Speyerer Umland
„Wasser marsch“: Jugendfeuerwehren üben wieder
Fenja Wiemer steht in ihrer Feuerwehrkleidung, mit Helm und Mund-Nasen-Schutz vor der katholischen Kirche in Otterstadt und wirft einen Schlauch aus. Er wird an einen Hydranten angeschlossen. Anna Hoffmann, die den Schlauch mit ihrer Kameradin hält, ruft „Erstes C-Rohr Wasser marsch“, Helfer Julien Baier dreht das Ventil auf, erwidert „Erstes C-Rohr Wasser kommt“ und schon strömt das Nass in hohem Bogen auf den Rasen des Königsplatzes. Die beiden 12-jährigen Mädchen freuen sich, dass sie endlich wieder jeden Mittwoch retten, löschen und schützen üben dürfen. „Es macht einfach Spaß“, sagt Anna Hoffmann. Für sie ist klar, dass sie „im Team Menschen retten und sich ehrenamtlich engagieren“ will. Deshalb strebt sie die Grundausbildung für den aktiven Dienst an, die ab 16 Jahren möglich ist.
Auch für Laura Burkhardt ist ein Leben ohne die Floriansjünger nicht vorstellbar. Sie träumt davon, eines Tages als Feuerwehrfrau zu arbeiten. Ihr Vater ist bei der Berufsfeuerwehr in Ludwigshafen. Die 12-Jährige findet es besonders „cool“ zu funken. Bei einem Übungsabend seien die Mitglieder der Jugendfeuerwehr durchs Dorf gelaufen und erhielten über die Funkgeräte Anweisungen, wo sie als nächstes hin sollen, erzählt Burkhardt. Ihr Kamerad Frederic Hollstein erinnert sich gerne an die Übung im Gerätehaus in Waldsee, bei der mithilfe einer Nebelmaschine ein Brand simuliert wurde und der Feuerwehrnachwuchs mit Kinderatemschutzmasken durch den Raum kriechen und Türen öffnen durfte. „Das war sehr lustig“, sagt der Elfjährige.
„Einsatz und Tschüss“
Hollstein ist der einzige Junge bei der derzeit fünfköpfigen Jugendfeuerwehr in Otterstadt. In diesem Bereich seien es häufig mehr Mädels als Jungs, sagt Jugendwart Nico Pinger, der sich mit Christopher Geier um den Feuerwehrnachwuchs kümmert, seit die Jugendwehr vor zwei Jahren gegründet wurde. Pinger hofft, dass die Mädchen dabei bleiben und später in den aktiven Dienst übertreten, denn derzeit gebe es in Otterstadt keine Feuerwehrfrau, die mit den Kameraden in den Einsatz fährt.
Die Einsätze waren in den vergangenen Monaten die einzige Gelegenheit, bei der sich die aktiven Wehrleute trafen. „Es war aber nur der Einsatz und dann hieß es ,Tschüss’ und ,Auf Wiedersehen’“, beschreibt der 23-jährige Pinger die Situation. Üben und Zusammensitzen waren nicht möglich, denn die Wehr darf durch einen Corona-Fall nicht außer Gefecht gesetzt werden, sondern muss einsatzbereit bleiben.
Damit dies trotz der Übungsabende weiterhin gewährleistet ist, treffen sich die 166 Aktiven in den vier Wehren in der Verbandsgemeinde Rheinauen laut Wehrleiter Michael Jaspers jeweils in zwei Gruppen zeitlich getrennt voneinander. Da die Gruppen maximal aus 25 Kameraden bestünden, sei es auch möglich, danach noch in den Gerätehäusern unter Einhaltung der Corona-Auflagen zusammenzusitzen und die Gesellschaft zu genießen. Somit gibt es wieder „eine feste Größe im Wochenplan“, sagt Jaspers, der in diesem Zusammenhang erwähnt, dass manch einem im Homeoffice die Decke auf den Kopf gefallen sei.
Leidenschaft lebt weiter
Die Übungspause hat der Leidenschaft der Feuerwehrleute für ihr Hobby keinen Abbruch getan. Die Befürchtung, dass sich vor allem neue Mitglieder von der Wehr entwöhnen, ist nicht wahrgeworden. Sowohl bei den Aktiven, als auch bei den drei Jugendwehren gebe es Corona-bedingt keine Mitgliederverluste, sagt Jaspers. Ihm zufolge hat die Jugendfeuerwehr in Neuhofen sogar Kinder dazugewonnen. Dort boten die Jugendwarte in den vergangenen Monaten Übungsabende über eine Videokonferenzplattform an.
Auch bei den Feuerwehren in den Verbandsgemeinden Römerberg-Dudenhofen und Lingenfeld gibt es nach Angaben der Wehrleiter Stefan Zöller und Steffen Andres keine Corona-bedingte Fluktuation. In den Gerätehäusern in Freisbach, Weingarten und Westheim werde es jedoch eine Herausforderung, die Kameradschaft zu pflegen, weil die Häuser sehr klein seien und es dadurch schwierig sei, zusammenzusitzen und gleichzeitig die Corona-Auflagen einzuhalten, sagt Wehrleiter Steffen Andres. Dort soll nun noch eine Lösung gefunden werden.