Schulreport RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Schulsozialarbeit Kindern im Dorf hilft

Schulsozialarbeit: Wofür wird sie in kleinen Gemeinden gebraucht?
Schulsozialarbeit: Wofür wird sie in kleinen Gemeinden gebraucht?

Im Rhein-Pfalz-Kreis kümmern sich 18 Sozialarbeiter um Grundschulen – in Hanhofen sorgt Melina Moser für mehr Unterstützung abseits von Noten.

Melina Moser läuft durch den Flur der Grundschule in Hanhofen. Ein junges Mädchen kommt auf sie zu und sagt Moser begeistert, dass sie sich als „Streithelfer“ engagieren will. Moser ist Schulsozialarbeiterin – seit 2022 an der Grundschule in Hanhofen und seit 2021 an der Grundschule im benachbarten Harthausen. In Hanhofen ist sie 9,75 Stunden vor Ort, in Harthausen sind 19,5 Stunden in der Woche bewilligt. „Die Stundenzahl legt der Schulträger fest“, informiert die 33-jährige, studierte Sozialpädagogin. Der Schulträger ist in beiden Fällen jeweils die Ortsgemeinde. Moser ist beim Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) angestellt. Die gemeinnützige GmbH hat ihren Sitz in Frankenthal und bietet soziale Hilfs- und Bildungsangebote an – von Erziehungshilfe über berufliche Bildung bis hin zu Sprachförderung und Unterstützung für Migranten.

Nach Angaben der Fachbereichsleiterinnen Kerstin Löcher und Tanja Fischer gibt es beim ZAB 18 Sozialarbeiter, die sich um 20 Grundschulen im Rhein-Pfalz-Kreis kümmern. Der Bedarf für die Schulsozialarbeit sei da und werde größer, sagen die drei Frauen unisono. Doch warum braucht es in einem kleinen Dorf wie Hanhofen mit rund 2600 Einwohnern – ohne Brennpunkt-Viertel oder Rahmenbedingungen wie an der Gräfenauschule in Ludwigshafen – Schulsozialarbeit? Moser, Löcher und Fischer verdeutlichen, dass es um Unterstützung der Kinder in schwierigen Situationen gehe; dass der Nachwuchs jemanden in der Schule brauche, der zuhört und nichts mit Noten zu tun hat, der Prävention und Projekte für ein besseres Miteinander anstoße und eine wichtige Verbindung zwischen Schule, Familie und Hilfesystemen sei.

Kümmern sich um Schulsozialarbeit: Kerstin Löcher, Tanja Fischer und Melina Moser (von links).
Kümmern sich um Schulsozialarbeit: Kerstin Löcher, Tanja Fischer und Melina Moser (von links).

Alltag der Kinder ist anders

„Es geht vor allem um die Stärkung der Kinder“, sagt Melina Moser. Im Gegensatz zu früher sei der Alltag in der Kita anders strukturiert. Für viele Kinder sei der Start ins Schulleben dann eine große Umstellung. Hinzu komme, dass sie dort auf viele fremde Kinder treffen. „Die Kinder sind nicht mehr alle aus dem gleichen Kindergarten“, sagt Moser. Ihren Angaben zufolge hat sich der Bedarf nach Schulsozialarbeit vor allem seit der Corona-Pandemie verstärkt. Es gebe Kinder, die ihre Schulkarriere im Homeschooling begonnen haben – ohne Klassenverband, ohne Gemeinsinn. Dieses Gefühl musste erst aufgebaut werden. Lehrer könnten ein Unterstützungsangebot neben dem Unterricht gar nicht leisten, das angesichts der unterschiedlichen Lebensrealitäten, in denen Kinder heute aufwachsen, notwendig sei.

Melina Mosers Aufgabe ist es daher, vor allem Ansprechpartner für die Kinder zu sein. „Die Kinder dürfen mich mit dem Vornamen ansprechen. Sie haben eine andere Verbindung zu mir als zu ihrem Lehrer und wissen, dass sie mir vertrauen können“, sagt die 33-Jährige. Ihr werden individuelle und familiäre Probleme geschildert, wie die Trennung der Eltern, der Verlust eines nahestehenden Menschen oder schulische Belastungen wie eine schlechte Note. Wenn das Kind die Erlaubnis gebe, nehme sie auch Kontakt mit den Eltern auf, sagt Moser.

„Jedes Kind hat sein eigenes Tempo“

ZAB-Fachbereichsleiterin Tanja Fischer präzisiert, dass sich die Gesellschaft gewandelt habe. Probleme habe es auch früher gegeben, doch heute werde auch darüber gesprochen, verdeutlicht sie den Unterschied. Außerdem sei die Gesellschaft leistungsorientiert. „Es wird erwartet, dass man sich dem Fortschritt der Gesellschaft anpasst“, sagt Fischer. Damit könne nicht jeder umgehen. „Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Es braucht seine Zeit“, sagt Melina Moser.

Die Sozialarbeiterin macht deutlich, dass Empathie in ihrem Beruf besonders wichtig sei. Die Grundlage sei Vertrauen. Jeder Tag sei anders. Entweder wenden sich Kinder, Lehrer oder Eltern mit aktuellen Themen an die Schulsozialarbeiterin. Oder sie arbeite an ihren festen Projekten weiter. Dabei geht es zum Beispiel in der ersten und zweiten Klasse um Sozialkompetenz. In der dritten Klasse will Melina Moser in Hanhofen das Konzept der „Streithelfer“ etablieren. Drittklässler dürften sich auf freiwilliger Basis melden und sich zum „Streithelfer“ ausbilden lassen. Ziel sei, Kinder zu befähigen, Konflikte selbst zu lösen und damit ein positives und respektvolles Sozialleben zu fördern. „Sie bekommen damit wertvolle Eigenschaften für ihr Leben mit“, sagt Kerstin Löcher.

Im Gegenzug nimmt Sozialarbeiterin Melina Moser viel aus den Begegnungen mit den Kindern mit. Sie erzählt von fröhlichen Momenten, „wenn die Kinder schon lachend morgens auf mich zukommen oder mir Bilder malen“. Sie erinnert sich besonders an einen Jungen, der sehr extrovertiert gewesen sei, und am Ende seiner Grundschullaufbahn auf sie zugekommen sei, sie in den Arm genommen und ihr gesagt habe, dass er sie besonders vermissen werde.

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