Rhein-Pfalz Kreis Zur Sache: Die Bohligs

Zwei bedeutende Mutterstadter Bürger sind mit dem erweiterten Straßenschild geehrt worden. Der promovierte Apotheker Franz Joseph Bohlig (1815 bis 1874) war laut Gemeinde ein demokratischer Streiter für Einheit und Freiheit Deutschlands sowie ein engagierter Mäzen Mutterstadts. Sein Sohn Ernst Bohlig (1846 bis 1918) war ein Förderer der Mutterstadter Sportbewegung und galt in seiner Zeit als „stärkster Mann der Welt“. Sein Todestag jährte sich im vergangenen Jahr zum einhundertsten Mal. Volker Schläfer, Mitglied im Historischen Verein der Pfalz, Ortsgruppe Mutterstadt, hat die Lebensgeschichte der Geehrten erläutert. Die Verdienste von Ernst Bohlig um den Mutterstadter Sport und seine Lebensdaten seien bekannt und im Gemeindearchiv und im TSG-Vereinsarchiv dokumentiert, sagt Schläfer. Dass jetzt auch an seinen Vater Franz Joseph, geboten in Unterfranken, gestorben in Mutterstadt, erinnert werde, sei schon vor mehr als 100 Jahren diskutiert worden. „Bohlig war ein engagierter Bürger mit vielfältigen sozialen, kulturellen und politischen Aktivitäten in und für Mutterstadt“, erläutert Schläfer. Schon 1911 beriet der Gemeinderat die Benennung Bohligstraße, als Anerkennung für Vater und Sohn. Ein Jahr später fiel der Beschluss nur für „Ernst-Bohlig-Straße“. Und trotz Änderung in „Bohligstraße“ gab es nur ein Zusatzschild für Ernst Bohlig. Das wurde nun ergänzt. Franz Joseph Bohlig kam 1838 nach Mutterstadt und erbaute 1839 in der Neustadter Straße 22 das heute noch dort stehende Wohn- und Geschäftshaus mit Apotheke. Über ihn schrieb ein Zeitzeuge: „Dies war ein fein gebildeter, wohlwollender und edelgesinnter Herr. Vielen armen Kranken gab er die Medikamente umsonst.“ Der Apotheker hatte eine freiheitlich- liberale Einstellung, war Mitglied im Gemeinderat und im pfälzischen Apothekergremium, Schöffe am Landgericht Zweibrücken und einige Jahre als liberaler Abgeordneter für die Pfalz im bayerischen Landtag. Er initiierte 1867 die Errichtung einer „Höheren Fortbildungsschule“, um Mutterstadter Kinder auf den Besuch einer weiterführenden Schule vorzubereiten. In seinem Testament vermachte Bohlig dem von ihm mitbegründeten Armenverein Geld und stiftete einen „Tugendpreis“ für bedürftige Kinder.
