Rhein-Pfalz Kreis „Wir haben eine Botschaft“
«HESSHEIM.»150 Motorradfahrer von Kolpingfamilien aus ganz Deutschland treffen sich von Freitag bis Sonntag, 1. bis 3. Juni, in Heßheim. Höhepunkt der Veranstaltung, die den Abschluss der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Kolpingfamilie Heßheim bildet, ist ein Motorradkorso am Samstag ab 17 Uhr von Heßheim nach Bobenheim-Roxheim. Um 18 Uhr findet am Altrhein eine Biker-Messe statt. Eva und Christoph Triffterer vom Organisationsteam sprechen im Interview über PS-starke Zweiräder, Papst Franziskus und die Pfalz.
Ich habe eine Honda Fireblade, Baujahr 1993, mit 900 Kubik und 124 PS – eine der ersten Fireblades, die es in Deutschland gab. Christoph Triffterer: (lacht) Ich fahre gar kein Motorrad. Bei den Biker-Treffen bin ich aber auch als Autofahrer voll akzeptiert. Bei den Ausfahrten nehme ich als Sozius teil, allerdings nicht auf der Sportmaschine meiner Frau. Da ist mir die Sitzposition zu unbequem. Man kennt das Kolpingwerk als katholischen Sozialverband. Wie kam es zu der Idee mit den Biker-Treffen? Christoph Triffterer: Es gab früher schon Motorradbegeisterte, die sich Kolping-Biker nannten. Das erste deutschlandweite Treffen fand 2001 statt. Von Anfang an stand neben der Geselligkeit die Aussprache im Mittelpunkt. Seither sind die Treffen immer größer geworden. Dass wir als kleine Kolpingfamilie Ausrichter sein dürfen, ist nicht selbstverständlich. Wie kam es dazu? Christoph Triffterer: Meine Frau und ich nehmen seit 2013 an den Treffen teil. Vor zwei Jahren kam die Idee auf, ob wir das nicht einmal in der Pfalz machen könnten. Das ließ sich dann sehr gut mit den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen unserer Heßheimer Kolpingfamilie verbinden. Eva Triffterer: Da in der Heßheimer Kolpingfamilie außer mir kein zweiter aktiver Motorradfahrer ist, gab es im Vorstandsteam vorab schon Diskussionen. Für alle war aber schnell klar, dass das Biker-Treffen eine tolle Sache ist, um die Idee des Kolpingwerks in die Öffentlichkeit zu bringen. Was erwartet die Teilnehmer an den drei Tagen? Christoph Triffterer: Wir wollen unseren Gästen aus ganz Deutschland die Pfalz zeigen. Abends folgt eine Elwetritschejagd mit dem Kreisbeigeordneten Manfred Gräf. Höhepunkte des Treffens sind am Samstag die 180 Kilometer lange Ausfahrt durch die Pfalz sowie der Motorradkorso durch die Großpfarrei Heiliger Petrus mit anschließender Biker-Messe am Altrhein in Bobenheim-Roxheim. Eva Triffterer: Die Schirmherrschaft für unser Treffen hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, Michael Reith, übernommen. Er wird zwei Tage lang dabei sein. Landrat Clemens Körner wird auf einem Elektroroller am Korso teilnehmen. Unser Diözesanpräses des Kolpingsverbands, Michael Baldauf, der auch die Biker-Messe leiten wird, fährt im Beiwagen mit. Der Motorradkorso am Samstag ist keine reine Spazierfahrt. Die Tour steht unter dem Motto „Die eine Welt – unser gemeinsames Haus“. Worum geht es dabei? Christoph Triffterer: Wir fahren nicht einfach durch die Landschaft. Wir haben eine Nachricht, die wir weitergeben wollen. Wir wollen auf die gemeinsame Verantwortung zur Bewältigung von Krisen und Fluchtursachen aufmerksam machen. Auf die Zusammenhänge zwischen unserem Verhalten und Flucht beziehungsweise der Vertreibung von Menschen in anderen Ländern der Welt hat uns Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si“ gebracht. Eva Triffterer: Es ist interessant, dass sich der Papst mit einem sehr weltlichen Thema beschäftigt. Es zeigt, dass der Mensch für Franziskus im Mittelpunkt steht. Wir wollen mit der Aktion die Leute nicht umkrempeln, aber zum Nachdenken anregen, was jeder einzelne in seinem Rahmen tun kann, damit alle in einer guten Umwelt leben können. Mit einem Motorradkorso kann man auch Menschen erreichen, die sich nicht unbedingt mit solchen Themen beschäftigen. Also handelt es sich eigentlich um eine Demonstration? Christoph Triffterer: Der Korso ist als Versammlung angemeldet. Wir haben aber eine besondere Auflage: Die Motorradfahrer dürfen keine Transparente in der Hand halten. (lacht) Wir beschränken uns auf einfache Schlagworte, die auf die Satteltaschen passen und für die Zuschauer auf einen Blick erfassbar sind. An detaillierte Informationen müssen sie über andere Quellen kommen, zum Beispiel über unsere Internetseite oder bei unseren Themenabenden. Worauf wurde bei der Streckenauswahl für den Korso geachtet? Christoph Triffterer: Wir wollen unseren Gästen viel von unserer Großpfarrei Heiliger Petrus zeigen. Gerolsheim und Beindersheim müssen wir leider auslassen, sonst wird die Strecke zu lang. Wir haben darauf geachtet, dass wir hauptsächlich auf Vorfahrtstraßen fahren, damit wenig abgesperrt werden muss. An größeren Kreuzungen haben wir die Auflage bekommen, sie selbst mit Verkehrszeichen und Abschrankungen zu sichern. Die Polizei sichert eine Ampelkreuzung in Bobenheim-Roxheim. Was passiert, wenn es am Samstag regnet? Christoph Triffterer: Es gibt bei den Treffen einen harten Kern von etwa 50 Bikern – die fahren bei jedem Wetter. Wir haben aber auch einen Notfallplan in der Tasche, damit erst gar kein Regen kommt. (lacht) Für motorradbegeisterte Zuschauer entlang der Strecke: Welche Maschinen sind am Samstag zu sehen? Eva Triffterer: Wir erwarten unter anderem eine Triumph Bonville, eine Triumph Rocket III, eine Harley Davidson Fat Boy sowie mehrere Sportstourer von BMW, Honda, Yamaha und Suzuki. Auch einige Oldtimermotorräder wie eine DKW RT 350 aus dem Jahr 1955 oder eine nur ein Jahr jüngere Maico Letta werden dabei sein. Christoph Triffterer: Wir hoffen auf viele Zuschauer entlang der Strecke, die gerne fotografieren dürfen. Ist die Bevölkerung zum anschließenden Gottesdienst eingeladen? Christoph Triffterer: Alle Interessierten sind eingeladen, den Gottesdienst mit uns in der wunderschönen Atmosphäre am am Altrhein zu feiern. Eine Besonderheit ist die Helmsegnung. Dabei geht es aber nicht um die Helme an sich, sondern um die Menschen, die sie tragen. Im Netz Weitere Informationen zum Biker-Treffen und zum Motorradkorso unter www.bikertreffen2018.kolping-hessheim.de. | Interview: Frank Geller