Rhein-Pfalz Kreis Unbegleitete Flucht: Neue Regel für Minderjährige

LUDWIGSHAFEN. Unter den Menschen, die vor Krieg, Terror und Armut fliehen, sind auch viele Jugendliche ohne Eltern, sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Für sie ist das Jugendamt zuständig, nicht das Sozialamt. Hier wird es bald einige neue Regelungen geben, sagt Thomas Baader, Abteilungsleiter Jugend bei der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises.
Zehn Jugendliche, die sich alleine auf der Flucht befanden, leben derzeit im Rhein-Pfalz-Kreis. Im vergangenen Jahr waren es zwölf. Doch diese Zahl wird erheblich steigen, schätzt Baader. Mit ein Grund: Die Jugendlichen sollen, wie bisher schon die Erwachsenen und die Familien unter den Asylsuchenden, nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Länder und dann auf Kreise und Kommunen verteilt werden. Das ist bisher nicht der Fall. Was dazu führt, dass die meisten jungen Flüchtlinge in vier Bundesländern landen, darunter die meisten in Nordrhein-Westfalen. Ein entsprechender Gesetzentwurf für eine „gerechtere“ Verteilung wird im November noch im Bundesrat beraten. Wenn dieser angenommen werde, müsste Rheinland-Pfalz 4,8 Prozent der Minderjährigen aufnehmen. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 6583 der im Verwaltungsjargon als UMF abgekürzten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Obhut genommen. 2014 waren es bereits rund 12.500. Die Prognosen für das kommende Jahr gehen von bis zu 52 der jungen Flüchtlinge im Rhein-Pfalz-Kreis aus, sagte Baader den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses: „Das sind aber ganz vage Zahlen, die sich täglich ändern.“ Nach seiner Information ist vorgesehen, in Rheinland-Pfalz vier bis fünf Schwerpunkt-Jugendämter zu bilden, bei denen die Fäden zusammenlaufen, und von denen aus die Jugendlichen verteilt werden. Für die Pfalz könnte das Kaiserslautern/Kusel sein. Nach Baaders Erfahrung gibt es – nicht nur – im hiesigen Landkreis „viel Bereitschaft, einen jungen Flüchtling, der alleine unterwegs ist, aufzunehmen“, mit Familienanschluss sozusagen: „Das ist ein gutes Gefühl.“ (umi)