Neunkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Klinik-Schredderer“: Warum es beim Faschingsumzug politisch wurde

Auf einer Karikatur auf einem Umzugswagen rennt der Gesundheitsminister samt Geldsack und Narrenhut vor der wütenden Kohlhof-Bel
Auf einer Karikatur auf einem Umzugswagen rennt der Gesundheitsminister samt Geldsack und Narrenhut vor der wütenden Kohlhof-Belegschaft weg.

Die drei Politiker greifen gierig nach dem Kohlhof-Gebäude. Ein Skelett ragt aus der Menge. 70 Personen haben beim Rosenmontagsumzug für den Erhalt des Kohlhofs demonstriert.

Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Marienhaus-Klinikums Neunkirchen (kurz: Kohlhof) hat den Faschingsumzug an Rosenmontag in Neunkirchen dazu genutzt, ein weiteres Mal gegen die mögliche Verlagerung der Kinderklinik nach St. Wendel zu protestieren. Es war der einzige politische Wagen beim Umzug, sagt Sabrina Math, die die Bürgerinitiative zusammen mit Teresa Sciarrotta Ende vorigen Jahres gegründet hat.

Etwa 70 Personen seien Teil des Protestzuges gewesen, unterstützt von Bannern und knalligen Karikaturen. Auf einer ist der Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung zu sehen, der samt Narrenhut, breitem Grinsen, Geldsack und einem Schild mit der Aufschrift „Narr Jung, der Klinik-Schredderer“ vor der wütenden Belegschaft des Kohlhofs wegrennt.

Bürgerinitiative: Andere Varianten nie weiter erörtert

Seit Jung vor drei Monaten verkündet hatte, die Kinderklinik, Gynäkologie und die Geburtsstation vom Kohlhof nach St. Wendel verlagern zu wollen, regt sich teils heftiger Widerstand in der Bevölkerung. Während Jung an den Plänen festhält, berichten die Klinik-Chefs, dass eine Verlegung oder gar mögliche Schließung nur eine von insgesamt drei Optionen sei. In einer zweiten Variante soll der Klinikstandort sogar gestärkt werden. In einer dritten Option soll der Kohlhof künftig „Schwerpunkt- und Spezialversorger“ sein, während das Diakonieklinikum in der Neunkircher Innenstadt die Rolle des „Allgemeinversorgers für Stadt und Land“ einnehmen soll.

Jung sagte, mit der geplanten Verlegung nach St. Wendel wolle man „Doppelstrukturen“ abbauen – auch, weil es in Neunkirchen eben mit besagtem Diakonieklinikum ein weiteres Krankenhaus gibt. Dass der Gesundheitsminister die anderen Varianten außen vor lässt, kritisiert die Bürgerinitiative. Math: Die anderen Umstrukturierungsmaßnahmen wurden von ihm „bereits in der ersten Pressemitteilung über das Thema am Rande erwähnt, aber nie weiter erörtert“.

Forderung: Politik soll nach Alternativen suchen

Um gegen die Kohlhof-Pläne zu kämpfen, haben Math und ihre Mitstreiterin eine Volksinitiative gestartet: Weil sie die nötigen Unterschriften gesammelt haben – mindestens brauchten sie 5000, am Ende wurden es laut Math 9500 –, wird das Thema bald im Saar-Landtag landen und dort diskutiert. Einzig die Beglaubigung der Unterschriften durch die Einwohnermeldeämter steht noch aus. Dann ist der Weg in den Landtag frei.

Die Bürgerinitiative erhofft sich von der Volksinitiative, „dass die Politik nicht vor dieser enormen Unterstützung aus der Bevölkerung für diese Klinik Halt machen kann und nach einer Alternative zur Schließung sucht“.

Eine weitere Karikatur: Auf dieser greifen drei Politiker gierig nach der Kohlhof-Klinik, während Mitarbeiter protestieren.
Eine weitere Karikatur: Auf dieser greifen drei Politiker gierig nach der Kohlhof-Klinik, während Mitarbeiter protestieren.
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