Rhein-Pfalz Kreis „Würdiges Leben ermöglichen“

Zu einem „Flüchtlingsmahl“ lädt der Helfer- und Unterstützerkreis Asyl Worms für morgen, Mittwoch, zwischen 16.30 und 18 Uhr auf den Rathausplatz ein. Mit dieser Installation zur Ernährung von Flüchtlingen in Wormser Gemeinschaftsunterkünften soll der Stadtrat – parallel zur Sitzung – an seine Zusage erinnert werden, statt Vollverpflegung Selbstversorgung zu ermöglichen. Der Helferkreis mahnt, „dies nicht länger auf die lange Bank zu schieben“.

„Selbstverpflegung ist kostengünstiger“, so Rolf Rech-Wahl vom Helferkreis. Denn man spare Kosten für Transport oder Aufwärmen des Cateringessens. Zudem sei das Auszahlen von Essensgeld, das selbstständige Einkaufen und die Selbstverpflegung ein wichtiger Schritt, um eine selbstbestimmte, eigenverantwortliche, aktive Lebensführung von Flüchtlingen zu fördern. „Für die Betroffenen ist die Verpflegung ein sehr zentrales Anliegen.“ Ein Großteil der Flüchtlinge nehme die angebotene Verpflegung nicht an, sagt Rech-Wahl. Das habe nichts mit „geschmäcklerischem Rumgestochere im Gemüse zu tun“, sondern an unterschiedlichen kulturellen Bedürfnissen der Menschen. In den beiden Gemeinschaftsunterkünften bestünden bereits Küchen oder Teeküchen, die von der Stadt nachgerüstet werden sollen. In einem Gebäude sollen sie auf Anordnung der Feuerwehr zum Brandschutz noch zusätzlich mit Türen ausgestattet werden. Trotz dieser Mängel werde dort bereits gekocht, so der Helferkreis. Neben der warmen Mittagsmahlzeit des Caterers würden Lebensmittel ausgegeben, zum Teil fürs Wochenende, an dem es keinen Cateringdienst gibt. „Reis, Zwiebeln, Nudeln, Kartoffeln, die wird man wohl ungern roh essen wollen – also muss entgegen aller Brandschutzbestimmungen gekocht werden“, sagt Rech-Wahl. Bereits im Juni hat die Stadt ihr neues Unterbringungskonzept vorgestellt, das zwar nach wie vor Gemeinschaftsunterkünfte vorsieht, jedoch, wie die Stadt betont, „im kleineren Rahmen“, teilweise sogar mit Einzelzimmern und verteilt auf das Stadtgebiet. Das heißt, die Verwaltung will verstärkt in Stadtteilen Wohnraum suchen. Erfolgreich war sie etwa in Rheindürkheim, wo sie durch Vermittlung der Ortsverwaltung drei Wohnungen für drei- bis vierköpfige Familien und ein Gebäude als Wohnheim für 35 alleinstehende Personen anmieten konnte. Laut Stadt lebt inzwischen ein Drittel der Asylbewerber in „üblichen Wohnverhältnissen“. „Diese Unterkünfte kennen wir nicht, aber der Großteil der Asylbewerber lebt in zwei Unterkünften, einer nur für Männer, einer zweiten für Frauen und Familien“, so Rech-Wahl. Und hier bestünde Handlungsbedarf. „Wenn Sie in das Wohnheim für Männer reingehen, kriegen Sie Beklemmungszustände“, schildert der Vertreter des Helferkreises. Dort müssten die Männer oft über Jahre in beengten Zimmern ohne jede Intimsphäre leben. Nur in Einzelfällen, etwa aus gesundheitlichen Gründen, käme ein Einzelzimmer in Frage. Die Selbstverpflegung solle forciert, vorhandene Küchen erweitert werden – so hieß es im Juni. „Es ist angebracht, die Stadt daran zu erinnern“, so Rech-Wahl. Laut dem Unterbringungskonzept der Stadt sollen zudem feste Sprechzeiten für soziale Beratung und Beistand in Konfliktsituationen angeboten werden. Die Aufrüstung der Küchen ist nach Meinung von Rech-Wahl weniger eine finanzielle Frage als eine des Asylbewerberleistungsgesetzes. Das stamme aus einer Zeit, „als das Boot voll war und wo es darum ging, den Aufenthalt in der Bundesrepublik so unattraktiv wie möglich zu machen“. Die Unterstützung in Form von Sachmitteln statt Geld „atme diesen Zeitgeist“. Diesen zentralen Punkt gelte es nun zu überwinden, fordert der Helferkreis. Den Menschen solle eine materielle Existenz gewährleistet werden, mit der „ein würdiges Leben möglich ist“. (cei)

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