Neunkirchen
Aus für Kohlhof? Was die Klinik-Chefs sagen
Wenn Kinderklinik, Geburtsstation und Gynäkologie vom Neunkircher Kohlhof nach St. Wendel verlagert werden, würde das auch für viele Zweibrücker längere Fahrtwege und größere Umstände bedeuten. Experten befürchten, dass dann viele Mitarbeiter kündigen werden. Auch die Bürgermeister von Blieskastel, Gersheim und Mandelbachtal schlagen Alarm. Seit der Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung im November angekündigt hatte, diese Abteilungen am Kohlhof schließen und sich künftig auf die Diakonie-Klinik in der Neunkircher Innenstadt konzentrieren zu wollen, regt sich viel Widerstand. Final beschlossen ist aber noch immer nichts.
Es wurden Demos organisiert, eine Petition an den Landtag übergeben, auf der sich bisher knapp 28.000 Unterschriften finden, und auch die Bürgerinitiative „Das Herz des Kohlhofs bleibt hier! Kein Kohlhof ohne Klinik!“ hat sich Ende 2025 gegründet. Sabrina Math hat die Bürgerinitiative zusammen mit Teresa Sciarrotta ins Leben gerufen. Nachdem das Gesundheitsministerium an den Plänen weiterhin festhält – laut Ministerium auch, um „Doppelstrukturen abzubauen“ – hatten sie eine Idee, wie man die Kinderklinik erhalten könnte: Sie möchten das Thema in den Saar-Landtag bringen.
Aus 5000 werden 9500
Diesem Ziel sind die beiden nun ein gutes Stück näher gekommen. Denn für ein solches Vorhaben, die sogenannte Volksinitiative, braucht es mindestens 5000 Unterschriften von Saarländern, die 16 Jahre oder älter sind. Diese Zahl haben sie jetzt fast verdoppelt: 9500 Unterschriften sind zusammengekommen, berichtet Sabrina Math. Viele davon hatte die Bürgerinitiative auch an Infoständen in Neunkirchen eingesammelt. 3700 Unterzeichner kämen aus den Neunkircher Stadtteilen, 2500 aus dem Saarpfalz-Kreis, 600 aus Kirkel, 2000 aus den Regionen Ottweiler, St. Wendel, Schiffweiler und Illingen, sowie 700 aus dem restlichen Saarland.
Eine formelle Hürde gibt es noch: Die Einwohnermeldeämter der jeweiligen Wohnorte der Unterzeichner müssen nun die Unterschriften beglaubigen. Dies würde bis Anfang beziehungsweise Mitte März angepeilt. Sobald die erforderlichen 5000 Unterschriften beglaubigt sind, „kann sich die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen offiziell an den saarländischen Landtag wenden“, erklärt Math.
Viele Unterstützer aus Rheinland-Pfalz
Auch „zahlreiche Unterstützungsbekundungen“ seien aus Rheinland-Pfalz eingegangen. „Diese könnten zwar formal nicht berücksichtigt werden, da für das weitere Verfahren ein
Wohnsitz im Saarland erforderlich ist, unterstreichen jedoch die überregionale Bedeutung des Klinikstandorts“, sagt Math.
Sabrina Math stammt aus dem Neunkircher Stadtteil Kohlhof und hat 2018 und 2020 im Marienhaus-Klinikum Neunkirchen – wie der Kohlhof offiziell heißt – zwei ihrer Kinder zur Welt gebracht. Für sie steht fest: Der Kohlhof muss so bleiben, wie er ist. „Zum einen, weil ich weiß, dass der Kohlhof eine sehr gute Arbeit macht – und weil es mir absolut schleierhaft ist, wie man eine funktionierende, gute Klinik, die auch über die Grenzen des Saarlandes hinaus einen renommierten Ruf hat, de facto zerstören wird. Da hab ich auch einfach Angst, dass die Versorgung meiner Kinder gefährdet ist“, sagte sie uns im Gespräch.
Kündigungswelle befürchtet
Weil in Neunkirchen die Kinderarztversorgung „wirklich grausam“ sei, hat sie einen Kinderarzt in Homburg. Auch für viele Zweibrücker ist die Kinderklinik auf dem Kohlhof wichtig. Nicht nur die Patienten könnte eine Verlagerung der Kinderklinik und der anderen Abteilungen nach St. Wendel vor Probleme stellen: Auch für die rund 550 Menschen, die in der Kohlhof-Klinik arbeiten, ist die Ungewissheit eine enorme Belastung, sagt die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA). CDA-Kreisvorsitzender Thomas W. Schmitt sagt, es gebe einen „großen Widerstand innerhalb der Belegschaft zu einem möglichen Wechsel an den Standort St. Wendel“. Auch, weil die Mitarbeiter vom Kohlhof etwa eine halbe Stunde zur Marienhausklinik St. Wendel fahren müssten.
Schmitt warnt vor einer möglichen Kündigungswelle wegen der „unsicher gewordenen Perspektive“ der Mitarbeiter. Das müsse man vermeiden. „Die Situation mit der unsicher gewordenen Zukunft des Klinik-Standorts und der Verunsicherung der Beschäftigten bedeutet für diese bereits seit mehr als zwei Monaten eine unheimliche Belastung und ist ein andauernder Stressfaktor in ihrem Arbeitsalltag. Es muss bald klar sein, wo die Reise hingeht, damit die Beschäftigten wieder ganz normal und ohne Sorgen ihrer Arbeit nachgehen können“, sagt Schmitt.
Klinik-Chefs: Verlegung nur ein mögliches Szenario
Während der Gesundheitsminister weiterhin an den Verlegungsplänen festhält, sagen die Klinik-Chefs selbst, dass die Verlegung noch gar nicht sicher ist. Eine mögliche Verlegung oder gar Schließung sei nur eines von insgesamt drei Szenarien, die man bisher allesamt dem Gesundheitsministerium präsentiert habe. Eine Verlegung oder Schließung könne bisher lediglich „ein Zielbild in der Versorgungssituation sein“, sei aber „in keiner Weise beschlossen“. Das berichteten Sebastian Spottke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Marienhaus-Gruppe und Lucas Merschbächer, Kaufmännischer Direktor des Marienhaus-Klinikum Neunkirchen, den beiden Gründerinnen der Bürgerinitiative bei einem Treffen.
In einer zweiten Variante soll der Standort Kohlhof sogar gestärkt werden und einen Erweiterungsbau bekommen. Und die dritte Option sähe vor, den Kohlhof „als Schwerpunkt- und Spezialversorger“ einzusetzen, „während das Diakonieklinikum Neunkirchen als Allgemeinversorger für Stadt und Landkreis fungiert“. Alle drei Szenarien würden sowohl die wirtschaftliche Basis des Kohlhofs verbessern als auch den medizinischen Bedarf langfristig decken.