Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wingertfreunde nach Vandalismus: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“

In ihrem Jubiläumswingert, den sie für die Otterstadter Dorfgemeinschaft gepflegt haben: die Wingertfreunde.
In ihrem Jubiläumswingert, den sie für die Otterstadter Dorfgemeinschaft gepflegt haben: die Wingertfreunde.

Der Schock in Otterstadt sitzt tief: Unbekannte haben nahezu alle 1000 Reben im Jubiläumswingert zerstört. Die Wingertfreunde sind entsetzt. Die Anteilnahme in der Bevölkerung ist groß und macht Hoffnung.

Es ist Montagnachmittag, im Jubiläumswingert im Hochweg neben dem Friedhof am Ortsrand von Otterstadt haben sich rund 15 Personen versammelt. Die meisten gehören zu den Wingertfreunden – eine Gruppe von Otterstadtern, die im Sommer vor acht Jahren 300 Rebstöcke pflanzte, im Frühjahr 2017 folgten 700 weitere. Die Reben wurden durch Spenden finanziert. Anlass für das Projekt war die 1000-Jahrfeier von Otterstadt.

Die Idee hinter dem Jubiläumswingert: Bürger engagieren sich für Bürger und damit für die Dorfgemeinschaft. Die Wingertfreunde pflanzten die 1000 Rebstöcke und kümmerten sich in den folgenden Jahren um die Pflege, die Bewässerung und die Ernte. Aus den Trauben wurde Saft gepresst, der den örtlichen Kitas und der Grundschule zugute kam. Der Rest wurde verkauft, der Erlös wurde für soziale Zwecke gespendet.

Es sind nicht nur Hunderte Stunden Arbeit, sondern auch viel Herzblut, die in dem Weinberg stecken. Das wird deutlich, wenn man in die Gesichter der Wingertfreunde schaut. Ihnen sind die Fassungslosigkeit und der Schock auch am Montagnachmittag noch anzusehen, weil ihnen die Grundlage ihrer Initiative genommen wurde.

Sauber durchtrennt: ein Rebstock.
Sauber durchtrennt: ein Rebstock.

Tränen und Entsetzen

Volker Bergdolt entdeckte am Sonntag als Erster, dass im Wingert etwas nicht stimmt: „Ich habe bemerkt, dass da welke Blätter sind und habe dann gesehen, dass nicht nur ein paar, sondern alle Blätter verwelkt sind.“ Das Ausmaß der Zerstörung zeigte sich dem Wingertfreund, als er durch die Reihen lief. Nahezu alle Stämme der Reben sind vollständig durchtrennt worden. Im Schockzustand rief Bergdolt Theo Böhm an. Der vor Kurzem gewählte und ab Ende August amtierende Ortsbürgermeister erinnert sich: „Ich dachte erst, dass es ein Scherz sei. Es ist immer mal wieder passiert, dass einzelne Reben abgerissen wurden oder ein Stock geklaut wurde“, sagt Böhm. Aber dieses Ausmaß an Zerstörung ist neu und sorgt für Entsetzen. „Ich habe Volker noch nie weinen gehört, aber in diesem Fall war das so“, sagt Böhm über seinen Wingertfreund. Auch die anderen Ehrenamtlichen suchen noch Worte für das, was am Rand von Otterstadt passiert ist.

Die Dorfbewohner haben keine Antwort auf die Frage, wer so etwas macht. Sie vermuten, dass es jemand war, der wusste, was er tut. Der mit einer Astschere, vermutlich mit einer motorisierten durch die Reihen lief und jeden Rebstock einzeln durchtrennte. Einen Hinweis auf den oder die Täter gibt es laut Polizei bislang nicht. Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) hat eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Auch die Wingertfreunde suchten nach Anhaltspunkten. „Wir sind alle Reihen abgelaufen in der Hoffnung, etwas zu finden, das Aufschluss über den Täter gibt“, sagt Silvia Hisgen.

Zuspruch gibt Kraft

Der Schaden wird auf rund 10.000 Euro geschätzt. Das Mitgefühl in der Bevölkerung ist riesig. „Die Menschen sind schon am Sonntagabend zum Wingert gelaufen. Die Anteilnahme ist unglaublich“, sagt Ben Böhm. „Es ist ein Angriff auf die Dorfgemeinschaft“, findet Uwe Stanzl. Er war am Montagnachmittag aus Interesse zu dem Treffen dazugestoßen, will künftig Teil der Wingertfreunde sein und berichtete von Vereinen, die eine Benefizveranstaltung ins Leben rufen wollen. Auch Privatpersonen möchten spenden.

Die Wingertfreunde wollen den Reben nun ein paar Wochen Zeit geben und beobachten, ob sie wieder austreiben. Wenn nicht, müssen alle Vorrichtungen und Rebstöcke entfernt werden. „Dieses und nächstes Jahr werden wir keine Trauben haben. Das ist sicher“, sagt Volker Bergdolt. Sicher ist aber auch, dass die Wingertfreunde nicht aufgeben. Sie sammeln aus dem Zuspruch aus der Bevölkerung Kraft. Alois Hangg, der damals mit seinem Bruder Peter die Idee für den Jubiläumswingert hatte, sagt: „Es ist zwar bitter, aber es geht weiter. Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Lichte Reihen: Die Wingertfreunde haben teilweise schon vertrocknete Reben entfernt. Übrig bleiben die von Unbekannten gekappten
Lichte Reihen: Die Wingertfreunde haben teilweise schon vertrocknete Reben entfernt. Übrig bleiben die von Unbekannten gekappten Stämme.
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