Gersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gunter Altenkirch: Der Saarländer, der Geschichte(n) sammelt

Gunter Altenkirch ist Autor von 70 Büchern und besitzt zwei Saar-Museen.
Gunter Altenkirch ist Autor von 70 Büchern und besitzt zwei Saar-Museen.

Wenn Forscher bei mysteriösen Symbolen oder eingemauerten Katzen nicht mehr weiterwissen, kommen sie zu ihm: Gunter Altenkirch ist ein Experte der Mythen und Geschichte.

Es gibt Menschen, die ein Leben führen – der Saarländer Gunter Altenkirch aus Gersheim-Rubenheim dagegen scheint mehrere Leben in seinem untergebracht zu haben. Er ist Wirtschaftsingenieur, Erzähler, Autor von 70 Büchern, Kirchenkritiker und Besitzer von zwei Museen in Rubenheim – dem Museum für dörfliche Saar-Alltagskultur mit rund 30.000 Exponaten und dem Museum des saarländischen Aberglaubens. Geboren wurde er 1942 in Sachsen, seit seinem vierten Lebensjahr lebt er im Saarland. Mal war er Fernmeldemonteur, dann bei der Völklinger Hütte.

Er studierte, machte seinen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur, arbeitete sich in mehrere Unternehmen ein, optimierte Abläufe und fand sich irgendwann in einer Position wieder, in der er Strukturen veränderte und optimierte. Dafür ehrte die Fraunhofer-Gesellschaft ihn, bei der er die letzten 30 Jahre seines Arbeitslebens verbrachte, 2003 mit der Silbernen Fraunhofermünze, der höchsten Auszeichnung des Instituts. Er sagt: „Der Abschluss ist nicht immer wichtig, sondern die Stärken und Qualifikationen, die ein Mensch mitbringt.“

Seine „Lebensaufgabe“ begann mit acht Jahren

Seine eigentliche Lebensaufgabe begann, wie er sagt, lange davor. Als er acht war, begann er, Geschichten der „alten Frauen“ im Dorf aufzuschreiben, die er mitbekam. Nicht die bekannten Versionen aus Büchern, sondern die Erzählungen alter Leute: Geschichten, die am Küchentisch erzählt wurden. Auch Zeitzeugenprotokolle sammelt er – die Erinnerungen und Berichte von Menschen.

„Wir vergessen unsere alte deutsche Kultur“, meint er. Seine Ausstellungen, die sich mit regionalen Sagen, Aberglauben, Volkskultur und Alltagsgegenständen beschäftigen, sind in Deutschland, Frankreich und Luxemburg zu sehen. Wissenschaftler, die an Universitäten über Kultur forschen, wenden sich häufig an ihn, aber auch Forscher aus anderen Ländern, etwa aus Südtirol. „Wenn die Professoren nicht weiter wissen, kommen sie zu mir“, erzählt er stolz. Da kann es sich auch mal um mysteriöse Katzen handeln, die früher eingemauert wurden; oder um rätselhafte Symbole an Häuserfassaden.

Altenkirch: Katholische Kirche als Unterdrückerin

In seinen vielen Gesprächen und Aufzeichnungen erscheint die katholische Kirche immer wieder: Als negativer Machtfaktor, aber auch als Verantwortliche für jahrhundertelange Unterdrückung, insbesondere der Frau. Altenkirch erklärt, wie Frauen in der Geschichte systematisch benachteiligt wurden, sei es in Hexenprozessen, in theologischen Texten und dadurch auch im Alltag.

Bei der Frage, ob er ein Feminist ist, nickt er. Nicht, weil es modern klingt, sondern weil er sich seit Jahrzehnten mit Frauenbiografien beschäftigt, mit Arbeit, die „oft schlechtgeredet oder unterschätzt“ wird, wie er sagt. Seine intensive Beschäftigung mit dem Aberglauben zeigte ihm, dass die Frau nie besser sein durfte als der Mann, sonst galt sie als Hexe. Viele Geschichten des Aberglaubens hat er auch in einem eigenen Märchenbuch festgehalten.

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