Leute im Landkreis
Warum Ute Henn so gerne zur Polizei wollte
„Ich konnte mir einen Büroberuf mit täglichen festen Zeiten und Abläufen nicht vorstellen. Ich brauche Abwechslung“, sagt Ute Henn. Sie wurde 1973 im rheinland-pfälzischen Saarburg geboren und ist dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Polizisten gab es bis dahin in der Familie keine, der Vater ist Metzgermeister, beide Eltern engagieren sich im Verein Lebenshilfe und arbeiten mit Menschen mit Behinderungen. Die jüngere Schwester wurde Erzieherin und arbeitet auch bei der Lebenshilfe. „Vielleicht habe ich die Motivation zu helfen von zu Hause mitbekommen“, meint die Polizeihauptkommissarin heute. Die Idee „Freund und Helfer“ zu sein, habe ihr jedenfalls gefallen.
Mit 17 Jahren bewarb sie sich nach der mittleren Reife in Rheinland-Pfalz und Hessen für die Polizeiausbildung. „Wenn das nicht geklappt hätte, wäre ich weiter zur Schule gegangen“, habe sie überlegt. Sie schaffte den Aufnahmetest und wurde in Rheinland-Pfalz angenommen, die Ausbildung begann in Enkenbach-Alsenborn bei der Ausbildungshundertschaft der Bereitschaftspolizei. Ihr erstes Praktikum machte sie in der Polizeiinspektion ihrer Heimat Saarburg – und war die erste Frau dort. „Die Männer wussten zuerst nicht richtig, was sie mit mir anfangen sollen“, erzählt sie schmunzelnd.
Allein unter Männern
Für die damals 19-jährige Jungpolizistin waren das alles „alte Männer“. Die trafen sich nach der Schicht, besprachen den Dienst und die nächsten Tage – aber davon wusste sie zunächst nichts. Später sei sie aber doch dazu gekommen. Es brauchte offenbar für beide Seiten etwas Eingewöhnung. „Für die älteren Kollegen war das etwas Neues und ich musste mich auch erst einfinden“, sagt Ute Henn im Rückblick. Das sei auch fordernd gewesen. Wichtig sei, wenn mal etwas nicht glatt lief, das nicht persönlich zu nehmen. Explizite Zurücksetzung als Frau habe sie nicht erlebt, erklärt sie auf Nachfrage. Gleichwohl müsse man sich Respekt erarbeiten – was aber für jede Führungsposition gelte, ob Mann oder Frau. „Man muss als Frau ,seinen Mann stehen’, aber das will man ja auch selber“, sagt sie.
Der Weg in die Führungsverantwortung begann für Ute Henn 2004 mit der Weiterqualifizierung zum gehobenen Dienst. 2006 wurde sie dann stellvertretende Dienstgruppenleiterin in der PI Frankenthal, 2013 wurde sie Dienstgruppenleiterin bei der PI Ludwigshafen II. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Leitung der Sonderwache für Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl in Oggersheim. 2015 wurde sie Stellvertretende Leiterin und übernahm die Abwesenheitsvertretung der Leitung in Oggersheim. Zusammen mit der Sonderwache war sie für etwa 40 Polizeibeamte verantwortlich.
Bürgerpolizei auf dem Land
2021 wurde Ute Henn stellvertretende Wachleiterin in Maxdorf. Diese Polizeiwache ist zuständig für Maxdorf, Birkenheide und Fußgönheim, sowie die Ortsgemeinde Lambsheim, alles zusammen sind das 20.000 Bürger. Insgesamt arbeiten elf Polizeibeamte, davon zwei Bezirksbeamte auf der Wache. Sie machen werktags Dienst von sieben bis 19 Uhr und samstags und Feiertags von neun bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten sind die Kollegen der PI Frankenthal als Ansprechpartner zuständig. Die Arbeit im eher ländlichen Maxdorf sei anders als in den Städten, aber das sieht die neue Leiterin positiv. Die Idee der Bürgerpolizei mit Kontakt und Nähe zur Bevölkerung werde hier gut umgesetzt. Auch sei der Respekt im Umgang anders als in städtischen Brennpunkten. „Man kennt sich hier gegenseitig und grüßt sich, das finde ich sehr angenehm“, sagt die neue Wachleiterin.
Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Leiter Andreas Frank sei sehr gut gewesen und sie war schon in die Leitung gut eingebunden. Viele der bisherigen Ideen wolle sie weiterführen und ausbauen. Ein Schwerpunkt soll dabei die Prävention und Beratung sein. Das sei auch wichtig für das Sicherheitsgefühl der Bürger. Dazu werde es Informationsveranstaltungen geben zu besonderen Themen. Als Beispiele nennt Ute Henn Aufklärung über Betrugsmethoden, die auf ältere Mitbürger zielen, Sicherheit im Straßenverkehr für Senioren, Veranstaltungen für Eltern. Außerhalb der Dienstzeiten treibt Ute Henn gerne Sport und geht mit Mann und Hund gerne in der Pfalz wandern. Entspannung findet sie auch beim Malen, in ihrem Büro hängt eines ihrer Bilder.