Rhein-Pfalz Kreis Zwei-Euro-Münze, aber keine 20 Liter

«Mutterstadt.» Trotz der „Stadt“ im Namen ist Mutterstadt ein Dorf. Es wird getratscht, Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. In Zeiten von Internet und Facebook erst recht. So wie am Freitag. Da ging eine Meldung von einem Gefahrstoffunfall bei einer Mutterstadter Tankreinigungsfirma durchs Netz, auch bei der RHEINPFALZ. Grundlage war eine Meldung der Speyerer Feuerwehr, die ausgerückt war. Auch der Gefahrstoffzug des Rhein-Pfalz-Kreises war im Einsatz. Viel Wirbel, um ... – ja, um was denn eigentlich? Diese Frage stellte sich auch Alexander Kobler, der stellvertretende Betriebsleiter der betroffenen Tankwagenreinigungsfirma in Mutterstadt, und wunderte sich, welche Konsequenzen es haben kann, aus reiner Vorsicht einen Krankenwagen zu ordern. „Ich hatte die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd im Haus“, sagt Kobler, „und sogar die Kripo.“ Kein Wunder: Die Polizei berichtete am Freitag auf Nachfrage, dass etwa 20 Liter 2,4-Dichlorphenol ausgetreten seien. Ein giftiger Stoff, der etwa zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Mottenschutzmitteln für Kleidung und als Zusatz bei Schuheinlagen verwendet wird. „Auf keinen Fall war es ein Produktaustritt von 20 Litern“, sagt Kobler, der auch damit konfrontiert wurde, es habe bei dem Zwischenfall während einer Tankreinigung eine Verpuffung gegeben. Dichlorphenol sei ein Feststoff, der nicht auslaufen könne. Das Produkt habe etwa die Fläche einer Zwei-Euro-Münze bedeckt. „Es waren vielleicht zwei mal zwei Zentimeter“, sagt Kobler. Weil mit dem Stoff aber nicht zu spaßen ist, klingelten bei ihm alle Alarmglocken. Das Unternehmen rief einen Krankenwagen. Die drei leichtverletzten Männer, 24, 35 und 43 Jahre alt, die mit dem Stoff in Berührung und zur Beobachtung ins Krankenhaus kamen, seien mittlerweile wieder zuhause. Dass beim Stichwort „Gefahrstoff“ offenbar direkt alle verfügbaren Einsatzkräfte mobilisiert wurden, bezeichnet Kobler als „übertrieben“. Er kritisiert, dass die Polizei womöglich falsche Informationen weitergegeben habe. Gestern informierte die Kripo und die Staatsanwaltschaft Frankenthal, dass sie Ermittlungen aufgenommen haben. Für Kobler steht derweil fest: Mit den kursierenden Gerüchten muss er selbst aufräumen.