Altrip
Wie die Anleger fit für die neue Rheinfähre gemacht werden
Die Funken fliegen an diesem etwas trüben Mittwochmorgen am Anleger der Rheinfähre auf Altriper Seite. Die „Gerda“, das in die Jahre gekommene Schiff, liegt geduldig auf Mannheimer Seite im Schatten des Großkraftwerks vor Anker. Sie hat an diesem Tag wegen der Arbeiten Pause. Das hat allerdings nicht jeder mitbekommen. Auf beiden Seiten sind immer wieder Autos und Radfahrer zu beobachten, die hinfahren. Sie müssen allerdings alle unverrichteter Dinge wieder abziehen. Sprich: wenden und irgendwie irgendwo anders über den Rhein kommen.
Die Arbeiten inklusive Funkenflug sind notwendig, damit die neue Fähre, die im Moment noch in der Lux-Werft in Niederkassel bei Bonn liegt, auch ohne Probleme anlegen kann. Ab 25. Oktober soll sie dann den Betrieb zwischen Altrip und Mannheim aufnehmen. Rund 54 Meter lang und etwa 14 Meter breit wird das neue Schiff sein, und damit wesentlich größer als die Vorgängerin. 35 Autos und 250 Personen sollen draufpassen. Zum Vergleich: Auf der „Gerda“ haben gerade mal 21 Fahrzeuge Platz.
Neue Fähre mit weniger Tiefgang
Der entscheidende Vorteil der neuen Fähre: Sie hat weniger Tiefgang, was in Zukunft für einen dauerhaften Fährbetrieb entscheidend sein kann. Denn immer häufiger ist auf dem Rhein Niedrigwasser zu verzeichnen. Der Tiefgang der neuen Fähre ist 74 Zentimeter im unbeladenen Zustand und 103 Zentimeter, wenn sie voll beladen ist.
Damit die Neue sicher landen kann und alle Passagiere sowie Fahrzeuge sicher auf das Schiff und wieder runterkommen, sind am Mittwoch auf beiden Seiten große, schwere Metallteile an den Anlegern montiert worden. „Es wird jetzt Zeit“, sagt Jürgen Jacob. Der Geschäftsführer der Rheinfähre Altrip GmbH ist schon ein wenig ungeduldig, was den Start der neuen Fähre betrifft.
Fallpoller halten die Fähre
Er zeigt auf die schwarzen Metallteile, die auf dem Weg zum Anleger abgelegt worden sind. Die Einhängevorrichtungen seien im Prinzip schon bekannt an den Anlegern. Gebraucht worden seien sie erstmals, als 2011 die Ersatzfähre zwischen Altrip und Mannheim verkehrte, erklärt Ralf Chevalier, Betriebsleiter der Fähre. Damals ist die „Gerda“ in Speyer um sieben Meter verlängert worden.
Die Konstruktion lässt schon erahnen, wie es am Ende funktionieren soll: Über eine trichterförmige und leicht ansteigende Vorrichtung, quasi eine Einparkhilfe für die Fähre, läuft im Betrieb ein Bolzen, der schließlich in eine Vertiefung fällt. Fallpoller nennen das die Fährspezialisten. Chevalier beschreibt es als Weiterentwicklung des bereits vorhandenen Systems. Die Teile seien modifiziert und modernisiert worden. Eins davon wiegt laut Jürgen Jacob knapp eine Tonne. Auf jeder Rheinseite werden jeweils zwei davon montiert. Weshalb die Fähre auch am Mittwoch irgendwann doch noch zwei Fahrten machen wird: Nämlich um die beiden Einhängevorrichtungen für die Mannheimer Anlegestelle nach Baden hinüber zu transportieren.
Einparkhilfe am Haken
Während ein Mitarbeiter der Lux-Werft die erste der beiden Einparkhilfen am Altriper Anleger schon anschweißt, legt ein weiterer letzte Hand, beziehungsweise Flex an das zweite Stahlteil an. Unsaubere Kanten werden geglättet, damit auch alles genau an seinen Platz passt. Die zweite Einparkhilfe für Altrip hängt derweil schon am Haken eines Gabelstaplers und wartet darauf, an ihren Platz bugsiert und festgeschweißt zu werden.
In der kommenden Woche beginnen laut Jacob dann die Arbeiten an der neuen Spundwand auf der Mannheimer Seite. Die muss für die neue Fähre verlängert werden, weil eben auch das neue Schiff in einer anderen Dimension daherkommt als das alte. Zusätzlich zu der Verlängerung wird es auch eine Sanierung der bisherigen Spundwand, die Mitte der 1950er-Jahre errichtet worden ist, geben. Die Stelle liegt auf der Kurvenaußenseite des Rheins, ist also stärker der Strömung ausgesetzt. Die Kaimauer mit der Spundwand ist dort angebracht, damit das Schiff so eng wie möglich an den Anleger kommt. Die Kosten für das Projekt bezifferte Jacob mit etwa 800.000 Euro.
Die Kosten für die Einparkhilfen sind laut Jacob in der Summe für das neue Schiff inkludiert. Das sind rund acht Millionen Euro. Apropos neues Schiff. Das wird derzeit in der Lux-Werft in Niederkassel den finalen Tests unterzogen, wie der Geschäftsführer der Rheinfähre GmbH erklärt. Darunter seien auch demnächst zwei Tage Betrieb wie in der Realität vorgesehen, quasi als finaler Belastungstest. Dann folge noch die Zulassungsprüfung. Am 25. Oktober soll sie dann in Altrip offiziell den Betrieb aufnehmen.