Homburg-Schwarzenacker
Druiden, Legionäre, Opferkult: Playmobil-Ausstellung im Römermuseum
Legionär Caius Valerius Crispus führt einen durch die Sonderausstellung „Veni vidi Playmobil – Leben in der römischen Provinz“, die in der Zeit der Pax Romana angesiedelt ist. Die 200 bis 250 Jahre lange Epoche um Jesu Geburt zeichnet sich hauptsächlich durch Frieden aus. Deshalb stehen nicht Schlachten und Kriege, sondern das Alltagsleben der Römer im Mittelpunkt.
Peter Linn aus dem vorderpfälzischen Böhl-Iggelheim hat die Playmobil-Welt erschaffen. In rund 50 Schaukästen hat Linn, der ein großer Playmobil-Fan ist, mit viel Liebe zum Detail Szenarien nachgestellt und mit passend angezogenen und ausgestatteten Playmobil-Figuren bestückt. Mit seiner Familie und dem Museumsteam hat er alles aufgebaut. Die Zeitreise lässt Linn mit den Ausgrabungen beginnen. Ein Bagger hebt Erde aus, Forscher legen in der Tiefe ein Skelett frei, während andere Fundstücke begutachten.
Legionäre, Druiden, Römerschiff
Es herrscht Friede, dennoch patrouilliert da eine Armee. „Ihr Gepäck, inklusive Matratze und Schutzschild, wog um die 50 Kilo. Und trotzdem legten sie ein enormes Tempo vor“, weiß Museumsleiterin Sabine Emser. Aber auch Straßen haben die Soldaten gepflastert. Auf dem Schiff Lusoria Rhenana sind 30 Legionäre und rudern nach Kräften.
Begrenzt wird das römische Imperium durch den Wall Limes. Auf dem hohen Turm stehen Wächter und halten nach Feinden Ausschau. „Rasch machen sie die Meldung, wenn sich Germanen nähern“, erklärt Emser. Und siehe da – am Zaun stehen schon zwei Männer. Aber nicht alle führen Böses im Schilde. Manche Germanen karren Gemüse herbei, treiben Handel mit dem „Gegner“. In der Ecke steht ein Druide. Rührt der einen Zaubertrank an?
Buntes Treiben der Playmobil-Figuren
Ohne Verwaltung geht gar nichts – das war in den großen Städten im Alten Rom schon so. Wo heute im Rathaus Computer stehen, lagen im Forum Schriftrollen und Dokumente. Brav steht ein Bürger vor dem Schreibtisch, trägt dem Verwalter sein Anliegen vor. Im Nebenraum lernen Schüler. Am Abend gehen alle in ihre Wohnungen. Im Erdgeschoss sind Läden untergebracht: Da schaffen Bäcker, Töpfer und Stoffhändler. Im ersten Stock leben die Reichen, im zweiten die etwas weniger Reichen, im dritten die Armen – erkennbar an Ausstattung und Größe des Wohnraums. Der Brunnen vor dem Tor ist dem Venusrelief aus Schwarzenacker nachempfunden.
Wer zur Oberschicht gehört, besitzt eine stattliche Villa: mit riesigem Wohnzimmer, Schlaf-, Ankleide- sowie Kinderzimmer. Dazu gehören ein Latrinen-, Umkleide- und Badebereich. Nirgendwo fehlen darf das Lararium, der Hausaltar. In die Wohnhäuser integriert sind die Werkstätten von Metzger, Korbflechter, Schmied, Schuster und Glasbläser. Überall herrscht Leben und Treiben. Bunt geht es zu in der Weberei, der Färberei, der Reinigung und Wäscherei, die aufgrund der Gerüche am Stadtrand liegen. Ganz großes Kino: die Taberna (Gasthaus) mit spielenden Männern. Selbst das Plumpsklo ist zu sehen.
Funden im Saarland und Rheinland-Pfalz nachempfunden
Die Besucher lernen auch, wie Stein gebrochen und Ziegel gebrannt, wie Eisen gewonnen und Häuser – sogar mit Fußbodenheizung – gebaut werden. Selbst die Weinherstellung ist nachvollziehbar. „Vieles hat Peter Linn recherchiert und Funden im Saarland und in der Pfalz nachempfunden“, erläutert Emser. In der Freizeit schauen sich die Städter Gladiatorenkämpfe oder Theaterstücke an. Dazu: Bestattungsrituale, Opferkult und Götterverehrung, die tiefe Einblicke ins damalige Leben und Denken geben.
Die Erläuterungen sind laut Emser bewusst kurz gehalten, wollen nicht überfordern. Wer schon vor drei Jahren bei der Playmobil-Ausstellung war, werde einiges wiedererkennen, aber auch viel Neues entdecken, sagt sie. Sie selbst habe einige Wünsche geäußert, die Linn umgesetzt hat.
Info
Die Playmobil-Ausstellung „Veni vidi Playmobil – Leben in der römischen Provinz“ kann man bis 31. Oktober sehen. Sie ist auch für jüngere Kinder und Schulklassen geeignet. Öffnungszeiten des Römermuseums in der Homburger Straße 38 in Homburg-Schwarzenacker: Im März täglich von 10 bis 16 Uhr, von April bis November montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 9 bis 18 Uhr. Es wird der reguläre Museumseintritt fällig.