Rhein-Pfalz Kreis Von wegen stilles Örtchen

Mit Münzeinwurf oder ohne? Mit Hochdruck-Fußbodenreingung oder ohne? Ein perfektes Toilettenhäuschen wirft eine ganze Menge Frag
Mit Münzeinwurf oder ohne? Mit Hochdruck-Fußbodenreingung oder ohne? Ein perfektes Toilettenhäuschen wirft eine ganze Menge Fragen auf. Auch im Mutterstadter Bauausschuss.

«Mutterstadt.»Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) verbucht für seine lakonische Feststellung im Bauausschuss herzhafte Lacher – eine gelungene Trockenübung für seinen Auftritt bei der Prunksitzung der Fasnachter. „Es gibt nichts, worüber man länger reden kann ...“ Unrecht hat der Bürgermeister mit diesem Satz sicher nicht. Und der Mensch redet nicht nur gerne über, sondern auch auf Klohäuschen. So ein Klohäuschen ist eben eine ganz wichtige Sache. Schon den alten Römern diente das vermeintlich stille Örtchen als willkommener Treffpunkt und Informationsbasar, wo sich die Reichen und Mächtigen, Intellektuellen und Julius-Normal-Bürger sozusagen auf einer Sitzhöhe austauschen konnten. Glaubt man der Überlieferung, wurde selbst diese ausscheidungsvolle, sonst aber eher wenig gewinnbringende Zeit damit halbwegs sinnvoll genutzt. Ein soziales Netzwerk der Antike. Manch einem sollen seine Äußerungen auf dem Abort jedoch teuer zu stehen gekommen sein – vor allem böse Witzchen auf Kosten einflussreicherer Zeitgenossen. Teuer zu stehen kommen soll die moderne Toilettenanlage im heutigen Mutterstadt natürlich niemanden. Doch einen kleinen Obolus sollen die Bürger dann doch entrichten. „Damit da nicht einfach jeder aus Jux und Tollerei reingeht“, begründet Bürgermeister Schneider. Dazu muss das gute Stück gegenüber den bisherigen Planungen um eine elektro-mechanische Münzwurf-Automatik erweitert werden. Das hat der Hersteller von Klohäuschen bei einem Vor-Ort-Termin vorgeschlagen – und hat, wo er schon dabei war, noch einige weitere, sinnvolle Optionen angeregt, damit die Erleichterung der Bürger nicht zur Belastung für die Gemeinde wird. Zum Beispiel könnte eine automatische Hochdruck-Fußbodenreinigung eingebaut werden – falls doch mal jemand das sicher großzügig bemessene Ziel knapp verfehlt. Dass dafür neben den schon genehmigten 106.000 Euro zusätzliche 15.500 Euro anfallen, schmälerte die Begeisterung der Ausschussmitglieder für den vollausausgestatten Bürger-Lokus etwas. Besonders bitter stieß Ulf-Rainer Samel (CDU) auf, dass es zunächst so schien, als wären diese Extras im Angebot des Herstellers schon enthalten. Er forderte daher künftig eine bessere Vorbereitung – damit die Ratsunterlagen nicht wieder zum Runterspülen sind. Mit der Extra-Ausstattung waren dann letztendlich aber trotzdem alle einverstanden. Daneben galt die Aufmerksamkeit der Politiker der Wartung des Rundum-Sorglos-Klos. Schließt die Gemeinde mit dem WC-Fabrikanten nämlich einen Wartungsvertrag für jährlich 3400 Euro ab, steigt dessen Garantie von zwei auf vier Jahre. Doch ist das wirklich nötig? Hält die Entsorgungstechnik nicht ohnehin durch? Wäre es vielleicht günstiger, anstelle der selbstreinigenden Technik auf menschliches Fachpersonal zurückzugreifen? Von der letzten Idee hielt der Bürgermeister nichts: „Ein Toilettenhäuschen an diesem Standort muss permanent gereinigt werden, sonst ist es nach einem Tag nicht mehr benutzbar.“ So viel zur fehlenden Zielautomatik der Zielgruppe. Doch die Zweifel an der Wartung und deren Notwendigkeit vermochte er nicht zu zerstreuen. Deshalb soll nun unter anderem bei Kommunen, die solche Anlagen betreiben, nachgeforscht werden. Zum Beispiel – und das ist kein Wortwitz – bei Landstuhl. Das passt nicht zuletzt deshalb, da diese Gemeinde mit netten Toiletten wirbt: „Saubere und gut ausgestattete Örtchen in City-Lage.“

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