Saarbrücken / Homburg
Es geht um die Existenz: Wenn Wohnungen für Studenten unbezahlbar sind
Die beiden Saar-Unis in Saarbrücken und Homburg werden immer internationaler. Es gibt aber ein Problem: Da die bei internationalen Studenten beliebten Wohnheime immer weniger werden, wird es für viele Studenten in Saarbrücken und in Homburg immer schwerer, an Wohnraum zu kommen, der für sie bezahlbar ist. Aktuell gibt es nur 70 Wohnungen an der Uni in Saarbrücken. Der Saar-Finanzminister möchte das Problem lösen – und hat ein Versprechen gemacht.
Die Uniklinik in Homburg (UKS) gehört zur Saarbrücker Uni. An den beiden Lehrstandorten sind 23 Prozent internationale Studenten. Seit Jahren geht die Zahl nach oben. 3739 Männer und Frauen waren es im vergangenen Wintersemester – 200 mehr als im Vorjahr. Die meisten internationalen Studenten kommen laut Uni mit 595 Menschen aus Indien, 330 sind aus Frankreich, 287 kamen aus China. Auch aus Pakistan, der Türkei, Syrien oder dem Iran kamen jeweils über 100 Studenten. Die beiden Uni-Standorte zählen zu den internationalsten in Deutschland – auch, weil viele Medizinstudenten aus anderen Ländern nach Homburg kommen. Um diese wirbt die Uniklinik gezielt. Doch was in Sachen gegenseitige Wertschätzung und kulturellen Austausch zwischen den Studenten erfreulich ist, führt auf dem Wohnungsmarkt zu immer größeren Problemen für die Studenten. Deshalb bittet die Saar-Uni die Öffentlichkeit um Hilfe und fragt nach vermietbaren Wohnungen, um mehr bezahlbaren Wohnraum für ihre Schützlinge zu finden.
Aus Brandschutzgründen dicht: 260 Wohnungen fielen weg
Auch in diesem nun kommenden Wintersemester erwartet die Uni wieder viele internationale Studenten. Momentan gibt es aber gerade mal 70 Wohnungen auf dem Campus. „Daher ist es wichtig, schon jetzt günstige Wohnmöglichkeiten für diese zu finden“, sagt Uni-Sprecherin Friederike Meyer zu Tittingdorf der RHEINPFALZ. Der Wohnungsmarkt sei insgesamt angespannt. Studenten, die aus anderen Ländern ins Saarland kommen, haben aber noch ein weiteres Problem: Zum Wohnungsmangel komme laut Meyer zu Tittingdorf erschwerend hinzu, dass schon im Jahr 2013 das Wohnheim D auf dem Campus aus Brandschutzgründen geschlossen wurde. Die Folge: 260 Wohnungen fielen damals weg.
Zudem wird das private Cusanus-Wohnheim mit 130 Bettplätzen in der Saarbrücker Innenstadt ebenfalls zeitnah geschlossen, was die Krise weiter verschärfe. Die Studenten müssen sich also auf die verbleibenden acht Studentenwohnheime verteilen – das sorge für einen Konkurrenzkampf, so die Uni-Sprecherin. Im sogenannten Waldhaus wohnen zum Beispiel ungefähr ein Drittel der Bewohner aus Nicht-EU-Ländern.
300 neue Wohnhäuser auf dem Campus – aber erst nächstes Jahr
„Derzeit entstehen neue Studentenwohnhäuser auf dem Campus, die aber erst im kommenden Jahr bezugsfertig sind“, so Meyer zu Tittingdorf. 2026 soll es dann 300 Wohnheimplätze geben. Aber: Auch diese neuen Wohnhäuser würden in der Zukunft „nicht ausreichen“, um alle internationalen Studenten, die an den Unis in Saarbrücken und Homburg wie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (Htw) studieren möchten, unterzubringen. Im Vergleich zu Großstädten wie München, Berlin oder Frankfurt gebe es im Saarland immerhin noch günstige Wohnungen und WG-Zimmer. Problematisch sei im Saarland aber die Zahl der angebotenen Wohnheimplätze, die bei vielen Studenten aus anderen Ländern besonders gefragt seien.
„Bei den internationalen Studierenden ist die Herausforderung, dass sie zum Teil nur ein oder zwei Semester vor Ort sind oder über ein sehr begrenztes Budget verfügen“, erklärt die Pressesprecherin.
Saar-Finanzminister: Schrittweise 1000 Wohnheimplätze schaffen
Auch die saarländische Landesregierung hat das Problem mittlerweile erkannt und hat neben den drei Wohnhäusern, die gerade gebaut werden, noch weitere in Aussicht gestellt. Innerhalb der nächsten Jahre sollen 1000 zusätzliche Wohnheimplätze geschaffen werden. Das hat der Saar-Finanzminister Jakob von Weizsäcker (SPD) vor ein paar Tagen verkündet. Die neuen günstigen Wohnheime helfen aber erst dann, wenn sie fertig sind. Anfang 2027, so Weizsäcker, der auch für Wissenschaft zuständig ist, sollen noch mal 300 Wohnheimplätze dazukommen.
„Wir wollen sicherstellen, dass es da nicht aufhört, bei etwa 600 Wohnheimplätzen insgesamt“, sagte der Minister und meint die jeweils 300 geplanten Wohnplätze nächstes und übernächstes Jahr. Deshalb wolle man schrittweise insgesamt mehr als 1000 Wohnheimplätze schaffen.
Die zusätzlichen Wohnheimplätze würden dazu beitragen, dass die Zukunft der Bildungseinrichtungen gesichert sei. Die Hochschulen müssten sich „auch anstrengen, dass es ihnen gelingt, in Zukunft erfolgreich Studierende zu werben“. Es gehe darum, junge Menschen aus dem Saarland und aus anderen Teilen Deutschlands und der Welt fürs Studium im Saarland zu begeistern. Die Voraussetzungen für die finanzielle Förderung, die Bereitstellung von Flächen durch die Uni und die Bereitschaft der Stadt für die nötigen Genehmigungsverfahren seien aber da, versichert der Finanzminister.
Info
Die Saar-Uni ruft Vermieter, die möglichst möblierte Wohnungen oder Zimmer zeitlich beschränkt vermieten möchten, dazu auf, sich beim Housing Office der Universität des Saarlandes, der Htw Saar oder dem Studierendenwerk Saarland unter der Telefonnummer 0681 3022852 zu melden.