Rhein-Pfalz Kreis Von Abfall bis Zebrastreifen

Treffpunkt Wochenmarkt: Am RHEINPFALZ-Stand gab es viele Themen und angeregte Gespräche.
Treffpunkt Wochenmarkt: Am RHEINPFALZ-Stand gab es viele Themen und angeregte Gespräche.

«Mutterstadt.»Trotz der Größe der Gemeinde: Man kennt sich in Mutterstadt. An den Marktständen und am Zelt der RHEINPFALZ gibt es viele Begrüßungen und Geflachse. Da wird mal nach dem runden Geburtstag gefragt, nach dem werten Befinden nach einer Operation, oder es schallt ein munteres „Un, schunn ausgschloofe?“ über den Platz vor der Neuen Pforte. Kaum ist der erste Kaffee in die blaue RHEINPFALZ-Dubbetasse gefüllt, geht es aber um das Thema Müll. Dass Mitmenschen ihre Abfälle achtlos in die Gegend werfen oder Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht entfernen zum Beispiel, beklagen einige Besucher. Das bringt auch Hannelore Klamm (69) auf die Palme. Die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete moniert, dass die Mitarbeiter des Bauamts aus den öffentlichen Abfalleimern Privatmüll fischen müssen, oder dass in den Containern auf dem Friedhof immer mal wieder Haushaltsmüll lande. Dass das neue Pflaster in der Ortsmitte, „für viel Geld aufwendig neu gemacht“, wie ein 74-Jähriger anmerkt, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben will, gerade im Bereich der Außengastronomie schon verfleckt sei, „das ärgert mich“, sagt der Mann. Die zunehmende Anzahl von Steinwüsten in den Vorgärten findet parteiübergreifend wenig Vorliebe: Hannelore Klamm und der frühere Kreisbeigeordnete Konrad Heller (CDU) sind da ganz einer Meinung. Dem 77-Jährigen gefallen auch hohe Kunststoffzäune nicht, die in Mutterstadt manche Gärten umschließen. Seit 37 Jahren wohnt Robert Hauck in Mutterstadt und noch viel länger, seit 42 Jahren schon, ist der 73-Jährige treuer RHEINPFALZ-Leser. In Mutterstadt fühlt er sich sehr wohl, die Ortsmitte findet er sehr gelungen. „Es gibt nur einen Schwachpunkt: die fehlenden Radwege“, sagt er. Er hätte sich gewünscht, dass dies bei der Planung bedacht worden wäre. Außerdem fehle es auch an Radwegen in den Nebenstraßen, auf denen Mutterstadt auf dem Weg vom Rhein bis an die Haardt angenehm durchquert werden könne. „Diese ständig verunreinigten Radwege zwischen Mutterstadt und Dannstadt – die ärgern mich sehr“, sagt Monika Schneider. Als sie in der RHEINPFALZ gelesen hat, dass die Redaktion wieder auf dem Mutterstadter Wochenmarkt ist, habe sie sich gleich aufs Radel geschwungen, um das mal am Stand loszuwerden. Nass und matschig seien die Wege, „warum können die Bauern nicht ihre Beregnung so einstellen, dass nicht der ganze Weg unter Wasser steht?“, fragt sie. Außerdem ärgert es sie, dass die Umgehungswege von der Landwirtschaft oft nicht genutzt werden. Besonders in den frühen Morgenstunden „wird lieber mitten durch den Ort gefahren“, so ihre Erfahrung. Auch über Verkehrslärm und gefühlt mehr Verkehrsaufkommen beklagt sich Sandra Lutzenberger. Sie wohnt in der Ortsmitte und seit der Umgestaltung „ist es lauter hier geworden“, sagt sie. Dennoch gefalle ihr der neue Ortskern. Und auch Birgit Pleil findet Mutterstadts Mitte sehr schön. „Besser wäre es aber gewesen, einen Kreisverkehr zu bauen“, sagt sie. Dafür wäre ihrer Meinung nach genug Platz gewesen. Die Rechts-vor-links-Lösung sei eine schlechtere Variante als die Ampelkreuzung, die zuvor den Verkehr an der Hauptkreuzung regelte. „Es ist ein Wunder, dass noch kein größerer Unfall passiert ist“. Auch die neuen Überquerungshilfen für Fußgänger seien nicht optimal. An diesen müssten Autos ja nicht zwingend halten wie an einem Zebrastreifen. Warum da eigentlich keine Zebrastreifen installiert wurden, „das verstehe ich nicht“, sagt Birgit Pleil. Monika Vogel ist der gleichen Meinung. „Vielen Fußgängern sei nicht bewusst, dass sie kein Vorrecht haben. Da kam es schon zu gefährlichen Situationen“, erzählt sie. Zebrastreifen wären besser gewesen. Birgit Pleils Mutter Erika Geschwill-Pleil sieht das genauso. Dennoch, der neue Ortskern gefällt auch ihr sehr. Jetzt müsse nur noch der Platz vor der Neuen Pforte gemacht werden. Der Baubeginn sei ja bereits für den Winter geplant, merkt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) an, der auch zum RHEINPFALZ-Stand gekommen ist und eine ganze Reihe von größeren Vorhaben der näheren Zukunft aufzählen kann. Die Planung für die Neue Pforte werde am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt. Ob dann auch Abhilfe geschaffen werden könne gegen die vielen Graffiti an Fassaden oder Mauern an der Neuen Pforte, will Gabriele Wandt wissen. Schwere Frage .... Seit 1980 wohnt die 62-Jährige in Mutterstadt, „und ich will hier nicht mehr weg. Hier hat man alles, was man braucht“, lobt sie, wie überhaupt einige am Stand die Infrastruktur mit Geschäften, Ärztehaus oder Gastronomie schätzen. Mit der RHEINPFALZ ist sie sehr zufrieden, sagt Wandt, liest sie im Urlaub online, „aber sonst will ich sie auf Papier“. Das bekräftigt auch Doris Hauck (65), die Trennungs- und Tippfehler moniert, aber mit der Berichterstattung zufrieden ist – ebenso wie Joachim Hüther (64), der seinen Zusteller für frühe und pünktliche Belieferung lobt. Von einem RHEINPFALZ-Bericht hat sich Werner Wiesenbach gar inspirieren lassen, genauer von einem Foto vom Flugtag auf dem Mannheimer Flugplatz. Den abgebildeten Doppeldecker hat er als Holzspielzeug nachgebaut und zum Stand mitgebracht. Seit 28 Jahren baut er Kinderspielzeug, verrät der 86-Jährige und zeigt viele Fotos. Als früherer Polier hat er in Mutterstadt eifrig mitgebaut, erzählt er – an der Neuen Pforte etwa oder dem neuen Friedhof. Da hat er gleich ein Anliegen an Bürgermeister Schneider wegen der Neugestaltung eben jener Neuen Pforte. Und schon geht es wieder ums Bauen und Umgestalten.

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