen Auswirkungen auf die zentralen Versorgungsbereiche oder die bestehenden Versorgungsstandorte“ zu erwarten, heißt es darin. „Das Projekt ist in seiner geplanten Größenordnung und seiner Standortlage als städtebaulich verträglich zu werten.“

Weitere Gutachten, etwa vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), geben ebenfalls – auch in Sachen Altlasten – grünes Licht. Das LUA habe die Fläche freigegeben. Auch Bombentrichter wurden laut dem Kampfmittelbeseitigungsdienst vor ein paar Jahren auf dem Gelände gefunden, da es während des Zweiten Weltkriegs bombardiert worden sei. Die Bombentrichter seien ausgehoben worden; dass man auf dem Areal Blindgänger findet, schätzen die Gutachter als „eher gering“ ein.

Seitdem das Mega-Projekt vor drei Jahren in den Startlöchern steht, sind schon ein paar Dinge passiert: Die alten DSD-Hallen sind abgerissen worden, Vorarbeiten hat die Neunkircher Ferraro Group, die von der Stadt mit dem Projekt betraut wurde, schon erledigt. Denn seit die Firma DSD (Dillinger Stahlbau) ihren Betrieb auf dem Gelände im Jahr 1999 eingestellt hatte, war das bis dato ungenutzte Areal immer mehr überwuchert. Bagger rücken dem Gelände weiter zuleibe und machen daraus nach und nach das Mega-Projekt, das mehr als 500 Millionen Euro kostet.

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