Rhein-Pfalz Kreis Von der Socke bis zum Hochzeitskleid

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Häkeln, stricken, nähen, sich austauschen bei Kaffee und Kuchen: Seit 15 Jahren gibt es den Internationalen Handarbeitskreis im Heuchelheimer Heimatmuseum. Zehn Frauen aus der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim und Frankenthal sind regelmäßig dabei. Ein Besuch.

Donnerstag, 15 Uhr. Noch bevor man die Tür zum Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Heimatmuseums öffnet, dringt lautes Stimmengemurmel und Lachen ans Ohr des Besuchers. Drinnen sind Melitta Hüther aus Heßheim, die den Handarbeitskreis organisiert, und die bestens gelaunten Damen dabei, die Kaffeetafel in der Mitte des Raums zu decken. Noch schnell den Kuchen auf den Tisch stellen, ein paar Stühle holen, Platz nehmen, Nadel und Wolle auf den Schoß legen – und los geht’s. Mit ein paar Wollresten und flinken Fingern strickt die Frankenthalerin Wiltrud Schwab Socken. Die verschiedenen Handarbeitstechniken habe sie bereits in ihrer Jugend gelernt, klar – aber dann lange nichts gemacht. Erst vor ein paar Jahren hat sie das Häkeln und Stricken wiederentdeckt. Jetzt fertigt sie für die Enkel Socken, Schals, Pullover, Kleider. Die Enkelin, vier Jahre alt, liebe die selbstgenähten Kleider von der Oma – und wolle seitdem keine Hosen mehr anziehen, erzählt Schwab stolz. Braucht eine Teilnehmerin Hilfe bei einem bestimmten Kniff, muss sie einfach nur in die Runde fragen – oder in einem der Lehrbücher nachschauen, die die Frauen mitgebracht haben: Ajourstickerei erklärt das eine, die tunesische Häkelkunst das nächste. Und daneben liegen dünne Bände, filigran und kunstvoll gestaltet: „Beyers Handarbeitsbücher der Deutschen Moden-Zeitung“ aus dem Jahr 1920. Weißstickereien werden darin Schritt für Schritt beschrieben, für Taschentücher, Taghemden, Kragen, Schürzen und Sonnenschirme. Anni Vogel, 75 Jahre alt, hat die historischen Bände im Antiquariat entdeckt. Im Jahr 2000 gründete die Beindersheimerin mit der ehemaligen Leiterin des Heimatmuseums, Renate Klamm, den Handarbeitskreis. „Ich fand es schade, dass die alten Techniken verloren gehen.“ Dabei sei Handarbeit eine Arbeit für alle Sinne und mit allen Sinnen. Besonders am Anfang müsse man sich voll konzentrieren, um keine Fehler zu machen. Gleichzeitig könne man sich bei der Handarbeit prima entspannen. Am Handarbeitskreis schätzt Vogel außerdem, dass er in der Tat international ist: „Über unsere ausländischen Mitstreiterinnen erfahren wir vieles über deren Heimatländer, sie bringen Neuigkeiten und Rezepte mit. Das ist sehr spannend.“ Zwei von ihnen sind Clare Sorowka und Grete Pettersen aus Frankenthal. Sorowka ist gebürtige Südafrikanerin, seit 15 Jahren lebt sie mit ihrem deutschen Mann in der Pfalz. Zum Handarbeitskreis kam sie über Anni Vogel, die sie bei einer Busreise nach Prag kennenlernte. Ihre Lieblingsdisziplin ist das Stricken, aber auch ihre gesamte Kleidung – Jeans, Kleider, Pullover – näht Clare Sorowka selbst. „Ich mache Handarbeit, seit ich denken kann.“ Ihre größten Arbeiten: ihr eigenes Hochzeitskleid und das ihrer Schwiegertochter. „Das dauert schon vier bis sechs Wochen.“ Auch Grete Pettersen ist der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Zum Handarbeitskreis kommt sie nicht nur des fachlichen Austauschs wegen, sondern vor allem wegen des persönlichen: „Der Kreis ist toll, um neue Kontakte zu knüpfen. Ich habe hier und in der Frankenthaler Patchworkgruppe viele Freundinnen gefunden.“ Seit 1988 lebt Pettersen im Wechsel in Frankenthal und ihrer Heimat Norwegen. Dort, erzählt sie, würden Handarbeiten und insbesondere das Stricken viel stärker gepflegt. Einen Eindruck, den auch der Rest der Runde hat: Dass Handarbeit in der Schule wie zu Hause immer seltener auf dem Lehrplan zu stehen scheint, finden die Frauen schade. Ein Blick rundum scheint ihrer These recht zu geben: Die Jüngste im Kreis ist 58 Jahre alt. Aber dann erzählt Anni Vogel, wie sie ihren Enkelinnen das Stricken beigebracht hat: Bei Regenwetter in den Sommerferien habe das prima gegen die Langeweile geholfen. Kinder fürs Nähen, Stricken und Häkeln zu begeistern, das würde auch Organisatorin Melitta Hüther gerne angehen. Regelmäßig einen Handarbeitskreis für Kinder zu organisieren, wie es ihn bis vor einigen Jahren auch gab, sei schwierig. „Unter der Woche und am Wochenende fehlt vielen Eltern und Kindern heute die Zeit. Aber mal in den Ferien einen Kurs anzubieten, in dem Kinder die Grundlagen wie einen Knopf anzunähen oder einen Saum umzunähen lernen, wäre toll.“ (nasu)

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