Glosse zum saarländischen Melfor-Aus
Frevel an Esskultur: Kein Bock auf die französische Ersatztunke
Was gehört zum Saarland? Klar: Karlsberg-Bier, Schwenker, Lyoner. Und Maggi und Melfor. Mit Melfor hat meine Oma schon ihren legendären Grumbeersalat angemacht, auch beim Tomatensalat mit Zwiebeln ist die dunkelbraune Würzflüssigkeit aus St. Ingbert-Rohrbach nicht wegzudenken. Doch dann kam diese Woche die Nachricht, dass Melfor seinen Standort in Rohrbach schließt und es zukünftig nur die wässrige, hellbraune französische Tunke geben wird, die halt nicht so schmeckt wie die saarländische. Welch ein Frevel an der saarländischen Esskultur. Das bekommt ihr irgendwann zurück, ihr Wackese! Von wegen das Land der Gourmets.
An Zweibrücker Markt-Fleischtheke folgt der nächste Tiefschlag
Und dann der zweite Tiefschlag. An der Frischetheke eines Zweibrücker Verbrauchermarktes sagte die Fleischereifachverkäuferin doch tatsächlich zu der Dame vor mir: „Lyoner und Fleischwurst sind ja dasselbe.“ Ich war erschüttert und musste nach einer Schrecksekunde eingreifen. „NEIN!“ rief ich ihr entgegen, wohl sehr viel lauter als eigentlich beabsichtigt. Im Saarland wäre ein solcher Spruch ein Kündigungsgrund.
Gleich zwei kulinarische Tiefschläge in einer Woche. Das ist zu viel. Und von wegen „Wenn man sein Gewicht halten will, muss man auch mal essen, wenn man keinen Hunger hat“. Das vielleicht, aber doch bitte nicht mit „Fleischwurst“ und Lothringer Essigbrühe. Meine saarländische Oma würde sich im Grabe umdrehen, müsste sie das noch erleben.