Lambsheim
Verschwundene Orte: Die ehemalige Doll’sche Schmiede
Die ehemalige Lambsheimer Schmiede in der Hauptstraße 52 war bis Ende der 1960er-Jahre ein zentraler Bestandteil des Dorflebens. Ein großes Eisentor mit den Symbolen Hammer und Zange wies früher auf ihre Funktion hin. Die ortsansässigen Landwirtschaftsbetriebe ließen dort ihre Pferde beschlagen, ihre Wagen reparieren und ihre diversen Utensilien anfertigen. Dazu zählten Pflüge, Eggen, aber auch Werkzeuge, die man damals nicht einfach im Baumarkt kaufen konnte.
Mitte des 18. Jahrhunderts waren in Lambsheim sogar drei Hufschmiede ansässig, und noch 1906 wurden hier 216 Pferde gezählt. Manche erinnern sich, dass bis in die 1970er-Jahre vor allem an Samstagen die Pferde vor der Werkstatt standen und neue Hufe bekamen. Zu dieser Zeit arbeiteten noch drei Lambsheimer Bauern mit Pferden. Den älteren Lambsheimerinnen und Lambsheimern ist das Anwesen als Doll’sche Schmiede bekannt, benannt nach dem langjährigen Dorfschmied Ludwig Doll, der 1890 aus der Westpfalz nach Lambsheim kam, und seinem Sohn Robert Doll, der 1930 seinen Vater als Schmiedemeister ablöste. 1963 übernahm Helmut Hörner aus Ruppertsberg den Betrieb, bevor er 1970 das Anwesen Hauptstraße 21 erwarb und dort seine Schmiede und Schlosserei einrichtete.
Das markante Tor ist weg
Das Hauptgebäude der Doll’schen Schmiede war ursprünglich der Sitz der jüdischen Familie Weill. Der um 1780 aus dem heutigen Polen zugewanderte Viehhändler Levi Weill bezog mit seiner Familie das wohl neu erbaute Wohnhaus und richtete darin eine private Betstube ein. Diese befand sich in dem Anbau vorne rechts, zu dem der oben abgerundete hölzerne Laden auf der Straßenseite gehört. Sie fand später als kleiner Verkaufsraum für Eisenwaren Verwendung. Die Umnutzung als Schmiede ging wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vonstatten, als viele Lambsheimer Juden in die umliegenden Städte zogen.
Die einstige Werkstatt wurde zu Wohnzwecken umgebaut und erweitert, das markante Tor davor ist verschwunden. Auch das alte Haus mit seiner ungewöhnlichen hölzernen Freitreppe ist heute ein reines Wohnhaus.
Die Serie
„Verschwundenes Lambsheim“ ist das Motto des diesjährigen Kalenders der Lambsheimer Heimatfreunde. Der Vereinsvorsitzende Jochen Glatt beschreibt in der RHEINPFALZ begleitend zum Kalender die Geschichten hinter den Fotos. Auf der Website des Vereins www.lambsheimer-heimatfreunde.de zeigt der Verein, wie es an besagtem Ort heute aussieht.