Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Bosch und Forscher: Mit 22-Millionen-Projekt Saar-Firmen helfen

Das Saarbrücker Forschungszentrum ZeMA hat den Wasserstoffkreislauf des Homburger Bosch-Werks übernommen.
Das Saarbrücker Forschungszentrum ZeMA hat den Wasserstoffkreislauf des Homburger Bosch-Werks übernommen.

Wissenschaftler nutzen jetzt den Wasserstoff-Kreislauf auf dem Homburger Bosch-Gelände. Warum das Firmen hilft – und wie ein komplett neuer Forschungsbereich entsteht.

Die saarländische Industrie befindet sich im Wandel. Waren die Standorte von Bosch in Homburg und ZF in Saarbrücken einst Vorreiter für die Produktion von Komponenten fossiler Verbrenner, müssen mittlerweile neue nachhaltige Methoden her. Ein vielversprechender Bereich: die Erzeugung von Wasserstoff. Bisher will das aber bei Bosch und im Saarland noch nicht so richtig laufen.

Eine neue Entwicklung gibt jetzt Anlass zur Hoffnung: Das Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) übernimmt nun den Wasserstoff-Kreislauf von Bosch in Homburg. 22,5 Millionen Euro kostet das. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt. 13 Millionen gibt’s aus dem Saar-Transformationsfonds, weitere 9,5 Millionen sollen durch öffentliche und private Mittel kommen, heißt es.

Zentrumschef: Wird regionaler Wirtschaft nutzen

Durch die Übernahme könne künftig der gesamte Weg des Wasserstoffs von der Herstellung über die Speicherung und Verteilung bis hin zur Nutzung unter realen Bedingungen vor den Augen der Wissenschaftler erprobt werden. Das ermöglicht den Wissenschaftlern in Zukunft auch, Wasserstofftechnologien zu entwickeln, zu verbessern und sie schneller in die Anwendung zu bringen. Wichtig dafür ist der Elektrolyseur, mit dem Wasserstoff hergestellt werden kann. Die Anlage spaltet Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff.

Darüber hinaus entsteht am Forschungszentrum ein komplett neuer Forschungsbereich mit Fokus auf angewandte Wasserstofftechnologien, erklärte Paul Motzki, Geschäftsführer des ZeMA. Dies führe zu positiven Effekten für die regionale Wirtschaft sowie für die zukünftige Zusammenarbeit in der Forschung und Lehre. Die Wissenschaftler ziehen auch in Büroräume von Bosch. Die Übernahme soll die Wasserstoffentwicklung im Saarland beschleunigen und damit laut Saar-Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) einen wichtigen Beitrag zur Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit leisten.

Weiterbildungen für Saar-Industrieler

„Mit diesem Schritt bauen wir die Erforschung des Energieträgers Wasserstoff im Saarland gezielt aus und helfen damit Unternehmen, auf klimafreundliche Technologien umzustellen“, betonte Barke. Auch Ingenieure sollen in Zukunft dort ausgebildet und Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte der Saar-Industrie angeboten werden, sagt Barke.

Für Stefan Hamelmann, technischer Werksleiter bei Bosch in Homburg, ist die Übergabe ebenfalls ein Erfolg. Durch den Aufbau der Infrastruktur habe man parallel zur Industrialisierung von Wasserstoff-Erzeugnissen im Werk wertvolle Kompetenzen in den Themen Herstellung und Verwendung von Wasserstoff aufbauen können. Mit der Übergabe an das ZeMA könne das System nun „langfristig zum Nutzen des Landes wissenschaftlich weiterentwickelt werden“.

Ziel: Von 140 auf 200 Mitarbeiter

Das Forschungszentrum wurde 2009 in Saarbrücken gegründet und befindet sich als gemeinnützige GmbH zu rund 60 Prozent im Besitz des Saarlandes. Zusammen mit der Saarbrücker Saar-Uni, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) und der Montan-Beteiligungsgesellschaft als Mitgesellschafter verfolgt das ZeMA das Ziel, wissenschaftliche Innovationen, insbesondere im Bereich Mechatronik, in die industrielle Praxis zu überführen. Das Zentrum soll von aktuell rund 140 auf rund 200 Mitarbeiter bis zum Jahr 2030 wachsen.

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