Rhein-Pfalz Kreis Von tanzender Spionin bis zum Rätsel im Pfälzerwald

Im Garten von Georg Mergler in der Drachenfelsstraße: Rheinschulleiter Andreas Mock liest aus „Rumo“ von Walter Moers.
Im Garten von Georg Mergler in der Drachenfelsstraße: Rheinschulleiter Andreas Mock liest aus »Rumo« von Walter Moers.

Unter strahlend blauem Himmel haben es sich am Sonntag die Besucher der Veranstaltung „Lesegärten“ an sechs Orten in Bobenheim-Roxheim bequem gemacht, um in die Welt der Literatur einzutauchen. Das Prinzip: Mehr oder weniger bekannte Menschen lesen jeweils zur vollen Stunde 30 Minuten lang aus ihren Lieblingsbüchern vor, vom Pfalzkrimi über Fantasyroman bis hin zum Klassiker.

An der Rathauswiese riecht es nach Räucherstäbchen. Semira will dort aus dem Roman von Paolo Coelho über das Leben der Mata Hari vorlesen und – ein Novum in der Veranstaltungsreihe – das Gelesene auch tanzen. Die Frankenthalerin, die im wahren Leben Birgit Karg heißt, hat in den vergangenen Jahren für die RHEINPFALZ von den Lesegärten berichtet. Dieses Mal haben die Veranstalter sie um Mitwirkung gebeten, berichtet Organisatorin Lisa Grau. An ihren orientalisch dekorierten Leseplatz hat Semira einen alten Reisekoffer mitgebracht, dessen Inhalt Einblick in das aufregende Leben von Mata Hari gibt, jener exotischen Tänzerin, die vor 100 Jahren als Doppelagentin hingerichtet wurde. Semira verschwindet immer wieder kurz hinter dem Paravent, um für die nächste Sequenz im veränderten Outfit zu erscheinen und die Passage aus dem Buch in einen Tanz zu verwandeln. In der nahen Eschkopfstraße hat es sich Jürgen Hellmann, der künstlerische Leiter des Frankenthaler Theaters Alte Werkstatt (TAW), am Bistrotisch mit Barhocker gemütlich gemacht und liest aus dem Buch „Owen Meany“ von John Irving die höchst amüsante Passage über die Krippenspielprobe. Die Titelfigur ist kleinwüchsig und mit einer Stimme belastet, die ihm viel Spott einbringt. Doch wie man aus der Romanszene erfährt, ist er auch fähig, seine Mitschüler zu manipulieren. Also ergattert er die Rolle des Jesuskinds und macht es sich vorne im Rampenlicht auf weichem Stroh bequem. Jürgen Hellmann stellt die Pfiffigkeit des Kleinen heraus und schildert zur Freude der Zuhörer den Frust der Mitschüler bei der Vergabe der Rollen von Ochs und Esel. Hellmann erzählt zudem aus dem TAW-Leben, in dem so mancher Schauspieler ebenfalls nicht glücklich mit seiner Rolle war. Weiter geht es in die Donnersbergstraße. Im gut gepflegten Privatgarten darf der Zuhörer zwischen weich gepolsterten Stühlen, einer Hollywoodschaukel und einem Strandkorb wählen. Für den Platz unterm Kirschbaum haben sich Christel und Manfred Gräf entschieden, um dort aus dem Pfalzkrimi „Elwenfels“ von Britta und Christian Habekost zu lesen. Wegen der stimmlichen Unpässlichkeit von Christel Gräf sprang als Unterstützung Hausherrin Sylvia Lobocki ein. Erzählt wurde von der Schwierigkeit, die einem Nordlicht widerfahren kann, wenn es in einem Kriminalfall an der Weinstraße ermittelt. Verwundert über die „getupften Blumenvasengläser“, die man ihm aufdrückt und darüber, wie köstlich deren Inhalt und die „krumme Beeren“ mit weißem Käs’ schmecken können, findet der im Schorletrinken Ungeübte keine Unterkunft mehr und übernachtet im Wald im Auto. Da wird er unsanft geweckt. Und auch das kann bei den Lesegärten passieren: Gerade als die Spannung am höchsten ist und im Buch ein Angreifer mit glühenden Augen erscheint, springt der Hund des Hauses in den Garten, und alle müssen lachen.

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