Rhein-Pfalz Kreis Vielfalt zeigen gegen Rechts

„Worms ist bunt“ heißt es morgen, Samstag, auf dem Domvorplatz. Dann soll von 11 bis 17 Uhr nach dem Willen der Organisatoren – Stadt und Bündnis gegen Naziaufmärsche – nicht nur gefeiert, sondern auf einer Bühne vor dem Dom die kulturelle Vielfalt in der Stadt offenbar werden. Unter anderem singt der Bachchor der Dreifaltigkeitskirche, eine Jazz-Session von Blue Nite oder Brecht-Rezitationen und Beiträge afrikanischer und italienischer Gruppen sind zu hören. Anlass für die Veranstaltung sind Aktionen rechter Extremisten in Worms.

Hatte ursprünglich eine Gruppe namens Die Rechte sich angekündigt, dann aber ihren Aufmarsch abgesagt, will nun laut Stadt als Genehmigungsbehörde die NPD eine Kundgebung in Worms und vermutlich weiteren Orten – Mannheim, Ludwigshafen und Eisenberg – abhalten. Das Fest soll deutlich machen, dass, so Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) bei einem Pressegespräch zur Vorstellung der Planungen, „Neonazis in dieser Stadt nicht willkommen sind“. Kirche, Kultur und Verwaltung haben die Voraussetzungen geschaffen für ein großes Bürgerfest – so jedenfalls möchte der OB die Veranstaltung nennen, während Heiner Boegler vom Bündnis gegen Naziaufmärsche eher von Protestkundgebung spricht. Das Fest soll Wormsern und insbesondere jungen Familien die Gelegenheit geben, friedlich und vor allem ungefährdet abseits des Demonstrations-Geschehens ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut zu setzen. Der Verwaltung und insbesondere OB Kissel geht es auch darum, Krawalle wie bei der Nazi-Demo 2005, bei der es zu schweren Ausschreitungen kam, zu verhindern. „Die Gefahr der Eskalation ist immer wieder gegeben“, weiß Heiner Boegler. Doch nicht nur auf dem Bürgerfest könnten die Bürger ihre Solidarität zeigen, sondern auch entlang der Demonstrationsstrecke, welche die Polizei allerdings aus strategischen Gründen bislang nicht bekanntgeben will. So ruft etwa Boegler dazu auf, an der Strecke die Rollläden herunterzulassen und Anti-Nazi-Plakate an den Hoftoren zu befestigen. „Außerdem kann man den Demonstranten an der Wegstrecke den Rücken zeigen“, nennt Boegler weitere Ideen. Vorwürfe von Bürgern, das Bündnis würde nicht genug gegen Faschismus tun, lässt er nicht auf sich sitzen: „Wer uns das unterstellt, versucht gezielt, uns zu diffamieren.“ Für morgen, Samstag, wurden der Stadt seitens der NPD bis zu 100 Teilnehmer gemeldet bei einer Kundgebung zur Kommunal- und Europawahl auf dem Platz Am Römischen Kaiser – die Polizei geht „erfahrungsgemäß von einer spürbar geringeren Anzahl“ aus. Eigentlich wollten bereits vergangene Woche im Stadtrat die Bürgervertreter ein starkes Zeichen setzen und geschlossen eine öffentliche Erklärung verabschieden, in der sich alle Parteien „gegen Rassismus und Extremismus in der Gesellschaft“ aussprechen. Doch Die Linke scherte aus: Ein Fest am Dom sei unangebracht, während Nazis durch die Stadt marschieren, argumentiert sie. So kam es nicht zu einem einheitlichen Signal, das sich der OB gewünscht hatte. Doch betonte er bei einem Pressegespräch zur Aktion „Worms ist bunt“, dass die Mehrheit im Stadtrat der Auffassung gewesen sei, dass „es klug wäre, wenn wir den Neonazis nicht die erhoffte Aufmerksamkeit schenken, sondern uns abwenden und deutlich machen, dass das Zusammenleben vielfältiger Menschen unser angestrebtes Ziel ist.“ (cmw)

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