Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Verein „Kultur im Capitol“ will sich neu ausrichten

Kult-Kino mit historischem Flair: das Capitol in Limburgerhof. Zwischen Betreibern und Verein knirscht es jedoch.
Kult-Kino mit historischem Flair: das Capitol in Limburgerhof. Zwischen Betreibern und Verein knirscht es jedoch.

Der Verein Kultic in Limburgerhof steht nach Konflikten mit den Betreibern des Capitol-Kinos vor einer Neuausrichtung und will künftig Kulturangebote breiter aufstellen.

Die Lage ist festgefahren, dabei fing alles so schön an. Die Capitol-Lichtspiele in Limburgerhof, bekannt für ihr 50er-Jahre-Flair und ausgewähltes Kinoprogramm, ziehen nach wie vor Filmfreunde aus der ganzen Umgebung an. Eröffnet wurde das Kino 1954 vom Ehepaar Wolf, das das Kino bis 2010 – zuletzt durch einen Pächter – betrieb. Ihr Credo: Das Kino bleibt, wie es ist – keine Digitalisierung, die Filme werden von den Projektoren im Vorführraum abgespult. Nach dem Tod von Gerhard Wolf boten die Erben das Kino zum Verkauf an.

Die heutigen Betreiber, Susanne Deickert und Dieter Janneck, haben die Capitol-Lichtspiele 2014 gekauft. Doch zunächst sah es nicht gut aus: Die Behörden ordneten die Schließung an, weil das Gebäude den Sicherheitsvorgaben nicht mehr entsprach. Die Kinofans waren entsetzt. Bei einer Bürgerversammlung im Jahr 2015 wurde die Idee geboren, einen Verein zu gründen, der das Betreiberpaar unterstützt. Im März 2016 wurde der Verein „Kultur im Capitol Limburgerhof“ („Kultic“) ins Vereinsregister eingetragen. Vereinszweck ist, den Erhalt und Fortbestand des Capitol-Lichtspieltheaters zu unterstützen. So ermutigt, haben Deickert und Janneck, die selbst Mitglieder des Vereins sind, mit erheblichem finanziellen Aufwand und ganz viel Herzblut den Sanierungsstau abgearbeitet, dabei aber das Original-Ambiente erhalten. Seit 2016 werden die Capitol-Lichtspiele regelmäßig mit dem Kinoprogrammpreis Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Konflikt um Veranstaltungen

Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Kino war zunächst recht fruchtbar. Zusammen mit den Betreibern wurden zahlreiche Veranstaltungen organisiert. „Kultic“-Vorsitzende Gabriele Dinkhauser spricht von bis zu 20 Veranstaltungen im Jahr – nicht nur besondere Filmvorführungen wie Schlemmerkino oder Kaffeekino, sondern auch Kindertheatervorführungen und Kleinkunst-Auftritte. Diese finden mittlerweile nicht mehr statt und hier wird es problematisch: Dinkhauser spricht von Konflikten mit den Betreibern, die die Veranstaltungen nicht mehr haben wollten, und davon, dass für sie und ihre Vorstandskollegen eine Zusammenarbeit mit den Betreibern nicht mehr machbar sei.

Was bis zuletzt noch geblieben ist, war das Angebot in Kooperation mit der Volkshochschule, Filme in Originalsprache mit deutschen Untertiteln (OmU) zu zeigen. „Wir als Verein haben die Miete gezahlt, die Volkshochschule hat die Werbung übernommen“, erklärt Dinkhauser. Anfangs sei sie an den Abenden noch an der Kasse gesessen, später nicht mehr. Vor zwei Jahren haben die drei Vorstandsmitglieder von „Kultic“ – neben Gabriele Dinkhauser sind das Claudia Rudat und Oliver Neumann – dann die Konsequenzen gezogen und sind zurückgetreten. Seitdem sind sie kommissarisch im Amt, weil sich keine Nachfolger für den Vorstandsposten gefunden haben. Die Miete für die OmU-Veranstaltungen habe der Verein weiter gezahlt, aber damit sei jetzt auch Schluss. Nach der Sommerpause findet das Angebot nicht mehr statt.

Betreiber: Kino läuft wie bisher

Kinobetreiberin Susanne Deickert möchte sich zu Differenzen mit „Kultic“ auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht äußern. Das Gerücht, das Kino würde verkauft, weist sie zurück. Es laufe weiter wie bisher, wenn auch mit reduzierten Öffnungszeiten. Auch das Frauenkino einmal im Monat bleibe erhalten. Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Kinos hatten Deickert und Jannek 2024 noch erklärt, sie seien bereits seit einem Jahr auf der Suche nach einem Nachfolger. Deickert bedauert es zudem, dass ab Herbst keine OmU-Filme mehr gezeigt werden.

Doch vielleicht gibt es doch noch eine Lösung. Denn „Kultic“ löst sich auch zwei Jahre nach dem Rücktritt des Vorstands und einem erneut gescheiterten Versuch, die Vorstandsposten neu zu besetzen, nicht auf. Das war das Ergebnis der Mitgliederversammlung im März. Nun plane der Verein, den Vereinszweck zu ändern, wenn die Mitglieder in einer weiteren Versammlung zustimmen. In Zukunft soll der Verein nicht mehr nur die Kultur im Capitol, sondern allgemein in Limburgerhof fördern. Dann könnten Veranstaltungen wie Kleinkunst und Kindertheater in anderen Veranstaltungsräumen stattfinden und, wenn man sich mit den Betreibern einigt, ab 2027 auch wieder OmUs angeboten werden.

x